Musikfest-Pläne

Oberallgäuer Blaskapellen vor Jubiläen: Zwischen Optimismus und Enttäuschung

"Wir sind optimistisch": Thomas Geißler, Vorsitzender der Musikkapelle Steibis, die vor 100 Jahren gegründet wurde. Die Steibinger planen ein Jubiläumsfest im Juli.

"Wir sind optimistisch": Thomas Geißler, Vorsitzender der Musikkapelle Steibis, die vor 100 Jahren gegründet wurde. Die Steibinger planen ein Jubiläumsfest im Juli.

Bild: Günter Jansen

"Wir sind optimistisch": Thomas Geißler, Vorsitzender der Musikkapelle Steibis, die vor 100 Jahren gegründet wurde. Die Steibinger planen ein Jubiläumsfest im Juli.

Bild: Günter Jansen

Die Musikkapellen in Akams und Steibis haben Grund zum Feiern: Die Steibinger hoffen, dass sie trotz Corona "Bock auf Blasmusik" haben können. Die Akamser verschieben ihr Bezirksmusikfest. Was das für die Vereine bedeutet.
28.01.2021 | Stand: 12:27 Uhr

„Wir sind fertig“, sagt Thomas Geißler, und er meint das durchaus positiv. Denn die Vorbereitungen für das Musikfest in Steibis sind so gut wie abgeschlossen. Ob "Bock auf Blasmusik" wirklich, wie geplant, vom 2. bis zum 4. Juli stattfinden kann, ist unter den Pandemie-Bedingungen noch offen. „Aber wir sind optimistisch“, so Geißler, seit 2017 der Vorsitzende der Musikkapelle Steibis, die heuer ihren 100. Geburtstag feiert. Und selbst wenn: „Was wir jetzt planen, können wir auch noch 2022 oder 2023 brauchen.“ Definitiv verschoben ist das 26. Bezirksmusikfest in Akams aus Anlass des 175-jährigen Bestehens der Musikkapelle.

Die Einladungen zum Fest in Steibis sind verschickt, die Rückmeldungen liegen vor: Über 30 Musikkapellen wollen im Sommer im Ort aufspielen. „Das Programm steht“, sagt Geißler (32), der seit 17 Jahren in dem Ensemble die Klarinette spielt. Aktuell werde noch das Sicherheitskonzept ausgearbeitet, „wir sind im Gespräch mit den Sponsoren und sammeln fleißig“. Die Beratungen fanden wegen der derzeit geltenden Kontaktbeschränkungen zum größten Teil per Telefon- oder Videokonferenz statt: „wahnsinnig effektiv“, so der Bankkaufmann.

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Zu den Höhepunkten der Festlichkeiten wird das „Aushängeschild“ der Kapelle zählen. „Wir sind eine der wenigen Musikkapellen im Allgäu-Schwäbischen Musikbund (ASM), die noch keine Vereinsfahne haben. Jetzt haben wir uns eine gegönnt.“ Die Fahne liege fertig in Regensburg – natürlich mit der Jahreszahl 2021.

Gefeiert wird in einem „sehr großen Festzelt“ auf dem Parkplatz an der Talstation der Imbergbahn. „Aber es ist eine Gratwanderung.“ Verträge mit den auftretenden Musikbands und dem Zeltverleih wurden geschlossen. Wenn die Kapelle die Veranstaltung aus eigenem Interesse absagt, weil sich etwa die Durchführung nicht rechnet, werde sie regresspflichtig. Aus dem Schneider sind die 33 Musiker nur, wenn größere Veranstaltungen von der Regierung verboten bleiben.

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Ende März will die Kapelle entscheiden, ob das Fest in großem Stil gefeiert werden kann. Falls nicht, sollen die Feierlichkeiten um ein Jahr, oder, wenn es sinnvoller sei, um zwei Jahre verschoben werden. Stattfinden sollen sie auf jeden Fall: „Wir haben uns so viel Arbeit gemacht.“ Und der Geburtstag werde natürlich trotzdem gewürdigt – in kleinerem Rahmen als „Familienfeier“. „Das sind wir unserer Generation und der Vorgeneration schuldig.“ Denn viele Musiker bewahren mit ihrem Eintritt in die Kapelle eine Familientradition.

Auch in Akams will man den Geburtstag feiern: „In kleinem Rahmen, nur für uns, wenn Corona das zulässt“, sagt Sabrina Martin, Vorsitzende der Kapelle seit 2018. Dafür gebe es noch keinen Termin und keine Planung: „Das machen wir kurzfristig, wenn es heißt, jetzt ist es erlaubt.“ Die Entscheidung, das Bezirksmusikfest zu verschieben, ist den Akamsern nicht leicht gefallen. Im Herbst 2020 habe man sich gefragt, wie lange man das Für und Wider diskutieren könne. Ende des vergangenen Jahres erfolgte dann in Absprache mit dem ASM die Absage.

„Die Enttäuschung ist bei den Musikern natürlich sehr groß“, so Martin, die seit 16 Jahren in der Formation die Trompete bedient. „Aber es ist eine vernünftige Entscheidung“. Denn bereits für März war der Festakt geplant, die Wertungsspiele hätten im April stattfinden sollen, das große Musikfest dann im Juni. Doch die Bevölkerung habe Verständnis. „Die Einwohner haben uns gesagt: Egal, wann Ihr das macht, wir helfen Euch.“

Auch in Akams waren die Planungen schon recht weit gediehen. Die Brauerei war festgelegt, ein Vertrag mit Gastmusikern wurde geschlossen. Doch die Band sei sehr kulant gewesen, so die Standesbeamtin (28) dankbar. „Wir konnten von dem Vertrag zurücktreten.“ Mit den Hauptsponsoren habe man noch nicht gesprochen: „Wir haben es geschoben, geschoben.“ Hinausgezögert hat die Kapelle auch die notwendigen Genehmigungen von Gemeinde und Landratsamt.

Wann das Bezirksmusikfest nachgeholt werden kann, steht noch nicht fest. Dem Allgäu-Schwäbischen Musikbund (ASM) habe man den Wunsch übermittelt, die Veranstaltung auf 2026 zu schieben: „Dann feiern wir das 180-jährige Bestehen.“ Noch habe der ASM aber nichts verlauten lassen.