Sportserie „Nach-Spiel-Zeit“

Liebe statt Profigeschäft: Wie Ex-Fußballer Wörgötter heute lebt

Von 2003 bis 2009 kickte, wirbelte und jubelte Roland Wörgötter für den 1. FC Sonthofen und stieg mit dem FCS in die Landesliga auf, ehe es den Österreicher zurück in die Heimat zog. Im Tiroler St. Ulrich am Pillersee hat der 44-Jährige mit seiner Ehefrau Melanie und Tochter Matilda das Familienglück gefunden.

Von 2003 bis 2009 kickte, wirbelte und jubelte Roland Wörgötter für den 1. FC Sonthofen und stieg mit dem FCS in die Landesliga auf, ehe es den Österreicher zurück in die Heimat zog. Im Tiroler St. Ulrich am Pillersee hat der 44-Jährige mit seiner Ehefrau Melanie und Tochter Matilda das Familienglück gefunden.

Bild: Jansen

Von 2003 bis 2009 kickte, wirbelte und jubelte Roland Wörgötter für den 1. FC Sonthofen und stieg mit dem FCS in die Landesliga auf, ehe es den Österreicher zurück in die Heimat zog. Im Tiroler St. Ulrich am Pillersee hat der 44-Jährige mit seiner Ehefrau Melanie und Tochter Matilda das Familienglück gefunden.

Bild: Jansen

Als Stürmer ebnet Roland Wörgötter dem 1. FC Sonthofen in den 2000ern den Weg in die Landesliga. Warum die Familie den 44-Jährigen ins Allgäu zog – und wieder nach Tirol.
26.01.2021 | Stand: 11:33 Uhr

Sie sind Olympiasieger und waren Publikumslieblinge, haben die Region auf der großen Weltbühne des Sports vertreten oder sind zur Clublegende im benachbarten Dorfverein geworden. In unserer neuen Rubrik Nach-Spiel-Zeit erzählen wir die Geschichten von zurückgetretenen Sportlern, deren Karrieren die Menschen der Region bewegt haben. Im zwölften Teil blicken wir auf Fußballer Roland Wörgötter.

Von heute auf morgen war ihm die Entscheidung abgenommen. Vor knapp zwölf Jahren wurde Roland Wörgötter aus gesundheitlichen Gründen sozusagen dazu gezwungen, seine Fußballkarriere zu beenden. Am 30. Mai 2009 hatte der langjährige Stürmer des 1. FC Sonthofen seinen letzten Einsatz auf dem Fußball-Rasen. Da sich in der Partie beim BCA Oberhausen der damalige Keeper der Kreisstädter die Nase gebrochen hatte, musste der österreichische Goalgetter in seinem letzten Spiel sogar den ungewohnten Platz zwischen den Pfosten einnehmen.

Hüftprobleme zwingen Wörgötter zum Rücktritt

Eigentlich plante der damals 33-Jährige, mit einigen weiteren Routiniers des FCS danach noch ein Jahr in der zweiten Mannschaft dranzuhängen – dabei spielte Wörgötters Hüfte allerdings nicht mit. Der Torjäger hatte schon länger mit hartnäckigen Leistenproblemen zu kämpfen. In der Vorbereitung für die Saison 2009/2010 bekam er dann die Diagnose, dass er ein kaputtes Hüftgelenk habe und den damit verbundenen eindringlichen Rat der Ärzte, seine Laufbahn zu beenden. „Als mir in der Vorbereitung mal der ganze Fuß eingeschlafen ist, habe ich erkannt, dass es Zeit ist, die Schuhe an den Nagel zu hängen“, erinnert sich der 44-Jährige.

Wehmut schwingt bei seinen Erzählungen allerdings keineswegs mit, denn Roland Wörgötter blickt gerne auf die „supertolle Zeit“ und die vielen Highlights zurück, die er auf dem grünen Rasen erleben durfte. Als knapp 18-Jähriger spielte er gemeinsam mit etlichen österreichischen Ex-Profis für den FC Kufstein in der zweiten österreichischen Bundesliga und war sogar im Blickfeld der Nationalmannschaft. „Das Spiel, in dem ich beobachtet wurde, haben wird aber ordentlich verloren“, erinnert sich der Stürmer. Bereut hat Roland Wörgötter die verpasste Chance jedoch nie, denn der Österreicher weiß, dass viel zusammenpassen muss, um den Sprung ins Profigeschäft zu schaffen.

