Walser Kulturgeschichte

Neues Buch klärt über Flurnamen im Kleinwalsertal auf

Wo ist welche Örtlichkeit zu finden? Ein Ausschnitt aus der beigefügten Karte im neuen Buch "Flurnamen im Kleinwalsertal".

Wo ist welche Örtlichkeit zu finden? Ein Ausschnitt aus der beigefügten Karte im neuen Buch "Flurnamen im Kleinwalsertal".

Bild: Klaus Schmidt

Wo ist welche Örtlichkeit zu finden? Ein Ausschnitt aus der beigefügten Karte im neuen Buch "Flurnamen im Kleinwalsertal".

Bild: Klaus Schmidt

Fünf Autoren vom „Brüüge-Team“ haben ein neues Buch über die Flurnamen im Kleinwalsertal erarbeitet. Wie sie im Alltag helfen und an was sie erinnern.
24.06.2021 | Stand: 11:14 Uhr

Ein wertvoller Beitrag nicht nur für das kulturelle Gedächtnis, sondern auch für den Alltag ist das neue Buch „Flurnamen im Kleinwalsertal“. So wertet Mittelbergs Bürgermeister Andi Haid das Werk, das die fünf Autoren vom „Brüüge-Team“, der heimatkundlichen Veranstaltungsreihe, jetzt im Hirschegger Walserhaus vor 160 Besuchern vorstellten. Haid lobte den selbstlosen Einsatz der Autoren zum Nutzen der Gemeinde und der Gemeinschaft des Tals.

Einer der Autoren, Thomas Müller, stellt den Initiator des Projekts vor: Jörg Bantel von der Bergrettung. Deren Mitgliedern bereitete das bisherige Kartenmaterial mit den Flurnamen immer wieder Kopfzerbrechen. Sie mussten feststellen: „Die Karte passt nicht ganz für die Bergrettung“, erklärt Bantel.

Vielfältige zusätzliche Informationen

Diesem Mangel soll das neue Buch abhelfen. Es stützt sich auf den Band 9 des Vorarlberger Flurnamenbuchs von Werner Vogt aus dem Jahr 1980 und ergänzt ihn erheblich. Die fünf Autoren – Anton Amann, Toni Berchtold, Stefan Heim, Karl Keßler und Thomas Müller – haben in fast zwei Jahren „vielfältige zusätzliche und auch neue Informationen zusammengetragen“. Zudem liege nun technisch verbessertes Kartenmaterial vor, wodurch die Flurnamen wesentlich genauer eingezeichnet werden konnten. Dem neuen Buch ist eine zweiteilige Karte im Maßstab 1:12 000 beigelegt, der Luftbilder zugrundeliegen. Das alte Werk enthält eine gezeichnete Karte im Maßstab 1:20 000.

Zwar betonen die Autoren, „in unserer Gruppe ist niemand ‚ vom Fach“, dennoch haben sie mit wissenschaftlichem Anspruch gearbeitet, wie Amann erklärt, Professor i. R. für Soziologie und Sozialgerontologie an der Universität Wien.

Mündliche Überlieferung

Dabei hatten die Autoren einige Probleme zu bewältigen: etwa die Frage der Schreibweise. Sie sei in vielen Dokumenten oft sehr unterschiedlich. Denn die Flurnamen wurden zumeist mündlich und im Dialekt überliefert, erläutert Keßler. Soweit offizielle Schreibweisen bei Bergen, Gewässern oder Orten vorhanden sind, wurden diese verwendet. Der Dialektausdruck wurde zusätzlich im Buch vermerkt. Bei dessen Schreibweise folgte das Team im Wesentlichen dem Kleinwalsertaler Mundartwörterbuch von Tiburt Fritz, Werner Drechsel und Karl Keßler.

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1048 Flurnamen enthält das Buch, für dessen Redaktion Berchtold verantwortlich zeichnet. Das Verzeichnis listet die Flurnamen alphabetisch auf, kategorisiert sie von Alpe bis Weiler und erklärt die Herkunft des Namens. „Bremschtel“ ist zum Beispiel ein Platz, an dem das Vieh Abkühlung sucht.

Sechsmal "Laugeera"

Einige Flurnamen kommen im Kleinwalsertal gleich mehrfach vor: „Laugeera“ etwa taucht gar sechsmal auf. Das Buch zeigt nicht nur die entsprechenden Orte auf – vom Fellhorn-Kanzelwand-Gebiet bis zum Schwarzwassertal –, sondern verweist auch auf die Wortstämme „Lau“, den Dialektausdruck für Lawinen oder Laub, und „Geera“, einen nach oben spitz zulaufenden Grashang.

Um die Standorte für die Flurnamen zu bestimmen, haben Gewährsleute geholfen. Zudem galt es unterschiedliche Höhenangaben für die 23 Berge auszumerzen. Wertvolle Hilfe habe auch der bayerische Steuerkataster von 1808 geleistet, erklärt Heim. Damals gehörten Vorarlberg und Tirol zu Bayern. Der Kataster sei gleichsam der Vorläufer des Grundbuchs. „Die Bayern haben uns damals in die neue Welt geführt“, sagt Heim.

"Lebendige Kulturgeschichte"

„Ohne Flurnamen wäre es vor 200 Jahren nicht gegangen“, erläutert Amann zur historischen Bedeutung des Projekts. Bauern, Hirten, Handwerker benutzten die Flurnamen. Im Kleinwalsertal dienten sie auch dazu, die Pfarrgrenzen zu bestimmen, die zugleich als Ortsgrenzen dienten. Denn eigentliche Ortsgrenzen gebe es im Kleinwalsertal nicht, da das Tal eine Gemeinde sei. So seien Flurnamen „ein Stück lebendige Kulturgeschichte“. Sie halten die Erinnerung an die einstige Nutzung des Geländes oder an alte Sagen wach.

Für die Musik bei der Veranstaltung sorgten die „Saitenbläser“, eine neue Gruppe um Koletta Fritz, und der Frauendreigesang aus den Reihen der Saitenbläser. „Wer sche uuskännt dahenna bi da Wasler, dää ischt froh“, sangen die Frauen dann auch humorvoll in einem Lied auf einen Text von Karl Keßler.

Neuerscheinung: Das Buch "Flurnamen im Kleinwalsertal" kostet 24 Euro. Es ist unter anderem erhältlich beim Bürgerservice der Gemeinde Mittelberg in Riezlern und beim Walserdruck in Riezlern.

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