Musikerin im Porträt

Obermaiselsteiner Lehrerin: "Die Harfe bändigt sogar Chaoten"

St. Nikolaus

„Ich spiele kein Stück zweimal gleich“: Harfenistin Catharina Stehle-Natterer, hier bei der Aufzeichnung des Osterkonzertes in Immenstadt.

Bild: Günter Jansen

„Ich spiele kein Stück zweimal gleich“: Harfenistin Catharina Stehle-Natterer, hier bei der Aufzeichnung des Osterkonzertes in Immenstadt.

Bild: Günter Jansen

Catharina Stehle-Natterer aus Obermaiselstein liebt das Spiel mit der Harfe und das Spontane. Beides hilft ihr als Lehrerin und als Musikerin. Wo sie auftritt.
03.04.2021 | Stand: 17:00 Uhr

„Es sind spannende Zeiten“, sagt Catharina Stehle-Natterer. Die Obermaiselsteinerin meint damit die Umstände oder, besser gesagt, die Unmöglichkeiten, welche die Corona-Pandemie verursacht. Unmöglich ist es zum Beispiel zur Zeit für Musiker, vor Publikum aufzutreten. Die Harfenistin aber lässt sich bei ihren Programmen gerne von der Stimmung des Augenblicks, von der Reaktion der Zuhörer im Saal inspirieren.

Doch auf die musste sie bei ihrem jüngsten Konzert verzichten. Es wurde vor Kurzem in der Immenstädter Pfarrkirche St. Nikolaus vor leeren Bänken aufgezeichnet und wird von Karsamstag, 3. März, bis Ostermontag, 5. März, dreimal im Fernsehsender „allgäu.tv“ ausgestrahlt.

Die Euregio Via salina hatte für dieses Benefizkonzert zugunsten des Allgäuer Hilfsfonds eine ganze Reihe einheimischer Sänger und Musiker versammelt. Unter dem Motto „Lobe den Herrn“ hatte Mezzosopranistin Gertrud Hiemer-Haslach aus Altusried ein Programm mit hoffnungsfrohen, eingängigen Stücken zusammengestellt und dafür nicht nur ihren Mann, den Trompeter Matthias Haslach, sondern auch den Bariton Michael Hanel aus Immenstadt und den Organisten Franz Günther aus Leutkirch gewonnen.

Und auch Harfenistin Catharina Stehle-Natterer, die ebenso wie das Ehepaar Haslach den Kulturförderpreis der Kemptener Dr.-Dazert-Stiftung erhalten hat, erklärte sich spontan bereit, mitzumachen, als sie die Anfrage der Sängerin erhielt. Denn: „Ich bin ganz glücklich, wenn sich etwas ergibt“, sagt die 36-Jährige angesichts des flächendeckenden Kultur-Lockdowns.

Im Konzert ist sie stark gefordert, begleitet beide Sänger in anspruchsvollen, aber den Ohren schmeichelnden Stücken wie Wolfgang Amadé Mozarts „Laudate Dominum“ oder Marc-Antoine Charpentiers „Panis angelicus“. Darüber hinaus tritt sie auch als Solistin in Erscheinung und zeigt ihre künstlerische Bandbreite – von der Volksmusik über die Klassik bis zum Popsong.

Vorliebe fürs Spontane

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Ersteres und letzteres Stück, die Rosenkranzweise von Hans Auer und den Schlager „Freunde für immer“ von Andrew Lloyd Webber hat Catharina Stehle-Natterer selbst bearbeitet. Denn die Harfenistin liebt das Spielen mit dem Notentext, das Spontane: „Ich spiele kein Stück zweimal gleich“, sagt sie. Die Interpretation sei immer auch von der persönlichen Stimmung abhängig. Auch für die CD „A bizzle anders – Raffele trifft Harfe“, die Catharina Stehle-Natterer zusammen mit dem ehemaligen Sonthofer Gymnasiallehrer und Volksmusik-Experten Hartmut Brandt aufgenommen hat, habe sie die Stimme für ihr Instrument selbst bearbeitet, erzählt die Harfenistin.

Catharina Stehle-Natterer stammt aus einer musikalischen Familie. Es wurde viel gesungen und musiziert, erinnert sie sich. Mit neun Jahren wollte sie, so wie ihr Bruder, ein Instrument erlernen. Er hatte die Steirische Harmonika gewählt, aber sie wollte etwas anderes, möglichst etwas, das niemand sonst in der Familie spielte. Ein Besuch in der Musikschule Immenstadt, die in der großbürgerlichen Villa Edelweiß residiert, wurde zum Schlüsselerlebnis für das Mädchen. „Im schönsten Zimmer des Hauses“, erzählt sie, standen vier Harfen. Schon das Aussehen der Instrumente imponierte dem kleinen Mädchen. Und als dann die damalige Musikschulleiterin Jutta Kerber den Saiten auch noch Klänge entlockte, war die Faszinationskraft nicht mehr zu brechen. Eine Faszinationskraft, die bis heute anhält.

Mit Kindern arbeiten

Zehn Jahre lernte Catharina Stehle-Natterer bei Jutta Kerber, einer "super Lehrerin", dann studierte sie Lehramt Musik mit Schwerpunkt Harfe in Augsburg. Nach dem Abitur hatte sie überlegt, ob sie den Weg zur professionellen Harfenistin einschlagen solle, entschied sich dann aber doch dagegen, denn sie wollte nicht nur Musik machen, sondern unbedingt auch mit Kindern arbeiten. Der Beruf der Lehrerin ermöglichte ihr beides. Sie habe die Wahl bis heute nicht bereut.

„Jetzt steht in meinem Klassenzimmer immer eine Harfe“, erzählt Catharina Stehle-Natter, die bisher unter anderem an der Grundschule in Sonthofen-Rieden und an der Mittelschule in Oberstdorf unterrichtete. Diese Harfe, sagt die Musiklehrerin, halte selbst die „größten Chaoten“ in Schach. Sie achten auf das Instrument, weil es sehr wertvoll sei, und sie hören still zu, wenn Catharina Stehle-Natterer darauf spielt. Momentan allerdings ist Catharina Stehle-Natterer noch in Elternzeit. Ab September will sie wieder arbeiten – wo sie dann eingesetzt wird, das weiß sie noch nicht.

Projekt mit zwei Solo-CDs

Gerne würde sie demnächst auch ihr Projekt mit zwei Solo-CDs in Angriff nehmen: eine mit Volksmusik und eine mit Klassik. Zunächst aber ist die Harfenistin im Konzert „Lobe den Herrn“ zu hören.

Fernsehsendung

„Lobe den Herrn“, Benefizkonzert der Euregio Via salina zugunsten des Allgäuer Hilfsfonds, auf „allgäu.tv“ am Samstag, 3. April, um 21 Uhr, am Ostersonntag, 4. April, um 12 Uhr und am Ostermontag, 5. April, um 12 Uhr.

Das Osterkonzert auf "allgäu.tv"