Pflaster und Corona-Schnelltests auf Knopfdruck

Medikamente aus dem Automaten: Burgberg lehnt Angebot ab

Automat Apotheke Sonthofen

Der einzige Apomat im südlichen Oberallgäu steht derzeit in der Promenadestraße in Sonthofen.

Bild: Benjamin Liss

Der einzige Apomat im südlichen Oberallgäu steht derzeit in der Promenadestraße in Sonthofen.

Bild: Benjamin Liss

Ein Apotheker betreibt einen "Apomat" in Sonthofen und sucht jetzt nach weiteren Standorten. Schwangerschaftstests und Kondome verkaufen sich besonders gut.
20.04.2021 | Stand: 11:38 Uhr

Pflaster, Hustenbonbons, Wundsalbe oder Schwangerschaftstests. All das gibt es seit Oktober Tag und Nacht zu kaufen, und zwar in einem Automaten in der Promenadestraße in Sonthofen. Es ist der „Adler-Apomat“ der gleichnamigen Apotheke. Apotheker Hans-Peter Keiß möchte nun weitere Apomaten in anderen Oberallgäuer Orten bieten. Er stellte zunächst eine Anfrage an die Gemeinde Burgberg – und blitzte im dortigen Bauausschuss ab.

Bürgermeister André Eckardt sagt, der Apomat sei für die Ortsmitte beim Markthaus vorgesehen gewesen. „Verwaltung und Bauausschuss finden diesen Standort aber ungeeignet.“ Grundsätzlich jedoch würden sie solch einen Apomaten „als eine sinnvolle Einrichtung“ anerkennen. Die Gemeindevertreter empfahlen Apotheker Keiß, sich mit privaten Grundstückseigentümern in Verbindung zu setzen. Die Burgberger Gemeindevertreter können sich vorstellen, dass solch ein Apomat neben einem Geschäft in der Ortsmitte Platz findet.

Medikamente aus dem Automaten: Keine Schmerzmittel

40 Produkte hat Keiß in seinem Automaten in Sonthofen platziert. Wer aber nachts dorthin kommt, um sich Schmerztabletten zu besorgen, wird enttäuscht. „Das sind apothekenpflichtige Produkte, die gibt es nur in der Apotheke hinterm Ladentisch.“ Oder eben bei Online-Apotheken im Internet. Auch Allergietabletten seien nicht im Automaten.

Und was wird besonders oft verkauft? „Schwangerschaftstests und Kondome“, sagt Keiß. Also Produkte, die manch einer nicht gerne in der Öffentlichkeit kauft. Apotheker Keiß spricht vom „niederschwelligen Zugang“. An den Automaten traut sich also fast jeder hin. Und wie ist Keiß überhaupt darauf gekommen, Hustensaft, Augentropfen und Co im Automaten anzubieten? Durch seine Urlaubsreisen nach Italien, gibt der 48-Jährige zur Antwort. Dort seien solche Automaten mit Medizinprodukten seit Jahren Gang und Gäbe. Er glaubt, dass sich dieser Trend auch in der Region durchsetzen wird.

Menschen haben kaum Schnupfen und Husten, weil sie Masken tragen

Im ersten halben Jahr sei der Umsatz jedoch nicht riesig gewesen. „Es trägt sich“, sagt Hans-Peter Keiß. Das liege unter anderem daran, dass durch das Tragen von Gesichtsmasken in der Corona-Pandemie kaum einer Schnupfen oder Husten hatte. „Erkältungsprodukte waren nicht gefragt.“ Jetzt seien auch Corona-Schnelltests in dem Automaten zu finden.

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Dennoch will Keiß weitere Apomaten bieten. In Burgberg wird er sich privat weiter auf die Suche nach Grundstückseigentümern machen, die ihm erlauben, solch einen Automaten aufzustellen. Er hofft darüber hinaus, dass es auch in anderen Oberallgäuer Kommunen Interessenten dafür gibt.

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