Corona-Pandemie

Oberallgäuer Hoteliers fordern klare Regeln für 2021

Nicht begeistert ist Armin Hollweck, Oberallgäuer Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, über den verlängerten Lockdown. Viele Betriebe stünden mit dem Rücken zur Wand.

Nicht begeistert ist Armin Hollweck, Oberallgäuer Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, über den verlängerten Lockdown. Viele Betriebe stünden mit dem Rücken zur Wand.

Bild: Benjamin Liss

Nicht begeistert ist Armin Hollweck, Oberallgäuer Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, über den verlängerten Lockdown. Viele Betriebe stünden mit dem Rücken zur Wand.

Bild: Benjamin Liss

Der Teil-Lockdown bis 10. Januar trifft das Gewerbe hart. Es gibt aber auch Planungssicherheit, sagen drei Verantwortliche. Was sie für 2021 erwarten.
03.12.2020 | Stand: 21:48 Uhr

Kein Weihnachtsgeschäft, keine Gäste über Silvester. Jetzt ist klar: Der Teil-Lockdown, unter anderem mit geschlossenen Restaurants und Übernachtungsbetrieben, dauert nach jetzigem Stand bis zum 10. Januar. „So hart es ist, aber es gibt wenigstens ein Stück Planungssicherheit“, sagt Sybille Wiedenmann, Geschäftsführerin des Zusammenschlusses Allgäuer Top-Hotels. Sie ist sich in dieser Aussage einig mit den Hoteliers Robert Frank (Oberstdorf) und Armin Hollweck (Oberstaufen). Sie erwarten nun eine definitive Aussage für Januar. Alle im Hotel- und Gastgewerbe Tätigen bräuchten Gewissheit, wie es dann weitergeht.

Das Zermürbende sei die Ungewissheit, das gelte für die Verantwortlichen von Restaurants, Hotels – und natürlich auch für die Mitarbeiter. Das sind nach Angaben der Arbeitsagentur allein im Oberallgäu über 4700 Beschäftigte in 700 Betrieben. Die Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) fordert die Bundesregierung auf, den Beschäftigten im Gastgewerbe eine Corona-Sofort-Nothilfe in Höhe von 1000 Euro zu zahlen. Und die Auszahlung der Unternehmenshilfen im November und Dezember müssten an den Erhalt von Arbeitsplätzen geknüpft werden.

Mitarbeiter brauchen Gewissheit

Natürlich wollen die Hotels ihre Mitarbeiter halten, sagt Top-Hotel-Geschäftsführerin Wiedenmann. Sie seien enorm wichtig. Aber jetzt, in dieser unsicheren Lage der Gastronomie, gebe es auch gezielt Abwerbekampagnen: „Bar war gestern“ – so lockte kürzlich ein großer deutscher Einzelhändler Gastro-Mitarbeiter, dazu ein Foto mit halb gefüllten Whiskeygläsern. Natürlich überlegten sich da manche, ob sie nicht abspringen sollten. Wiedenmann fordert deshalb Gewissheit für die Mitarbeiter. Das Allgäu sei eine Tourismusregion, der eine profitiere vom anderen. Die Corona-Pandemie habe eine „Ausnahmesituation“ geschaffen, die von allen Zusammenhalt erfordere.

Im Hotel Frank in Oberstdorf arbeiten normalerweise 80 bis 100 Leute in Festanstellung, sagt Robert Frank. Davon viele aus dem Ausland. Um rechtzeitig wieder starten zu können, „brauchen wir einen gewissen Vorlauf und auch Richtlinien, an denen wir uns orientieren können“, sagt Frank. Die Novemberhilfe mit 75 Prozent vom November-Umsatz 2019, die nun wohl auf den Dezember ausgedehnt wird, hält Frank „für grundsätzlich fair“. Allerdings sei noch kein Geld geflossen. „Wir können erst seit dieser Woche überhaupt Anträge stellen.“ Manche treffe es wesentlich härter, beispielsweise die Solo-Selbstständigen, die im Hotel Wanderungen oder andere Aktivitäten bieten, durchs Raster fallen und kein Kurzarbeitergeld bekommen.

„Ich bin nicht begeistert“

Dass an Weihnachten und Silvester Hotels und Restaurants zubleiben müssen und keine Urlauber kommen dürfen, davon ist Armin Hollweck vom Hotel Adler in Oberstaufen freilich nicht begeistert. Der Oberallgäuer Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands weist auf die ausgefeilten Hygienekonzepte hin. Die Coronazahlen, so sagt Hollweck, seien erst in die Höhe geschnellt, nachdem die Betriebe dicht waren. Er vermutet einen Zusammenhang mit mehr Privatfeiern.

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Auch ärgert er sich über Kritik von Außenstehenden an der staatlichen November-Hilfe. Damit könnten die Fixkosten „annähernd gedeckt werden“. Sofort- und Überbrückungshilfen würden vom staatlichen Zuschuss abgezogen wie auch das Kurzarbeitergeld und die KfW-Schnellkredite, „obwohl man die ja zurückzahlen muss“. Er fände es gerechter, wenn der Durchschnitt des Umsatzes vom gesamten Jahr 2019 als Richtwert genommen würde. „Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt Hollweck. „Wir brauchen jetzt diese Finanzhilfen vom Staat.“

Der Sommer sei gut gewesen, „aber zusammengerechnet haben wir unsere Betriebe 2020 fünf bis sechs Monate schließen müssen, das kann niemand ohne Weiteres überstehen“.