Oberstdorfer Musiksommer

Neujahrskonzert des Oberstdorfer Musiksommers schürt Optimismus

Trio Opus 8

Ihr Konzert zum neuen Jahr schürt die Vorfreude auf den Oberstdorfer Musiksommer: (von links) Eckhard Fischer, Michael Hauber, Claudia Strenkert und Mario de Secondi.

Bild: Benjamin Liss

Ihr Konzert zum neuen Jahr schürt die Vorfreude auf den Oberstdorfer Musiksommer: (von links) Eckhard Fischer, Michael Hauber, Claudia Strenkert und Mario de Secondi.

Bild: Benjamin Liss

Leiter Eckhard Fischer und seine Kollegen beeindrucken zum Auftakt des neuen Jahres mit ausgefeilten Interpretationen und steigert die Vorfreude aufs Festival.
12.01.2022 | Stand: 05:00 Uhr

Clara Schumann wäre diesmal wohl zufrieden gewesen. Die berühmte Pianistin beklagte einst bei der Präsentation des Trios in C-Dur, Opus 87, von Johannes Brahms, wie überliefert ist, die „schreckliche“ pianistische Leistung des mit ihr eng befreundeten Komponisten, der selbst den Klavierpart gestaltete.

Das Spiel von Michael Hauber am Flügel beim Konzert zum neuen Jahr des Oberstdorfer Musiksommers dagegen hätte der legendären Virtuosin aus dem 19. Jahrhundert vermutlich gefallen. Denn differenzierter lässt sich der Klavierpart in diesem Werk wohl kaum interpretieren. Hochsensibel reagiert der Pianist auf seine Kammermusikpartner, den Violoncellisten Mario de Secondi und den Violinisten Eckhard Fischer, der zudem der künstlerische Leiter des Festivals ist.

Angenehme Atmosphäre

Während des Oberstdorfer Musiksommers stellt sich der Professor für Violine an der Musikhochschule Detmold stets ganz in den Dienst der von ihm eingeladenen Künstler, der zu den Meisterkursen angereisten Studenten und des Publikums, um ihnen allen mit seinem Organisationsteam eine möglichst angenehme Atmosphäre zu bieten. Das mittlerweile zur Tradition gewordene Konzert zum neuen Jahr nutzt Eckhard Fischer dagegen, um sich mit seinem Trio Opus 8 in Oberstdorf selbst als Künstler vorzustellen.

Hornistin aus Kempten

Heuer hatte er dazu als Gast die gebürtige Kemptenerin Claudia Strenkert eingeladen, Solohornistin im NDR-Elbphilharmonie-Orchester. Damit prägen vor allem ungewöhnlich besetzte Werke der Kammermusik das Programm: das Adagio und Allegro für Horn und Klavier, Opus 70, von Robert Schumann und das Trio für Waldhorn, Violine und Klavier in Es-Dur, Opus 40, von Johannes Brahms.

Leiser Abgesang

Beide Werke verlangen eine ausgefeilte Klangbalance zwischen den Instrumenten. Wie wunderbar diese den Interpreten gelingt, beweist schon das kurze Charakterstück von Robert Schumann zum Auftakt des Programms. Da endet zum Beispiel der intime Dialog zwischen den beiden Instrumenten im Adagio mit einem ebenso beeindruckend leisen wie klaren Abgesang des Horns. Schwungvoll, ja geradezu mitreißend entfaltet sich dann das Allegro, ohne dass die Instrumente sich gegenseitig übertrumpfen.

Schmerz und Trauer

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Melodische Schönheit und dramaturgisches Fingerspitzengefühl kennzeichnen zum Abschluss des Programms das Es-Dur-Trio von Brahms. Es nutzt die ungewöhnliche Besetzung, um auf der einen Seite in sehr ernsten Tönen Schmerz und Trauer auszudrücken, auf der anderen Seite aber auch kraftvoll das Leben zu schildern.

Lebensfrohe Momente

So eröffnet das Werk ein langsamer, verhaltener Andante-Satz, in dem sich die drei Instrumente die Themen behutsam zuspielen. Mal tritt das eine Instrument dezent hervor, dann wieder ein anderes. Noch ernster, noch schwermütiger wird die Stimmung im dritten Satz, dem Adagio, wobei die Musik nie in Rührseligkeit abgleitet, sondern stets erschütternd intensiv von tiefer emotionaler Bewegung kündet. Lebensfrohe Momente setzen der zweite Satz, ein Scherzo, in dem sich die Instrumente gegenseitig zur Munterkeit aufstacheln und in dem ein Trio mit einer volksliedhaften Weise für einen Ruhepol sorgt, sowie der vierte Satz, das Finale, das die trüben Gedanken verscheucht und von neu gefundenem Lebensmut erzählt.

Extreme und Eleganz

Eine ausgefeilte Klangbalance spiegelt auch das Mittelstück des Programms wider, das zweite Klaviertrio in C-Dur von Johannes Brahms. Michael Hauber, Eckhard Fischer und Mario de Secondi gewinnen diesem Werk, dessen Extreme manche Zeitgenossen verschreckte, einen großen Facettenreichtum ab. Er lässt neben schroffen Stimmungswechseln auch viel Platz für melodische Eleganz und reizvoll verspielte Momente.

Raffinierte Steigerung

So entfaltet sich in raffiniert gesteigertem Spannungsaufbau ein Werk voll tiefer Gedanken und mitreißender Leidenschaft, das Traditionen aufgreift, aber kühn weiterentwickelt, das von ungarischer Folklore inspiriert erscheint und das sich am Ende zu fast sinfonischer Klangfülle steigert. Und das – zusammen mit dem Horn-Trio – dazu ermuntert, sich von Krisen und Schicksalsschlägen nicht den Lebensmut nehmen zu lassen.

Das Festival: Der Oberstdorfer Musiksommer ist vom 28. Juli bis zum 14. August geplant. Er bietet acht Meisterkurse und 17 Konzerte. Der Kartenvorverkauf beginnt am Montag, 17. Januar. Karten gibt es im Festivalbüro in Oberstdorf, Telefon 08322/9592005, im Oberstdorf-Haus, Telefon 08322/700-2100, sowie im Internet unter www.oberstdorfer-musiksommer.de

Was der Oberstdorfer Musiksommer alles bietet.

Der Festivalleiter und Violinprofessor Eckhard Fischer und sein Trio Opus 8.

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