Netzverbindung

Mobilfunkanlage bei Immenstadt wird viel teurer als geplant

Knottenried Vodafone

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter präsentierten im Juni 2021 die Baugenehmigung für den Masten.

Bild: Ralf Lienert (Archivfoto)

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter präsentierten im Juni 2021 die Baugenehmigung für den Masten.

Bild: Ralf Lienert (Archivfoto)

Handymast bei Knottenried kostet fast doppelt so viel als ursprünglich berechnet. Immenstädter Bürgermeister Sentner richtet Appell an Aiwanger – mit Erfolg.
11.01.2022 | Stand: 16:49 Uhr

Die Stadt Immenstadt sollte ein Vorzeigeprojekt in Bayern werden: Sie sollte als erste eine Förderung aus einem Sonderprogramm des Wirtschaftsministeriums für die Verbesserung der Mobilfunk-Versorgung erhalten. Der Standort für den neuen Handymasten liegt nahe Knottenried. Doch beinahe wäre daraus nichts geworden. Denn die Kosten stiegen von ursprünglich geplanten 350.000 Euro auf fast das Doppelte. Und der Anteil der Stadt lag den Verantwortlichen schwer im Magen. Da rief Bürgermeister Nico Sentner im Büro von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger an.

Warum sollte sich der bayerische Wirtschaftsminister um einen Handymasten im Oberallgäu kümmern? Tatsächlich tat er das. Hubert Aiwanger war schon vergangenen Juni am Standort der geplanten Anlage an der Verbindungsstraße zwischen Knottenried und Diepolz, als die Baugenehmigung erteilt wurde.

Schließlich sollte Knottenried die erste Anlage werden, die aus dem Topf des Mobilfunk-Förderprogramms von Aiwangers Ministeriums bezuschusst wird. Der erste Standort, der auf über 1000 Metern auch der höchste und südlichste in Bayern ist. Superlative passen gut zum Start eines solchen Programms. Deshalb waren auch Vodafone-Vorstandsvorsitzender Hannes Ametsreiter, Landrätin Indra Baier-Müller und Immenstadts Bürgermeister Sentner beim Startschuss dabei.

Ausbau für Anbieter nicht wirtschaftlich

Mit dem Programm sollen die etwa 900 „weißen Flecken“ ohne ausreichende Netzversorgung in Bayern getilgt werden. Für Mobilfunkanbieter sind diese Gebiete meist nicht wirtschaftlich, weshalb sie sich da nicht engagieren. Daher springt das Wirtschaftsministerium den Kommunen beim Bau bei.

Bis zu 500.000 Euro an staatlicher Förderung waren für den Bau in Knottenried zugesagt. Das hätte laut der ersten Planung von vergangenem Jahr leicht ausgereicht. Allerdings wurden darin einige Faktoren nicht berücksichtigt. Denn bei einer Höhe von über 1000 Metern muss der 45 Meter hohe Masten gegen eine weit größere Wind- und Schneelast viel stärker gesichert werden. Außerdem wurde ein starker Nickelanteil im Boden gefunden, der eine Entsorgung des Aushubs notwendig macht. Geschätzte Kosten: 26.000 Euro. Die Nickelbelastung lasse sich laut Sentner nicht erklären. Sie stamme jedenfalls nicht von einer illegalen Deponie.

Immenstadt als Härtefall

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Weil auch die Baukosten 2021 kräftig nach oben stiegen, kam es Ende des Jahres zu einem wenig erfreulichen Ergebnis: Die Ausschreibungen erbrachte Kosten von über 680.000 Euro. Damit hätte die Stadt für den Funkmasten mehr als 160.000 Euro selber drauflegen müssen. „Bei uns handelt es sich aber um einen Härtefall, der für Mehrausgaben sorgt, für die wir nichts können“, erklärte der Bürgermeister im Stadtrat.

Deshalb habe er beim Ministerbüro angeklopft und den Oberallgäuer Landtagsabgeordneten Eric Beißwenger eingeschaltet. Und tatsächlich kam danach die Zusage für eine höhere Förderung. „Wie hoch die ist, steht aber noch nicht fest“, sagte Sentner. Trotzdem erleichterte das den Stadträten die Entscheidung: Sie vergaben einstimmig den Bauauftrag an die Firmen Geiger für die Tiefbaumaßnahmen (130.000 Euro) und Tele-Mobil Götz für die Anlage (422.000 Euro). Hinzu kommen Kosten für Planung, Aushub-Entsorgung, Erschließung und Grundstückskauf.

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