Open-Air im Ostrachtal

Musikalischer Höhenflug beim Klassik-Picknick in Bad Hindelang

Picknick-Konzert

Gelungene Premiere am Pavillon: Das Open-Air mit dem Streichquartett Thomas Probst, Marcelina Augustyn, Daniel Schwartz und Clara Berger.

Bild: Christoph Pfister

Gelungene Premiere am Pavillon: Das Open-Air mit dem Streichquartett Thomas Probst, Marcelina Augustyn, Daniel Schwartz und Clara Berger.

Bild: Christoph Pfister

Thomas Probst und sein Streichquartett verbinden beim Open-Air am Bad Hindelanger Kurhaus-Pavillon Anspruch mit sommerlicher Leichtigkeit. Wie das gelingt.
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Von Christoph Pfister
18.08.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Picknickdecken sind nicht pandemiegerecht. Der Gailenberg bleibt damit stumm. Ein musikalischer Höhenflug gelingt Thomas Probst und seinem Streichquartett gleichwohl. Aus dem Tal. Auch dank dem Tontechniker, der Konzertsaal-Atmosphäre rund um den Pavillon am Bad Hindelanger Kurhaus schafft, das Farbenspiel der Streichinstrumente facettenfein in aufmerksame Ohren und einen stimmungsvollen Sommerhimmel steigen lässt.

Es weht der Geist der Spätromantik, lebt die Vollendung der Klassik, faszinieren neue Töne aus Tango-Einschmelzungen. In exquisiten Häppchen zwar, doch alles andere als eine kleine gefälligkeitsheischende Nachtmusik. Mit einer „Uraufführung“ gar.

Jenseits der Märchenbühne

Engelbert Humperdinck soll nicht länger auf seine weltberühmte Oper „Hänsel und Gretel“ reduziert werden, findet der aus Vorderhindelang stammende Geiger und stellt als Kostprobe den von ihm nach Autographen aufbereiteten, gerade auch auf CD eingespielten Quartettsatz e-Moll vor. Mit Marcelina Augustyn (zweite Violine), Daniel Schwartz (Viola) und Clara Berger (Violoncello) meidet er Märchenbühne wie überbordenden Gestus. Durchhörbar in ihren dicht verwobenen Themen, gleichwohl dem Geist der späten Romantik schemenhaft verbunden, präsentiert sich die Neuentdeckung. Blumige Melodik ist für die Romance Opus 48 von Camille Saint-Saens aufgespart. Virtuose Soli, sorgsamer Blick auf die Finessen der – im reinen Wortsinn – Komposition als absolute Musik, erfüllen höchste Ansprüche.

Auf dem Weg zur eigenen Klangsprache

Der Sprung zu Astor Piazzollas Neuem Tango, Vermählung populärer Unterhaltungsmusik aus Argentinien mit der europäischen Kunstmusik, gelingt dem Quartett überzeugend mit der 1965 geschriebenen „Milonga del Angel“. Das vorgeschaltete „Triunfal“ macht Piazzollas Schaffen erlebbar, bevor er in Paris seine eigene Klangsprache gefunden hat. Klar differenziert. Werkgetreu. Das Probst-Ensemble wahrt Homogenität, findet die stets adäquate Balance, belässt seinen Mitgliedern Persönlichkeit und Freiheit.

Ländliche Stimmung in Tönen

Macht damit auch den ersten Satz aus Darius Milhauds erstem Streichquartett zum Genuss: Rhythmique lebt seine Eleganz, entfaltet das liedhafte Melos, die Effekte aus harmonischer Schichtung. Zum Open-Air-gerechten Finale Joseph Haydns „Lerchenquartett“: Dynamisch wirkungsvoll getüftelt der Kopfsatz. Durch gedrosseltes Tempo in seiner ländlichen Stimmung unterstrichen das Adagio cantabile, munter korrespondierend das Menuett. Von Verve getrieben, wirbelnd das Finale.

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Biografie von Thomas Probst im Internet.

Der Komponist Engelbert Humperdinck.

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