Riezlern/Kleinwalsertal

Mit 409000 Fahrgästen eine Punktlandung an der Kanzelwand

Virtuell

Nur virtuell fand jetzt die Hauptversammlung der Kleinwalsertaler Bergbahn AG statt: Aktionäre konnten sie von überall aus per Computer oder Tablet als Liveübertragung im Internet verfolgen.

Bild:   Ulrich Weigel

Nur virtuell fand jetzt die Hauptversammlung der Kleinwalsertaler Bergbahn AG statt: Aktionäre konnten sie von überall aus per Computer oder Tablet als Liveübertragung im Internet verfolgen.

Bild:   Ulrich Weigel

Die Kleinwalsertaler Bergbahn AG bilanziert bei virtueller Hauptversammlung ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr. Für Diskussionen sorgt das „Bergbahn-Ticket inklusive“.
18.06.2020 | Stand: 12:11 Uhr

Punktlandung für die Kleinwalsertaler Bergbahn AG (KBB): 409000 Menschen beförderte die Kanzelwandbahn im Geschäftsjahr 2018/2019. Das sind fast genauso viele Fahrgäste wie im Vorjahreszeitraum (410 000). Umsatz und Betriebsergebnis wuchsen. Der Jahresüberschuss nach Steuern sank allerdings aus steuerlichen Gründen um zwei Drittel. Bei der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft, die diesmal virtuell erfolgte, also via Internet live übertragen wurde, bilanzierten Vorstand und Aufsichtsrat ein „zufriedenstellendes Jahr“.

So begann der Winter 2018/2019 im Skigebiet Kanzelwand/Fellhorn mit einem zu warmen und zu trockenen Dezember verspätet. Dank der Beschneiungsanlagen waren zumindest über die Feiertage alle Bahnen wie geplant in Betrieb. Der „zu schneereiche“ Januar 2019 wirkte sich hingegen nachteilig aus, zumal die Bergbahnen dann wegen der Lawinenlage ihren Betrieb an mehreren Tagen einstellen mussten. Der sonnenreiche Februar verbesserte das Ergebnis deutlich. Die Höhen und Tiefen lagen im Winter 2018/2019 dicht beieinander, blickte KBB-Vorstand Dr. Andreas Gapp zurück. Die etwas später gestartete Sommersaison 2019 zeichnete sich in der zweiten Hälfte durch stark steigende Gästezahlen aus.

Der operative Umsatz der Bergbahn-AG (Bahnen, Restaurants und Nebenbetriebe) stieg im Winter um 16 Prozent, im Sommer um 9,6. Wirtschaftliches Schwergewicht bleibt der Winterbetrieb: In der Skisaison brachte es die Kanzelwandbahn auf knapp 3,5 Millionen Euro Umsatz, im Sommer nur auf 1,7. Die Erlöse der Gastronomie summieren sich auf 1,9 Millionen. In der Versammlung betonten die Bergbahn-Vertreter ihre vielschichtigen Qualitätsbestrebungen. Qualität liege in der DNA des Unternehmens, betonte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Lucke. „Die Natur in all ihren Facetten ist Kern unseres Geschäfts“ sagte Gapp. Der Schutz von Flora und Fauna habe daher enorme Priorität. Man überlege mit den Mitarbeitern, wie man den „bestmöglichen sozialen und ökologischen Fußabdruck“ hinterlasse. Das gilt laut Vorstand Johannes Krieg ebenso für Baumaßnahmen und die Sensibilisierung der Gäste.

„Neukalkulation war nötig“

Aktuelles Thema ist das „Bergbahn-Ticket inklusive“. Da finanzieren Vermieter über (jetzt steigende) Pauschalen ein entsprechendes Angebot für ihre Gäste. „Die Neukalkulation war nötig“, sagte Lucke zu Diskussionen und Kritik auf Vermieterseite. Die neue Berechnung zielt nicht mehr nur auf die Bettenzahl der Vermieter ab, sondern auch auf die Belegungstage. Konkret sollen Vermieter für das Inklusiv-Ticket 232,50 Euro pro Bett zahlen und 2,20 Euro pro Übernachtung. Bisher waren es pauschal 310 Euro pro Bett. Bei angenommenen 100 Belegungstagen entspricht das einer Erhöhung um 46 Prozent. Steigt die Bettenauslastung, ist auch die prozentuale Steigerung höher.

Man habe viele Millionen Euro investiert, sagte Gapp. Es sei „logische Konsequenz“, dass eine Qualitätsstrategie am Ende des Tages einen Preis haben müsse. Nach Darstellung der Bergbahnen wurde das Inklusiv-Ticket vor über zwölf Jahren mit einem Ansatz von 6,37 Euro pro Urlauber kalkuliert. Vergangenen Sommer sei man im Schnitt aber nur noch auf 5,26 Euro pro Bergbahngast gekommen.

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Aktionär Michael Lang aus dem Kleinwalsertal regte an, die Erhöhung auf mehrere Jahre zu verteilen und für Klein- und Gelegenheitsvermieter eine andere Variante zu schaffen. Dazu sagte Gapp, es sei keine Option, die Erhöhung auf mehrere Jahre zu strecken. Man laufe dem Preis schon lange hinterher. Weiter verteidigten Krieg und Gapp auf eine Anmerkung von Gustl Stempfle (Oberstdorf) den vorgezogenen Baubeginn an Söllereck- und Nebelhornbahn.

 

Aus dem Geschäftsbericht

  • Der Jahresüberschuss vor Steuern stieg bei der Kleinwalsertaler Bergbahn AG (KBB) von 272 000 auf 305 000 Euro. Nach Steuern blieben 179 000 Euro übrig.
  • Neben den Einnahmen aus dem Betrieb der Kanzelwandbahn hatte die KBB weitere Erträge: 147 000 Euro aus verbundenen Unternehmen und 217 000 Euro aus Beteiligungen.
  • Dividende gibt es diesmal keine. Der Gewinn fließt in die Rücklagen.
  • Die KBB beschäftigte im Jahresschnitt 59 Mitarbeiter.
  • Bei den turnusmäßigen Aufsichtsratswahlen wurde Michael Lucke im Amt bestätigt.