Festival im Oberallgäu

Oberstdorfer Fotogipfel: Wie Fotokunst gegen Hetzer und Spalter Position bezieht

Korbduell: Die Basketballer des FC Bayern spielen gegen die Riesen aus Ludwigsburg. Eine Aufnahme aus einer der 20 Ausstellungen des Oberstdorfer Fotogipfels.

Korbduell: Die Basketballer des FC Bayern spielen gegen die Riesen aus Ludwigsburg. Eine Aufnahme aus einer der 20 Ausstellungen des Oberstdorfer Fotogipfels.

Bild: Ulf Duda

Korbduell: Die Basketballer des FC Bayern spielen gegen die Riesen aus Ludwigsburg. Eine Aufnahme aus einer der 20 Ausstellungen des Oberstdorfer Fotogipfels.

Bild: Ulf Duda

Der Fotogipfel präsentiert in Oberstdorf die Vielfalt der Sportfotografie. Dieser kommt auch eine politische Bedeutung zu, wie die Eröffnung verdeutlicht.
25.09.2020 | Stand: 11:30 Uhr

Sportfotografie gelte als das ungeliebte Kind der Fotografie, sagt Christian Popkes. Viele sehen sie eher im Feld des Dokumentarischen angesiedelt und nicht im künstlerischen Bereich. Doch diese Sicht sei falsch. Sportfotografie habe viele Facetten. Und einige davon zeigen die 20 Ausstellungen des Oberstdorfer Fotogipfels, den Christian Popkes kuratiert.

Der Ideengeber für das fünftägige Festival, das zum achten Mal stattfindet, gibt beim Eröffnungsabend mithilfe von Lichtbildern Einblicke in diese Ausstellungen, die zum Teil im Freien, zum Teil in Galerien und Sälen zu sehen sind. Modefotografin Esther Haase, die „künstlerische Schirmfrau“ der Veranstaltungsreihe, hat dabei den spektakulärsten Ort für ihre Aufnahmen erhalten: den Gipfel des Fellhorns. Die Bremerin zeigt Models, die Haute Couture tragen, in Bewegung an Sportschauplätzen. Die ehemalige Eiskunstläuferin, die einst in Oberstdorf trainiert hat, erzählt im Gespräch mit Christian Popkes, wie diese Bilder entstanden.

Mit Johannes Rydzek und den Frauen des FC Bayern München

Auch andere Fotografen geben in diesem dreistündigen Eröffnungsprogramm Einblick in ihre Arbeit. Kai Pfaffenbach etwa präsentiert einzigartige „Momente des Sports“ und ist dabei scheinbar immer ganz nah an den Akteuren. Ulf Duda hat sich auf Basketballer konzentriert, Fabian Stoffers auf die Frauen-Fußballmannschaft des FC Bayern. Anatol Kotte hat ein Porscheteam bei einer Rallye „durchs wilde Turkmenistan“ begleitet. Dominik Berchtold schildert eindringlich Training, Vorbereitung und Wettkampf eines Sportlers am Beispiel des Oberstdorfer Olympiasiegers Johannes Rydzek. Eberhard Schuy rückt Bälle in den Mittelpunkt meditativer Schwarz-Weiß-Bilder. (Lesen Sie auch: Erlebnisbad Wonnemar in Sonthofen ist insolvent - Was das für die Badegäste bedeutet).

Wie mühsam und aufwendig Aufnahmen in der Frühzeit der Fotografie waren, erklärt Claudia Heimhuber. Um so spektakulärer wirken die historischen Bilder von Kletter- und Sportkünsten am Berg, die aus dem Fotoarchiv Heimhuber stammen und in der Galerie Oberstdorf im Trettachhäusle zu sehen sind.

Oberstdorfer Fotogipfel: Claudia Roth als politische Schirmfrau

Über die gesellschaftspolitische Bedeutung der Sportfotografie spricht Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und zum vierten Mal „politische Schirmfrau“ des Festivals. Sport und Fotografie wollen Brücken zwischen den Menschen bauen, Grenzen niederreißen. Mit diesem Ansatz treten sie Hetzern und Spaltern in der Gesellschaft entgegen. Denn neben der Corona-Pandemie macht Claudia Roth noch eine weitere Pandemie Sorgen, die um sich greife: jene des Nationalismus. Deshalb sei es wichtig, dass der Fotogipfel in Oberstdorf stattfinde und auf die integrative Kraft des Sports verweise. Diese dokumentiert zum Beispiel eine Ausstellung von Marion von der Mehden. Die Fotografin stellt Menschen vor, die in Deutschland Asyl suchen und sich durch den Sport leichter integrieren.

Bürgermeister Klaus King sagt, dass die Gemeinde und die Tourismus-GmbH alles darangesetzt haben, dass der Fotogipfel in Zeiten der Pandemie überhaupt stattfinden konnte. So wurde ein ausgeklügeltes Hygiene-Konzept erarbeitet. Auch die Vierschanzentournee und die Nordischen Skiweltmeisterschaften 2021 sollen stattfinden. Möglichst mit Publikum, wie Moritz Becker-Schwarz und Florian Stern von der WM-GmbH im Gespräch mit Helmer Litzke berichten.

Der Moderator, der durch den Abend führt, interviewt zum Abschluss auch einige Oberstdorfer Sportler, die Christian Popkes fotografiert hat: Möglichst bunt, wie eben der Sport sei. So kommen Katharina Althaus, Christina Ackermann, Jennifer Urban, Andreas Bauer und Johannes Rydzek zu Wort. Und auch spektakuläre Akrobatik gibt es zu sehen: in der Luft an zwei Tüchern hängend, vorgeführt von Marlene Kiepke aus Lüneburg.

Festival: Der Oberstdorfer Fotogipfel bietet noch bis Sonntag, 27. September, Ausstellungen, Workshops und mehr rund um die Arbeit mit der Kamera.