Bilanz eines ausgefallenen Geschäftsjahres

500.000 Euro Verlust im Monat! Lockdown trifft die Nebelhornbahn hart

In finanzielle Schieflage geraten ist die Nebelhornbahn noch nicht. Weil aber durch Neubau und Lockdown fast ein Geschäftsjahr ausgefallen ist, hoffen die Verantwortlichen jetzt auf einen Neustart an Pfingsten.

In finanzielle Schieflage geraten ist die Nebelhornbahn noch nicht. Weil aber durch Neubau und Lockdown fast ein Geschäftsjahr ausgefallen ist, hoffen die Verantwortlichen jetzt auf einen Neustart an Pfingsten.

Bild: Matthias Becker

In finanzielle Schieflage geraten ist die Nebelhornbahn noch nicht. Weil aber durch Neubau und Lockdown fast ein Geschäftsjahr ausgefallen ist, hoffen die Verantwortlichen jetzt auf einen Neustart an Pfingsten.

Bild: Matthias Becker

Die moderne Zehner-Kabinen-Bahn hat 56,6 Millionen gekostet, darf aber bisher keine Gäste befördern. Das bringt das Unternehmen finanziell in Schwierigkeiten.
05.05.2021 | Stand: 17:09 Uhr

Die Aktionäre der Nebelhornbahn hatten sich darauf gefreut, ihren Besuch bei der Hauptversammlung 2021 mit einer Fahrt mit den neuen Zehner-Gondeln verbinden zu können. Doch die neue Anlage, die für 56,6 Millionen Euro gebaut wurde und seit Ostern fertig ist, hat noch keinen einzigen Gast befördert und auch die Versammlung der Anteilseigner musste als Video-Konferenz stattfinden, die im Internet zu den Aktionären übertragen wurde.

Die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2019/20 fielen bedingt durch Corona-Lockdown und Neubau ähnlich trist aus wie der Rahmen der Hauptversammlung: Die Gästezahlen der Nebelhornbahn gingen wegen der Corona-Beschränkungen und der Entscheidung zum Neubau im Frühjahr sehr deutlich von 464. 000 auf 122 .000 Gäste im Vergleich zum Vorjahr zurück. Der Umsatz brach von 10,7 auf 4,4 Millionen Euro ein. So stand am Ende des Geschäftsjahres ein Fehlbetrag von 3 Millionen Euro und ein Bilanzverlust in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Die Zahlen liegen in dem Bereich, den wir erwartet haben“, sagte Vorstand Henrik Volpert. (Lesen Sie auch: Alte Nebelhornbahn-Kabinen unter dem Hammer)

Wintersaison in Oberstdorf nimmt ein abruptes Ende

Dabei hatte das Geschäftsjahr gut begonnen. In der letzten Wintersaison vor der Corona-Krise zeigte sich das Wetter von Weihnachten 2019 bis Anfang Januar von seiner besten Seite. „Ausreichend Schneefall und sonnige Tage bescherten uns eine hohe Nachfrage und zufriedene Gäste“, sagte Vorstand Johannes Krieg. Die zweite Hälfte des Januars und der Anfang des Februars 2020 verliefen wegen teilweise sehr stürmischen Wetters eher durchwachsen. Als sich das Wetter und die Gästeanfrage wieder besserten, fand die Wintersaison durch die Corona-Pandemie „ein vorzeitiges und abruptes Ende“, berichtete Krieg. Weil damit der April, ein bei der Nebelhornbahn traditionell starker Monat, ausfiel, lagen auch die Gästezahlen der Wintersaison deutlich unter den Vorjahreswerten, erklärte Vorstand Henrik Volpert. Weil ein Neustart des Fahrberiebs im Sommer 2020 lange nicht absehbar war, entschieden die Verantwortlichen den Neubau der Nebelhornbahn vorzuziehen. So war das Unternehmen bis zum Frühjahr 2021 bis auf die Einschränkungen bei den Baumaßnahmen von den Folgen der Pandemie unabhängig, weil in der Bauphase ohnehin kein Betrieb möglich gewesen wäre.

500.000 Euro Verlust im Monat

Doch die Verantwortlichen rechneten natürlich damit, nach Fertigstellung der Bahn an Ostern 2021 wieder in Betrieb gehen zu können. Doch es kam anders: Bis jetzt ist unklar, wann die neue Bahn die ersten Gäste befördern kann. Den Verlust während des Stillstands bezifferte Vorstand Volpert auf rund 500 .000 Euro im Monat.

„Die Hoffnung der Verantwortlichen liegt auf dem Neustart. „Wir sind verhalten optimistisch, dass wir bald starten können“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Lucke. Das sei aber auch notwendig, erklärte Krieg. „Wir sind auf einen zeitnahen Start angewiesen, um das Jahr 2021 gut zu überstehen.“ Und sein Vorstandskollege Volpert appellierte an die Politiker „nicht nur in Verboten, sondern auch an die Chancen der Menschen zu denken.“ Die Bergbahnen hätten im Sommer 2020 bewiesen, „dass ein sicherer Betrieb unter Corona-Bedingungen möglich ist.“

Klagen über Pfeifgeräusche

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Die Zeit des Stillstands will die Nebelhornbahn nutzen, um gemeinsam mit der Fima Leitner das Lärmproblem der neuen Bahn zu beheben. Wie berichtet klagen Anwohner über Pfeifgeräusche, wenn die neuen Kabinen in voller Geschwindigkeit über sie hinwegfahren. „Wir sind zuversichtlich, dass die Firma Leitner eine Lösung finden wird“, sagte Krieg. „Wir bitten die Anwohner um Verständnis, dass Seilbahnen nicht von der Stange geliefert werden und es deshalb zu Problemen kommen kann.“