Lockdown und die Folgen

"Miniwelt Oberstaufen": Nach 22 Jahren droht die Schließung

Miniwelt Oberstaufen

Viel Herzblut hat Heribert Stadtfeld in seine „Miniwelt Oberstaufen“ gesteckt. Bleibt sein Betrieb auch noch in den nächsten Wochen und Monaten zu, überlegt er sich, ob er die Anlage schließen soll.

Bild: Werner Kempf

Viel Herzblut hat Heribert Stadtfeld in seine „Miniwelt Oberstaufen“ gesteckt. Bleibt sein Betrieb auch noch in den nächsten Wochen und Monaten zu, überlegt er sich, ob er die Anlage schließen soll.

Bild: Werner Kempf

Heribert Stadtfeld hat die „Miniwelt Oberstaufen“ 1999 aufgebaut. Weil er keine Überbrückungshilfe erhält, hofft er auf eine Öffnung in den Pfingstferien
17.05.2021 | Stand: 17:46 Uhr

Heribert Stadtfeld nimmt einen Lastwagen und setzt ihn auf die Straße. Kurz darauf setzt sich das Fahrzeug in Bewegung. Ein paar Meter fährt ein Zug über eine Brücke durch die Anlage, die das Rhein-Mosel-Tal abbildet. Der Betreiber der „Miniwelt Oberstaufen“ bringt seine 300 Quadratmeter große Anlage in Wengen auf Vordermann, schraubt, bohrt und reinigt oft bis zu zwölf Stunden am Tag. Doch Besucher darf Stadtfeld wegen des Lockdowns derzeit nicht empfangen.

Der „Miniwelt“-Chef hofft jedoch, an Pfingsten öffnen zu können. Jeden Tag würden 15 bis 20 Interessierte anrufen, die die Miniwelt besichtigen möchten.

Stadtfeld macht keinen Hehl daraus, wer dafür verantwortlich ist, dass es die „Miniwelt Oberstaufen“ bald nicht mehr geben könnte, wenn der Lockdown noch bis in den Sommer andauern könnte. „Nicht wegen Corona, sondern wegen der Unfähigkeit der Politiker in Berlin wird dieser Betrieb kaputt gemacht“, hat er auf die Homepage im Internet geschrieben.

Und einen Berater nennt er als Mitschuldigen für seine missliche Lage. „Hätte ich nur nicht auf ihn gehört“, sagt Stadtfeld. Er hat Mitte Februar eine sogenannte Neustarthilfe bei der Industrie- und Handelskammer München beantragt. Ein paar Tage später wurde ihm mitgeteilt, dass er die staatliche Unterstützung erhalten würde. Doch dann hat er festgestellt, dass der Betrag nicht reichen würde, um finanziell mit seiner „Miniwelt“ über die Runden zu kommen.

2500 Euro Fixkosten im Monat

Daraufhin hat Stadtfeld bei der IHK angerufen und wollte den Antrag rückgängig machen. Er beantragte die „Überbrückungshilfe III“. Diese werde ständig aktualisiert „und würde mir finanziell deutlich mehr bringen“, erläutert Stadtfeld. Denn mit dem Geld könnte er seinen Betrieb weiterlaufen lassen.

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Doch Anfang Mai hat er erfahren, dass es mit der „Überbrückungshilfe III“ nichts werden wird. Jetzt hofft der Pensionär, spätestens in den Pfingstferien wieder aufsperren zu können.

Denn die Fixkosten von 2500 Euro im Monat für Miete, Strom und Versicherungen für die Anlage mit 220 Zügen, 26 000 Bäumen, 5000 Personen und 260 Häusern könne er dann nicht mehr bezahlen. Zweieinhalb Jahre Vorbereitungszeit hat der Rentner in sein Lebenswerk investiert, die Anlage in achteinhalb Monaten aufgebaut und 1998 eröffnet. „Da steckt ganz viel Herzblut drin“, sagt der Erbauer. Bis zu 30 000 Besucher seien in guten Jahren nach Oberstaufen-Wengen gekommen, um die „Miniwelt“ zu bestaunen.