Studie im Oberallgäu

Oberjoch ist doch nicht frei von Hausstaubmilben

Klimakrise

Vor der Veranstaltung zur Klimakrise im Kurhaus Bad Hindelang: Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel (links), Umweltmedizinerin Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann sowie Franziska Kolek, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Universität Augsburg.

Bild: Wolfgang B. Kleiner

Vor der Veranstaltung zur Klimakrise im Kurhaus Bad Hindelang: Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel (links), Umweltmedizinerin Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann sowie Franziska Kolek, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Universität Augsburg.

Bild: Wolfgang B. Kleiner

Untersuchung weist Milben in Innenräumen von ganz Bad Hindelang nach – allerdings im Winter. Umweltmedizinierin Traifl-Hoffmann: "Pollen werden aggressiver."
29.07.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Unterjoch und Oberjoch, so heißt es seit Jahrzehnten, sind frei von Hausstaubmilben. Das hat sich in einer jüngsten Untersuchung jedoch nicht bestätigt. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Universität Augsburg wurden bei einer Veranstaltung mit Professorin Claudia Traidl-Hoffmann vom Lehrstuhl für Umweltmedizin an der Universität Augsburg im Kurhaus Hindelang präsentiert.

Doktorandin Franziska Kolek und weitere wissenschaftliche Mitarbeiterinnen forschten, wie es um die Hausstaubmilben in Innenräumen in Bad Hindelang steht. 50 Proben wurden in allen Ortsteilen der Gemeinde genommen und auf Allergene untersucht. Zum Vergleich wurden zehn in Augsburger Wohnräumen genommene Proben analysiert. Das Ergebnis: extrem niedrige Werte – hier wie dort. Aber eben kein Wert, der bei Null lag.

Die Gesundheitsexpertin rät bei der Analyse der Auswertung aber zu einer differenzierten Betrachtungsweise: „Wir haben Proben in beheizten Zimmern genommen. Dort fühlen sich Milben ganz besonders wohl. Untersuchungen im Frühjahr, also bei regem Luftaustausch, geringerer Innentemperatur und weniger Luftfeuchtigkeit, würden womöglich andere Schlüsse zulassen“, sagt Kolek. Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel kann sich eine weitere Untersuchung im Frühjahr vorstellen. „Entschieden ist aber noch nichts.“

"Mehr Pollen bedeuten auch mehr Schnupfen"

„Aus einem Heuschnupfen kann sich Asthma entwickeln“, sagt Medizinerin Traidl-Hoffmann. Sie sieht auch andere allergische Erkrankungen, nicht zuletzt bei der jungen Bevölkerung, auf dem Vormarsch. Pollen bahnten sich „einen Weg für mehr Virusinfektionen. Mehr Pollen bedeuten auch mehr Schnupfen“. Außerdem dehne sich die Pollensaison aus, hat Traidl-Hoffmann beobachtet.

Mittlerweile kämen Patienten mit einer Birkenpollen-Allergie bereits im Januar in die Praxis, weil sie auf die Haselpollen reagieren. „Die Pollen werden aggressiver und es kommen neue Pflanzen hinzu – allen voran das Traubenkraut.“ Die Ambrosia-Pflanze produziert in einem Jahr bis zu eine Million Pollen und macht Allergikern das Leben schwer.

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„Der Klimawandel ist Realität, aber Sie sind noch gesegnet hier“, sagt die Umweltmedizinerin zu den 50 Besuchern im Kurhaus Bad Hindelang. „Unsere Städte sind krank – und sie machen Menschen krank.“ Die Anzahl an Schadstoffen in der Luft nehme weiter zu. Ultrafeine Partikel, Stickoxide, Pilzsporen und Pollen griffen Haut und Schleimhäute an. „In den Betonwüsten der Innenstädte sammelt sich die Hitze, Winddurchflutung gibt es kaum. Dazu kommt der Lärm“, sagt Traidl-Hoffmann, die als Ärztin und Wissenschaftlerin die Umweltmedizin am Universitätsklinikum Augsburg sowie am Helmholtz Zentrum München leitet.

Bad Hindelang ist seit Jahren ausgewiesen als „allergikerfreundliche Kommune“. „Die Luft wird tagesaktuell auf Schadstoffe und die Konzentration von Pollen untersucht“, sagt Bürgermeisterin Rödel. Ein wichtiger Bestandteil der Hindelanger „Gesundheitsphilosophie“ sei das medizinische Know-how der Alpenklinik Santa Maria in Oberjoch. Auf deren Gelände ist die Messstation des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz sowie eine Pollenmessfalle. „Dort werden die Daten erfasst, ausgewertet und online publiziert“, sagt die Bürgermeisterin.

Traidl-Hoffmann will die mentale Gesundheit infolge des Klimawandels weiter untersuchen – und rät Touristikern und Hotelbetrieben in Bad Hindelang davon ab, jede Allergie an der Hausmilbe festzumachen. „Es macht mehr Sinn, die Gäste hinaus zu schicken in die gesundheitsfördernde Bergluft.“ Eine Luft, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit zu den besten der Welt zählt.

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