Sonthofen

Mülleimer für Papier und Pfandflaschen

Pfandring

Pfandring

Bild: Christian Lanbacher

Pfandring

Bild: Christian Lanbacher

Sonthofen will in der Fußgängerzone mehr Bürger für die Wertstofftrennung sensibilisieren und zugleich Menschen, die sich auch über 25 Cent freuen, etwas Gutes tun. Nur eine Stadträtin stimmt dagegen

19.08.2020 | Stand: 12:07 Uhr

Das Bild kennt man aus vielen Städten, aus Parks, Bahnhöfen und Fußgängerzonen: Menschen, die mit ihren Händen Mülleimer nach Pfandflaschen durchsuchen: Jüngere, die ohne Job oder aus anderen Gründen knapp bei Kasse sind, ebenso wie Ältere, die vielleicht zur wachsenden Zahl derer gehören, die sich mit einer Mini-Rente durchschlagen. Sonthofen will ihnen in der Fußgängerzone das entwürdigende Kramen nach Pfandflaschen im Müll ersparen.

Die Stadt stellt in der Einkaufsmeile vier zusätzliche Abfallbehälter auf, die für Altpapier gedacht sind und oben drauf eine spezielle Halterung haben. So was gibt auch andernorts, beispielsweise als „Pfandring“ an Straßenlaternen. Da kann jeder eine unterwegs getrunkene und gerade übrige Pfandflasche/-dose abstellen und so anderen etwas Gutes tun. Man sehe relativ häufig Menschen, die in Container und Mülleimer greifen, erklärte Paula Lüer von der Initiative „Fridays for future“ im Sonthofer Stadtrat. „Wir wollen es ihnen leichter machen.“

Doch CSU-Stadträtin Martina Bischoff-Koch interpretierte das anders: Sie habe ein „Mordsproblem“, wenn nun Bedürftige den Müll anderer wegbringen sollen, sagte sie. Eine Einschätzung, auf die Bürgermeister Christian Wilhelm verwundert reagierte: Man wolle es den Menschen erleichtern, Pfandflaschen ohne Scham mitzunehmen, sagte er. Dass manche in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen, passiere tatsächlich auch in Sonthofen.

Mit ihrer Kritik an der Flaschenhalterung und ihrem späteren Nein zum Gesamtbeschluss der künftigen Mülltrennung in der Fußgängerzone blieb Bischoff-Koch im Stadtrat allein. „Wir können uns die Welt nicht schönreden; viele Menschen sind auf solche Einnahmen angewiesen“, begrüßte Henning Werth (Grüne) die Idee ebenso wie etwa Dr. Markus Dangel (Freie Wähler).

Auslöser der Müll-Debatte war ein Antrag des Jugendparlaments im Januar, in der Fußgängerzone Wertstoffe getrennt zu sammeln und zusätzliche Behälter für Glas, Papier, Verpackungen (Kunststoff, Metall und Verbundmaterial) sowie für Plastik-Flaschendeckel aufzustellen. Diese umfassende Idee wurde früh verworfen, weil die Kosten-Nutzen-Rechnung einfach nicht passt. Laut Bauhof hätten das Leeren der verschiedenen Wertstoffbehälter und das nachträgliche Sortieren wegen Fehleinwürfen sehr hohen Aufwand verursacht. Gleichwohl will die Stadt – inspiriert von Jugendparlament und der Fridays-for-future-Bewegung – die Bürger für die Abfallproblematik und mehr Mülltrennung sensibilisieren.

Heraus kam der Papier-Flaschenhalter-Kompromiss. Neben den vier Behältern in der Fußgängerzone wird ein weiterer testweise am Sonthofer See aufgestellt. Der Stadtrat beschloss das ebenso bei einer Gegenstimme wie die Bereitstellung der nötigen Mittel. Die fünf Behälter kosten zusammen wohl um die 7500 Euro. Um Unterhalt und Bewirtschaftung kümmert sich der Bauhof, was im Jahr etwa 15 000 Euro kostet. Allerdings muss die Stadt auch weniger für die Entsorgung des Restmülls ausgeben, wenn Passanten die Altpapierbehälter rege nutzen. Beschlossen wurde zudem, dass eine externe Firma die Fußgängerzone künftig dreimal pro Woche mit einem Müllsauger reinigen soll (bisher zweimal). Mehrausgaben hier: 3500 Euro.

Siegfried Zint (CSU) sprach von einem ausbaubaren Projekt. Andreas Böck (Freie Wähler) fand, dass man als Alpenstadt den schonenden Umgang mit der Umwelt vorleben könne. Das stehe Sonthofen auch als Fair-Trade-Stadt gut zu Gesicht, sagte Dr. Gerhard Wimmer (SPD). Stadtrat Dangel gab zu bedenken, dass man bei dem finanziellen Aufwand anders vielleicht mehr erreichen könnte – etwa mit einer Sonthofer Mehrwegtasche oder dem Verzicht auf Eisbecher.