Fotokunst

Marcel Durach aus Waltenhofen überrascht mit aufregenden Portraits in Sonthofen

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Portrait von Marcel Durach: Junge Frau in Walser Tracht (links). Der Waltenhofener Fotograf zeigt eine Auswahl seiner Arbeiten bis Ende September in der Sonthofer Kultur-Werkstatt.

Bild: Marcel Durach

Portrait von Marcel Durach: Junge Frau in Walser Tracht (links). Der Waltenhofener Fotograf zeigt eine Auswahl seiner Arbeiten bis Ende September in der Sonthofer Kultur-Werkstatt.

Bild: Marcel Durach

Die unkonventionellen Arbeiten des Fotografen setzen Menschen als Fantasiefiguren in Szene und spielen mit Schönheit und Schrecken. Die Ausstellung in der Kultur-Werkstatt hat aber noch mehr zu bieten.
25.09.2021 | Stand: 15:36 Uhr

Manchen Wahrern der Tradition werden vielleicht die Haare zu Berge stehen. Schulterlanges Haar fällt bei einem jungen Mann über die Trachtenjacke. Vielfältige Tätowierungen schmücken die Haut einer jungen Frau, die in ein Festgewand gekleidet ist und den Betrachter über die freie Schulter anblickt. Mit solchen Beiträgen zur Walser Tracht wolle er bewusst anecken und zur Diskussion anregen, erklärt Marcel Durach.

Der Fotograf aus Waltenhofen-Hegge zeigt einen kleinen Querschnitt seiner Arbeiten in der Sonthofer Kultur-Werkstatt, und dabei dürfen auch Beispiele aus diesem Zyklus zur Walser Tracht nicht fehlen. Die Frage, die jenem Projekt zugrunde liegt, lautet: „Was geht?“ Wie einige der ausgewählten Bilder aus diesem Zyklus beweisen, geht so manches. Denn sie bieten eine harmonische und geschmackvolle Synthese aus individuellem modernen Stil und traditionellem Gewand.

Unkonventionell erscheinen auch die meisten Portraits, die Marcel Durach in Sonthofen ausstellt: Sie setzen den Menschen auf fantasievolle Weise in Szene, inszenieren ihn in Kostüm und Pose wie auf einer Theaterbühne. Und so wie in der Fantasie und im Traum Grenzen verschwinden, lösen sie sich auch in diesen Fotografien auf: Überlieferte Geschlechterrollen werden in Frage gestellt, die Wirklichkeit zum Wunschbild verfremdet, mythische Vorstellungen zum realen Bild verdichtet.

Der Betrachter sieht sich plötzlich Wesen gegenüber, die aus Feen-märchen stammen könnten und doch unleugbar Indizien der Gegenwart aufweisen: Wie ein Röntgenbild sind einer Frau Knochen und Schatten auf die tiefdekolletierte Brust geschminkt. Die Hände hält die Dame schamhaft überkreuzt. Die nackte Haut ist rußgeschwärzt, die Fingernägel sind schwarzlackiert. Das geweißte Gesicht ist an den geschlossenen Augen und dem geschlossenen Mund dunkel schimmernd geschminkt. Schwarze Linien fügen sich zu kleinen Kreuzen. Auf dem Haar thront ähnlich einem Dreispitz ein Zweiggeflecht samt weißer Strohblume als Kokarde. Wie eine unheilbringende Sirene taucht diese Gestalt aus dem Dunkel des Hintergrunds heraus, mit Schönheit und Schrecken spielend.

Aus dem Dunkel ins Licht gerückt erscheinen viele Portraits von Marcel Durach – egal, ob sie einen Mann in Rüstung zeigen, die dem Fundus eines römischen Historienfilms entliehen sein könnte, oder eine Frau mit schillerenden Federschmuck im Haar und verräterischen roten (Blut-)Spritzern und Spuren im weiß geschminkten Gesicht, die Shakespeares Mittsommernachtstraum entschwebt sein könnte.

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Neben solch fantastischen Bildern finden sich unverfremdete Portraits von Mensch und Tier, etwa einem ins Spiel vertieften Cellisten oder eines jungen Hundes mit dem sprichwörtlichen Dackelblick. Auch hier setzt immer die Kamera die Protagonisten ausdrucksstark vor tiefem Schwarz in Szene.

Ganz auf Schwarz-Weiß reduziert sind kleinformatige Stillleben und Landschaftsbilder, die mit ungewöhnlichen Details aufwarten, und großformatige Kuhbilder. In ihnen rückt die Kamera den Rindern ganz nahe, zeigt die Tiere mit neugierigem oder fragendem Blick, als friedlich grasenden Vierbeiner im Gegenlicht der Sonne oder als stoisch ruhende gehörnte Schönheit unter dräuenden dunklen Wolken. Das Tier erscheint dabei ebenso als einzigartiges Individuum wie der Mensch, dessen Persönlichkeit durch die Stilisierung durch den Fotografen noch unterstrichen wird.

Öffnungszeiten: bis Ende 2021, montags und dienstags sowie donnerstags und freitags von 9 bis 11 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr – oder nach Absprache unter Telefon 08321/2492.

Marcel Durach im Internet