Von Ballett über Hip Hop bis zum Gesellschaftstanz

Oberallgäuer Tanzschulen im Lockdown: So läuft digitales Tanzen

Teresa Solveig Özkaraman

Teresa Solveig Özkaraman hat ihr komplettes Programm online-fähig gemacht und kann so ihre Tanzschüler halten.

Bild: Özkan Özkaraman

Teresa Solveig Özkaraman hat ihr komplettes Programm online-fähig gemacht und kann so ihre Tanzschüler halten.

Bild: Özkan Özkaraman

Beim Online-Unterricht machen Tanzschulen in der Region unterschiedliche Erfahrungen. Welche Hürden Tanzlehrer überwinden müssen und was ihnen Sorgen bereitet.
27.04.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Nicht weniger, sondern mehr Kurse bietet Teresa Solveig Özkaraman von der Tanzfabrik Sonthofen im Lockdown an. Sie hat nicht nur ihr komplettes Programm ins Netz verlegt, sondern auch zusätzliche, kostenfreie Work-Outs für die ganze Familie erstellt. „Das ist ein kleines Zuckerl“, sagt sie. Andere Tanzschulen in der Region kämpfen mit der Krise und bieten teilweise keinen Online-Unterricht an. Doch in der Tanzfabrik läuft es laut Özkaraman „sehr gut“.

Sie habe viel in Technik investiert, „dass die Schüler den Unterricht in guter Qualität verfolgen können“: Fernseher, Kamera, Headset, Mixer und Sender. Raumgreifende Bewegungen oder große Sprünge sind für die Schüler zuhause jedoch nicht möglich. Deswegen habe die 33-jährige Studioleiterin die Übungen und Schritte umgestaltet, sodass die Tänzer beispielsweise „nicht fünf Meter vor oder zurück“ müssten. „Natürlich ist es nicht das Gleiche wie im Saal“, sagt die Studioleiterin. Aber sie möchte die Schüler im Alltag motivieren.

Tanz-Unterricht online: Das sagen Tanzschülerinnen im Oberallgäu

Die 31-jährige Anja Schmid aus Burgberg ist bereits seit 26 Jahren dabei und beschreibt sich selbst als Fan der Tanzfabrik. Für sie ist es „der perfekte Ausgleich zum Alltag“. Zwar müsse man sich den Platz zuhause schon einteilen, aber das kenne sie von Auftritten auf der Bühne. Vor allem fehlten ihr zum Beispiel Spagatsprünge, aber insgesamt sei der Online-Unterricht eine gute Alternative.

Die 16-jährige Vanessa Herzog aus Sonthofen findet den Online-Unterricht „super“. Sie ist eine von Özkaramans Schülerinnen und tanzt bereits, seit sie vier Jahre alt ist. „Man bewegt sich, der Tag hat Struktur – und man sieht seine Freunde, wenn auch nur online“, sagt sie. Am meisten freue sie sich aber darauf, nach dem Lockdown wieder in der Gruppe zu tanzen, sagt Herzog.

Online-Unterricht stellt Tanzschulen vor Herausforderung

Auch die Studioleiterin vermisse ihre Tanzschüler und die Energie der Gruppe im Saal. Mit der Zeit wachse auch der Druck. „Je länger der Lockdown dauert, desto schwieriger wird es, den Online-Unterricht abwechslungsreich zu gestalten“, sagt sie. Außerdem verbrächten die Kinder mit der Schule bereits sehr viel Zeit vor dem Bildschirm.

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Von den insgesamt circa 300 Tanzschülern wollten laut Özkaraman lediglich fünf bis zehn Kinder ihre Kurse nicht weiterführen. „Das ist schade, aber wir verstehen das“, sagt sie. Dank der Mitgliederbeiträge komme sie über die Runden. Für die staatlichen Corona-Hilfen habe die Tanzfabrik die Anforderungen nicht erfüllt. Zwar habe die Tanzlehrerin auch so manche Kündigung erhalten, aber nicht mehr als vor der Pandemie. „Den Großteil unserer Schüler konnten wir halten.“

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Warum nicht alle Tanzschüler den digitalen Unterricht nutzen

Etwas schwieriger ist die Situation in der Tanzwelt Keipert in Sonthofen. Circa 30 Prozent der Tanzschüler nehmen laut Geschäftsführerin Petra Keipert das Angebot im Live-Stream an. Nach dem ganzen Tag im Homeoffice habe so mancher keine Lust, abends noch mal Zeit vor dem Computer zu verbringen, erzählt sie. Der Tanzunterricht für Kinder falle momentan komplett aus und für die Jugendlichen gebe es lediglich HipHop-Tanz. Den klassischen Gesellschaftstanz möchte sie in dieser Altersgruppe nicht anbieten, um nicht zusätzliche Kontakte zu fördern.

Unter den Erwachsenen seien die Teilnehmer meist Paare aus demselben Haushalt. „Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen“, sagt Keipert. Für viele sei die Tanzstunde das „Highlight der Woche“. Dennoch bleiben die Sorgen, wie es in Zukunft weiter geht und ob die Leute weiterhin am Unterricht teilnehmen. Sie habe „wahnsinnige Umsatz-Einbußen“ gehabt und die Corona-Hilfen des Bundes beantragt. Aber: „Wir sind und bleiben optimistisch“, sagt die 54-Jährige. „Es ist einfach unsere Lebensaufgabe. Ich kann und möchte nichts anderes machen.“

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