Absage

Oberstdorf:„Wilde-Mändle-Tanz“ vielleicht im nächsten Jahr

Wilde Mändle Tanz

Alle fünf Jahre wird der „Wilde-Mändle-Tanz“ in Oberstdorf aufgeführt. Heuer wäre es wieder so weit gewesen. Doch die Veranstaltung musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Bild: Herbert Gruber

Alle fünf Jahre wird der „Wilde-Mändle-Tanz“ in Oberstdorf aufgeführt. Heuer wäre es wieder so weit gewesen. Doch die Veranstaltung musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Bild: Herbert Gruber

Er gilt als der älteste deutsche Kulttanz: der „Wilde-Mändle-Tanz“. Nur in Oberstdorf  wird er in seiner ursprünglichen Form aufgeführt.

05.06.2020 | Stand: 22:04 Uhr

Der Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf, eigenen Angaben zufolge der größte Trachtenverein Deutschlands, will im Herbst entscheiden, ob der „Wilde-Mändle-Tanz“ im nächsten Jahr stattfinden kann. Seit 1901 hat sich der Verein des überlieferten Erbes angenommen. 1950 beschloss die Vorstandschaft, den Tanz alle fünf Jahre aufzuführen. Bis 1960 fand er in einem Zelt am Oybele statt. In den Kriegsjahren wurde der Tanz nicht gezeigt. Auch wegen des Wetters wurden vereinzelte Tänze im Jahr abgesagt, berichtet Griesche, erster Vorstand des Vereins.

Seit 1965 wird die Veranstaltung in der Oybele-Halle durchgeführt. Bis zu 1000 Zuschauer fasst die Halle – eine undenkbare Vorstellung in „Corona“-Zeiten. Acht Tänze waren in diesem Jahr geplant, der erste hätte am 13. Juni stattfinden sollen. Ein Jahr habe die Vorstandschaft in die Vorbereitungen investiert, und es seien „brutale Unkosten“ entstanden, so Griesche. Denn Werbemittel wie Flyer und Plakate waren schon gedruckt.

Vor sechs Monaten mit den Proben begonnen

Die „Mändle“, 18 an der Zahl, haben ein halbes Jahr vorher mit den Proben begonnen. Traditionsgemäß entstammen sie alteingesessenen Oberstdorfer Familien. Wer mitmacht, entscheidet die Gruppe selber. Das „Häs“ der Mitwirkenden besteht aus Tannenbart, einer Moosflechte. Die wilden Gesellen sind damit von Kopf bis Fuß bedeckt, die Taille schmückt ein Gürtel aus Tannenzweigen. An dem urtümlichen Gewand haben die Tänzer ordentlich zu tragen: „Wenn sie schwitzen, können das schon über zehn Kilo sein.“ Den Kopf krönt ein Kranz aus Stechpalmen.

Ob und wann der Tanz im nächsten Jahr stattfindet, ist noch offen. „Vorrangig ist, wie es hier mit Corona und den gesetzlichen Bestimmungen zu Großveranstaltungen weitergeht, und danach werden wir entscheiden.“