Digitale Bildung und Medienkompetenz

Oberallgäuer "Digital Day": Wie lassen sich Medien sinnvoll nutzen?

Digital Day

Ein Junge spielt an einem Smartphone und nimmt sich währenddessen mit einem zweiten Handy auf, um das Video mit seinen Freunden zu teilen.

Bild: Robert Michael, dpa

Ein Junge spielt an einem Smartphone und nimmt sich währenddessen mit einem zweiten Handy auf, um das Video mit seinen Freunden zu teilen.

Bild: Robert Michael, dpa

Beim „Digital Day“ des Landkreises Oberallgäu informierten sich Erwachsene und Jugendliche in 16 Workshops zu Mediensucht, Cybermobbing und Gaming
18.03.2021 | Stand: 19:47 Uhr

621 Minuten verbrachten 14- bis 29-Jährige 2020 täglich auf digitalen Medien. Dieser Konsum ist in den vergangenen Jahren konstant angestiegen. Das ist nur eines der Themen, die beim „Digital Day“ am Donnerstag zur Sprache kamen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bildungsbüro des Landkreises Oberallgäu in Kooperation mit der Allgäuer Zeitung, dem Schulmedienzentrum Immenstadt und dem Kreisjugendring Oberallgäu. Das Ziel: Digitale Themen der Öffentlichkeit im Landkreis zugänglich zu machen. Chancen und Risiken der Mediennutzung wurden von beiden Seiten beleuchtet.

Rolf Grummel, Geschäftsführer des Allgäuer Zeitungsverlags, hielt zu Beginn einen Kurzvortrag zur sinnvollen Mediennutzung. Dabei erklärte er Begriffe wie klassische und neue Medien, stellte aber auch klar, dass der digitale Wandel stets auf den Bedürfnissen der Menschen beruht. Aktuelle Entwicklungen und Tendenzen bezögen sich daher auf die heutige Zeit. Beispielsweise surften 99 Prozent der 10- bis 27-Jährigen mit dem Smartphone im Internet, 91 Prozent von ihnen nutzten den Messenger-Dienst Whatsapp. Anschließend ging Grummel näher auf die Medienbranche ein. So sprach er von dem Phänomen des „clickbaiting“: Artikel, die mit reißerischen Schlagzeilen veröffentlicht werden, um mehr Reichweite zu erzielen. Die Medien seien nicht ohne Fehler. Eine absolute Objektivität gebe es nicht.

"Die Corona-Pandemie hat den digitalen Wandel beschleunigt"

Daraufhin ging Grummel auf die Verantwortung der Presse als vierte Staatsgewalt ein und nannte als Beispiel die aktuelle Maskenaffäre. „Medien sorgen dafür, dass Missstände öffentlich gemacht werden“, sagte er. 2020 habe die Corona-Pandemie den digitalen Wandel beschleunigt. „Viele digitale Formen hätten sich auch ohne Corona durchgesetzt“, sagte er, „aber nicht so schnell.“ Grummel schloss mit dem Appell an alle Altersgruppen, die bildschirmfreie Zeit im Auge zu behalten: „Es kann auch sehr schön sein, offline Zeit zu verbringen.“

Nach dem Vortrag folgten zwei Runden mit Workshops zu verschiedenen Themen. Insgesamt hatten sich 245 Teilnehmer hierfür angemeldet, davon hauptsächlich Erwachsene. Obwohl die Plätze bereits vor zwei Wochen ausgebucht waren, kamen beim Bildungsbüro noch Anfragen herein. Allerdings war die Teilnehmerzahl begrenzt, um die Interaktion zwischen Interessierten und Referenten zu ermöglichen.

Tipp fürs Handy: "Eine Eisprinzessinnenhülle für einen erwachsenen Mann"

Der Suchttherapeut der Caritas Augsburg, Niels Pruin, referierte zum Thema Mediensucht. Er erklärte die Diagnose und die Ursache süchtigen Verhaltens. Allerdings verteufle er das Handy nicht. Es gehe also um das richtige Maß. Außerdem sprach er auch einige Tricks an, mit denen der Konsum verringert werden kann. Das Handy könne so verändert werden, dass man es nicht gerne herausziehe: „Eine Eisprinzessinnenhülle für einen erwachsenen Mann“, nannte Pruin als Beispiel.

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In dem Workshop des Kemptener Polizeibeamten Marius Fromme ging es um die digitalen Nebenwirkungen und strafrechtlichen Aspekte bei Kindern und Jugendlichen. Diese würden im Netz immer häufiger mit Gewaltdarstellungen und Extremismus konfrontiert. Auch Cybermobbing und Pornografie sind verbreitete Phänomene im Netz. Beleidigungen seien im Internet leichter, weil man sich nicht in die Augen schauen müsse, sagte Fromme.

Diese Workshops gab es beim "Digital Day"

Weiterhin gab es Workshops zu den Themen Computerspiele und Gaming, soziale Medien, Grundkenntnisse der Informatik, Kinderfotos im Netz, Escape Rooms und jugendliche Medienwelten. Aufgrund der Corona-Pandemie fand der „Digital Day“ erstmals online statt.

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