Wald und Forstwirtschaft

Oberallgäuer Waldbesitzer: „Ein Gesetz zur falschen Zeit“

Holz Baum Baumstamm

Wegen eines neuen Gesetzes wird in diesem Jahr im Oberallgäu kaum frisches Fichtenholz geschlagen.

Bild: Ulrich Weigel

Wegen eines neuen Gesetzes wird in diesem Jahr im Oberallgäu kaum frisches Fichtenholz geschlagen.

Bild: Ulrich Weigel

Eine neue Bestimmung beschränkt das Fällen von Fichten, um die Preise auf dem Holzmarkt zu stabilisieren. Dabei hat sich der Markt völlig gedreht.
19.05.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Deutschlandweit dürfen Waldbesitzer nur noch 85 Prozent der regulären Fichten-Frischholzmenge ernten. Das regelt eine neue Verordnung des Bundes zum Forstschäden-Ausgleichsgesetz. Damit soll ein Preisverfall, wie durch großflächige Borkenkäferschäden in der Vergangenheit, verhindert werden. 15 Prozent weniger hört sich nach nicht viel an. Doch die Waldbesitzer sagen etwas anderes.

Private Forstbesitzer mit einer Waldfläche unter 50 Hektar dürfen laut Gesetz pauschal nur fünf Festmeter Frischholz pro Hektar und Jahr fördern. Da rentiere sich für viele Waldbesitzer ein Einschlag gar nicht.

„Seit Jahren haben wir auf einen guten Holzpreis gewartet, jetzt ist er da und wir dürfen nicht einschlagen“, spricht Roman Prestele, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu, von einem „Gesetz zur falschen Zeit“. Sein Kollege Philipp Götzfried, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Kempten, stimmt ihm zu: „Die vergangenen Jahre haben wir nur Schadholz aufgearbeitet und die Maßnahmen zur Waldpflege aufgeschoben.“ In diesem Jahr könnte erstmals wieder mit guten Baumstämmen, gutes Geld verdient werden. „Und dann kommt dieses Gesetz.“ Das wäre die Jahre davor willkommen gewesen, aber nicht jetzt.

Die beiden Geschäftsführer erläutern warum: Die zwei Vereinigungen vertreten Tausende von Privatwaldbesitzern im Landkreis und Kempten, die überwiegend kleine Wälder mit wenigen Hektar Fläche haben. Die würden nicht jedes Jahr die Motorsäge anwerfen, sondern nur alle fünf bis zehn Jahre.

Große Holz-Nachfrage treibt die Preise hoch

Wegen des vielen Schadholzes der letzten Zeit – durch Stürme, Schneebruch und Borkenkäfer – fiel der Holzpreis in den Keller. Doch seit einem halben Jahr hat sich der Markt vollständig gedreht (wir berichteten). Einkäufer aus den USA und China sowie eine große Nachfrage auf dem Bausektor haben die Preise hochgetrieben. Das Forstschäden-Ausgleichsgesetz wurde aber bereits davor auf den Weg gebracht. Die Beschränkungen sollten helfen, den Markt wieder zu stabilisieren.

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Doch das sei derzeit gar nicht mehr nötig – im Gegenteil: „Wir warten schon seit drei Jahren damit, im Bergwald nicht nur umgefallene Bäume zu beseitigen, sondern auch Waldpflege zu betreiben“, sagt Prestele: „Jetzt haben wir wieder einen verlorenen Sommer.“ Denn fünf Festmeter pro Hektar bedeuten gerade mal zwei bis drei Bäume. Da rentiere sich der große Aufwand, der dort betrieben werden müsse, um Fichten zu fällen und abzutransportieren, nicht.

Waldbesitzervereinigung Kempten: Gesetz soll noch überarbeitet werden

Jetzt hoffen die beiden Geschäftsführer, dass das Gesetz doch noch schnell überarbeitet wird und beispielsweise für die kleinen Privatwaldbesitzer unterhalb einer Bagatellgrenze an Fläche nicht gilt.

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