Von 2003 bis 2009 beim 1. FC Sonthofen im Sturm

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Und so wählte er selbst auch nach dem Abstieg von Kufstein den „sicheren Weg“, absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und wechselte zum SK St. Johann in Tirol. Dort schaffte er den Aufstieg in die Tiroler Liga. Doch die Liebe war es, die Roland Wörgötter ins Allgäu führte, wo seine damalige Freundin wohnte. Durch Zufall kam dabei der Kontakt zum 1. FC Sonthofen zustande, 2003 lief der österreichische Stürmer erstmals im Bezirksoberliga-Team auf. „Sonthofen war für mich das Non-Plus-Ultra“, schwärmt Wörgötter. „Ich habe durch den Fußball nicht nur Anschluss gefunden, sondern es war rundum eine fantastische, coole und spaßige Zeit. Wir hatten eine super Truppe mit einem klasse Zusammenhalt und wir waren sportlich erfolgreich“, erzählt der 44-Jährige.

Sein absoluter Höhepunkt sei der Aufstieg mit dem FCS in die Landesliga in der Saison 2006/2007 gewesen. Im Spiel in Gersthofen gegen den direkten Konkurrenten gelang ihm nach Vorarbeit von Christian Binde sogar das entscheidende Tor zum Sieg. Auch die folgenden Spielzeiten, die er für die zweite Mannschaft der Kreisstädter absolvierte, waren erfolgreich. Mit einer überragenden Bilanz von 25 Saison-Siegen, davon 20 Stück in Serie, gelang dem Team der Aufstieg von der Kreisliga in die Bezirksliga. Die erste Bezirksliga-Saison sollte dann aber auch die letzte aktive für den Österreicher sein. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Teamkollegen Michael Abrell coachte Wörgötter noch eine Saison den TSV Burgberg, bevor es ihn wieder in seine Heimat zog. Grund war abermals die Liebe.

Haus und Familie in St. Ulrich am Pillersee

Gemeinsam mit seiner Frau Melanie, die er 2014 heiratete, zog der Stürmer nach St. Ulrich am Pillersee, in deren Heimat. In der Tiroler Idylle baute sich das Paar ein Haus, 2012 kam Tochter Matilda auf die Welt und im vergangenen Herbst zog Zwergpudel Loui im Haus Wörgötter ein. Fußballerisch gab der Ex-Angreifer nach der Rückkehr ein einjähriges Intermezzo auf der Trainerbank seines Heimatclubs, dem SV Kirchdorf/Iller, danach wandte sich Wörgötter aus Zeitmangel endgültig vom runden Leder ab. Der Bankkaufmann war nicht nur mit Hausbau und Nachwuchs beschäftigt, auch durch das tägliche Pendeln zur Arbeitsstelle nach Salzburg blieb keine Zeit mehr.

Die zeitintensive Pendelei war auch der Auslöser, warum sich Familie Wörgötter noch vor Beginn der Corona-Pandemie entschloss, 2020 eine Auszeit einzulegen. „Ich wollte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, entschleunigen, keinen Termindruck haben und das Leben bewusst genießen“. Darum war 2020 für seine Familie „ein super Jahr“. Mittlerweile hat er beruflich die Branche gewechselt und eine Firma gegründet, mit der er Rasenroboter vertreibt. Die Idee entstand auch mehr oder weniger durch Zufall. Aus Zeitmangel schaffte sich Wörgötter einen Roboter an, um das 1200 Quadratmeter große Grundstück zu mähen. „Der hat uns tolle Dienste geleistet und so viel Freizeit beschert“, schwärmt er. Als die Firma in seinem Auszeit-Jahr auf ihn zukam, siegte der Reiz, einmal etwas Neues zu machen.

Die Besuche im Allgäu sind aber mit der Zeit seltener geworden. Das sportliche Geschehen seines Ex-Clubs verfolgt er zwar immer noch, aber „immer weniger, je weniger Leute ich kenne“, räumt er ein.