Kabarett im Oberallgäu

Oberallgäuer Kultursalon nimmt satirisch den Konsum aufs Korn

„Das einfachere Leben ist immer einfacher, aber nur, wenn man freiwillig einfach sein will“: Josef Brustmann rät in Oberstaufen und Hindelang: „Das Leben ist kurz – kauf sie dir, die roten Schuh“.

„Das einfachere Leben ist immer einfacher, aber nur, wenn man freiwillig einfach sein will“: Josef Brustmann rät in Oberstaufen und Hindelang: „Das Leben ist kurz – kauf sie dir, die roten Schuh“.

Bild: Dominik Brustmann

„Das einfachere Leben ist immer einfacher, aber nur, wenn man freiwillig einfach sein will“: Josef Brustmann rät in Oberstaufen und Hindelang: „Das Leben ist kurz – kauf sie dir, die roten Schuh“.

Bild: Dominik Brustmann

Josef Brustmann, Gewinner des Deutschen Kabarett-Preises, erklärt in Oberstaufen und Hindelang mit Ironie und Hintersinn, was man braucht, um glücklich zu sein.

12.09.2020 | Stand: 13:17 Uhr

„Das Leben ist kurz – kauf sie dir, die roten Schuh“, empfiehlt Josef Brustmann in seinem Kabarettprogramm. Der Gewinner des Deutschen Kabarett-Preises präsentiert es am kommenden Mittwoch beim Kultursalon in Oberstaufen und einen Tag später beim Kultursalon in Bad Hindelang. Bekannt wurde Josef Brustmann durch sein Mitwirken beim Bairisch-Diatonischen Jodelwahnsinn. Was die Zuhörer beim Kultursalon erwartet, erzählt Josef Brustmann im Gespräch mit Riccarda Gschwend.

Der Titel Ihres Programms macht neugierig. Was steckt darin? Eine Aufforderung zum Extravaganten? Gar zum Konsum?

Josef Brustmann: Das Extravagante und der Konsum locken immer, obwohl ja hinterher das Erfüllende und das Glücksgefühl immer nur ganz kurz anhalten, dann muss schon wieder was Neues her. Ich bin nicht so gescheit, aber auch nicht so dumm, da Antworten zu geben. Ich spiele mit dem Thema, und das Publikum soll und darf mitspielen. Muss mitdenken, darf mich von mir aus auch überholen.

Ist es eine Last der heutigen Zeit, dass die Menschen so viele Konsum- und Erlebnismöglichkeiten haben? Wäre ein einfacheres Leben vielleicht einfacher?

Brustmann: Das einfachere Leben ist immer einfacher, aber nur wenn man freiwillig einfach sein will. Wenn man einfach sein muss, ist man arm. Einfach sein wollen, ist aber auch ganz schön schwer, aber leicht ist dann das Leben.

Sie selbst sind als achtes von neun Kindern auf einem bayerischen Einödhof in so genannten „einfachen Verhältnissen“ aufgewachsen. Prägt Sie das bis heute? Inwiefern?

Brustmann: Meine Eltern haben nach dem Krieg zehn Jahre mit sechs Kindern auf 20 Quadratmetern im ersten Stock von einem Waschhäusl gewohnt, ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Wenn man anspruchslos aufwächst, ist man schneller zufrieden und glücklich. Man erwartet nichts Großes vom Leben und freut sich, wenn einem was Schönes vor die Füße fällt und greift dann schnell und fest zu. Und alles, was man braucht, um glücklich zu sein, kostet ja nichts. Ich kann das beweisen, weil ich ein Lied darüber geschrieben hab.

Als einer von vielen haben Sie die Musik als Möglichkeit entdeckt, sich Gehör zu verschaffen. Später haben Sie sogar Musik studiert und als Lehrer gearbeitet. Heute spielen die Instrumente eine herausragende Rolle auf der Bühne. Was bedeutet Musik für Sie? Und welche Rolle spielt sie in Ihren Programmen?

Brustmann: Wir haben zu Hause immer viel gesungen und Musik gemacht. Das war bei uns so selbstverständlich wie Ein- und Ausschnaufen. Musik war für uns immer Lust, Gaudi und Lebensmittelpunkt. Und ich kann mir kein Kabarettprogramm von mir ohne Musik vorstellen. Im Kabarett muss man ja schon immer ganz schön mitdenken, also bei mir zumindest, aber bei der Musik, da hört das Denken auf, da darf man einfach nur so rumsitzen und bisserl mit den Ohren wackeln und bisserl spüren. Aber das Spüren geht ja wie von allein, automatisch, und geht tief ins Herz, und das ist sehr schön, für die Zuhörer und für mich.

Haben Sie ein Lieblingsinstrument? Zur Zither scheinen Sie eine besondere Beziehung zu haben …

Brustmann: Ja die Zither, die ist verführerisch. Sie kann so lustig tun und plötzlich auch ganz wehmütig, hellfrisch klingen wie ein Quellbach und dunkel wie ein Tannenwald. Der Zither bin ich verfallen! Ich sing jeden Tag zur Zither einfach nur so für mich. Wenn ich mal tot bin, wird mir das sehr abgehen, wahrscheinlich.

Den Lehrerberuf an den Nagel zu hängen und Kabarett zu machen, war sicherlich keine leichte Entscheidung. War es die richtige?

Brustmann: Ja!

Kultursalon: Josef Brustmann: „Das Leben ist kurz – kauf sie dir, die roten Schuh“, Mittwoch, 16. September, 20 Uhr, Kurhaus Oberstaufen, und Donnerstag, 17. September, 20 Uhr, Hotel Prinz-Luitpold-Bad Bad Hindelang. Kartenreservierung: Brainstorm Music Marketing AG, Telefon 08324/5139991.