Sonthofen

Manche Firmen schließen, andere warten vergeblich auf Gewerbeflächen

Firma Lochbihler

Die „Lochbihler Metallverarbeitung“ von Karin und Klaus Grözinger in Sonthofen platzt aus allen Nähten. Der Betrieb ist unter anderem im Bereich Maschinenbau tätig, fertigt aber beispielsweise auch Montagearbeitsplätze, Metallbauteile und bietet einen Schärfdienst etwa für Messer und Sägeblätter.

Bild: Ulrich Weigel

Die „Lochbihler Metallverarbeitung“ von Karin und Klaus Grözinger in Sonthofen platzt aus allen Nähten. Der Betrieb ist unter anderem im Bereich Maschinenbau tätig, fertigt aber beispielsweise auch Montagearbeitsplätze, Metallbauteile und bietet einen Schärfdienst etwa für Messer und Sägeblätter.

Bild: Ulrich Weigel

Wenn ein Werk dicht macht, ist der Aufschrei groß. Doch es gibt Betriebe wie die „Lochbihler Metallverarbeitung“ in Sonthofen, die wollen erweitern und Arbeitsplätze schaffen, finden aber keinen Platz.

12.06.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Schließen Firmen oder ziehen aus der Region weg, ist der Aufschrei groß. Denn solche Schritte kosten viele Arbeitsplätze, wie aktuell die Beispiele Voith und BMTS Technology zeigen. Um so bitterer, wenn andere Unternehmen vor Ort wachsen wollen, aber mangels Flächen nicht können. Ein Problem, das einige Orte im südlichen Oberallgäu kennen. Beispiel ist die Metallverarbeitung Lochbihler in Sonthofen. Der Familienbetrieb mit 25 Mitarbeitern will sich seit fünf Jahren vergrößern, würde neue Arbeitsplätze schaffen. Doch nichts gehe voran, ärgern sich die Inhaber Karin und Klaus Grözinger.

Sie kritisieren das zähe Vorankommen der Planungen, was ihrer Meinung nach mit an Behörden samt geforderter Gutachten und Konzepte liege. Klaus und Karin Grözinger sind jetzt von einer Mitteilung der Stadt geschockt, nach der der Bebauungsplan womöglich erst nächsten März fertig sein könnte. Der einst für Herbst 2020 ersehnte Baubeginn ist eh schon vom Tisch. Länger als bis zum Frühjahr wollen sie aber nicht mehr warten.

Unternehmerpaar vergeht zunehmend die Lust

Dem Unternehmerpaar vergeht zunehmend die Lust. Sie müssten dringend in Maschinen investieren, doch im Altbau hat manches allein aus Platzgründen keinen Sinn. Schon jetzt ist der Fertigungsbereich Stückwerk und erschwert flüssige Produktionsabläufe. Da ragen Maschinenteile durch aufgebrochene Wände in Anbauten, weil die eigentliche Halle zu klein ist. Viele Dinge stehen auf Rollen, damit man sie aus dem Weg schieben kann. Wollen Arbeiter eine Metallplatte aus dem Lager zum Laserschneider bringen, muss ein anderer seinen Arbeitsplatz räumen, weil er im Weg steht.

Ihren Grund hat die Firma fast komplett bebaut. Die Autos parken mehrreihig. Laster der Stahllieferanten werden am Straßenrand entladen, wobei ein Gabelstapler sechs Meter lange Stahlteile über geparkte Autos hinweg balanciert. Wird es im Sommer zu heiß, steigt in der niedrigen Halle das Kühlaggregat der Laserschneidanlage aus. Ähnlich der Server der Computeranlage. Die Liste können die Grözingers fortsetzen. Sie wollen deshalb die Betriebsgröße mindestens verdoppeln. Mit Parkplätzen, Grün- und Abstandsflächen kommen sie auf etwa 5.800 Quadratmeter.

Schon 2016 gab es erste Gespräche mit der Stadt. Als klar war, dass die alten Kasernen erst in Jahren frei werden, folgten Gespräche in Nachbarorten. Letztlich entschieden sich Grözingers zum Verbleib in Sonthofen – im Interesse der Mitarbeiter und weil die Stadt signalisierte, man wolle die Firma halten. Ihre Hoffnungen setzen die Unternehmer seit Ende 2018 auf ein geplantes Gewerbegebiet an der B 19 in Rieden. Dortige Anwohner laden sie ein, sich ihre Firma am jetzigen Standort anzusehen und von dem nicht lauten Betriebsablauf zu überzeugen. Dort, an der Oberen Mühle 8, gäbe es keine Probleme mit Anwohnern.

Der Zeitplan bei der Stadt

Fritz Weidlich von der städtischen Bauverwaltung hofft, das Bebauungsplan-Verfahren bis Jahresende abzuschließen. Aktuell werde am Entwurf gearbeitet und über die Zufahrt von der Theodor-Aufsberg-Straße verhandelt. Die würde vieles erleichtern. Weidlichs Ziel ist, den Planentwurf vor der Sommerpause hinzukriegen und im August/September öffentlich auszulegen. „Wenn’s optimal läuft“, wäre ein Satzungsbeschluss im Herbst möglich. Aber: Klappt das nicht oder Einwände machen eine Planänderung samt erneuter Auslegung nötig, könne sich eben alles verzögern.

Die vorzeitige Bürgerbeteiligung im Frühjahr diente laut Weidlich dazu, der Lebenshilfe die Planung und einen frühen Baustart zu ermöglichen, weil es da um Zuschüsse geht. Sollten sich mögliche Bürgereinwände im Sommer nicht auf die Metallbaufirma beziehen, könnte die womöglich schon im Herbst ein Bauantrag stellen.