Vom Oberallgäu in die Ukraine

Oper statt Blasmusik: Ex-Oberallgäuer Maximilian Jannetti macht Karriere

Neuer Leiter der Abteilung für Opernvorbereitung an der Musikhochschule in Odessa und Mitglied im Akademischen Rat: Ex-Oberallgäuer Maximilian Jannetti.

Neuer Leiter der Abteilung für Opernvorbereitung an der Musikhochschule in Odessa und Mitglied im Akademischen Rat: Ex-Oberallgäuer Maximilian Jannetti.

Bild: Veronika Krull

Neuer Leiter der Abteilung für Opernvorbereitung an der Musikhochschule in Odessa und Mitglied im Akademischen Rat: Ex-Oberallgäuer Maximilian Jannetti.

Bild: Veronika Krull

Dirigent Maximilian Jannetti, der früher Musikkapellen im Oberallgäu zu Erfolgen führte, bildet jetzt an der Musikhochschule in Odessa Sänger für die Bühne aus.
Neuer Leiter der Abteilung für Opernvorbereitung an der Musikhochschule in Odessa und Mitglied im Akademischen Rat: Ex-Oberallgäuer Maximilian Jannetti.
Von Veronika Krull
21.11.2020 | Stand: 15:00 Uhr

Opernarien statt Blasmusik: Maximilian Maria Jannetti, lange Jahre unter anderem Leiter der Jugendblaskapelle Sonthofen und zuletzt Musikdirektor in Fischen, hat in der Ukraine einen neuen Wirkungskreis gefunden. Seit 1. September leitet er an der Musikhochschule in Odessa die Abteilung für Opernvorbereitung. Eine Verbindung zu der Hafenstadt am Schwarzen Meer gab es seit Längerem: Jannetti (53) hatte an der Hochschule eine Gastprofessur inne. Der Kontakt hatte sich kurz nach dem Studium über einen Komponisten aus Odessa ergeben.

In der Opernabteilung werden die Vokalisten mit der Bühnenarbeit vertraut gemacht und auf die Arbeit als Opernsänger vorbereitet. Jannettis Aufgabe ist die künstlerische und pädagogische Leitung des Studienganges, des Personals und des Opernorchesters. Außerdem ist er Mitglied des Akademischen Rates: „Ich kann somit die Geschicke der Akademie mitgestalten.“ Die 140 Studenten und 40 Masterstudenten kommen aus der Ukraine, Weißrussland, Georgien, Armenien, Polen, Rumänien, China und Frankreich. Unterrichtssprache ist Englisch, aber auch ein wenig Deutsch und Russisch: „Ich gehe ja fleißig in den Russisch-Unterricht.“

Dirigent Maximilian Jannetti sieht neue Herausforderungen

Die Oper, sagt Jannetti, habe ihn schon sein ganzes Berufsleben begleitet: „Arien, Szenen und Teile aus Opern gehörten immer zu meinem Programm – jetzt gilt es, diese Teile zusammenzufügen.“ Für ihn sei das eine Herausforderung, die er gerne annehme. Derzeit erarbeitet er einen neuen Lehrplan. So sollen gegen Ende des Studiums komplette Opernproduktionen entstehen, die dann in der Nationaloper aufgeführt werden. Außerdem will er zwei neue Studiengänge einführen: Musikregie und Dirigieren mit Schwerpunkt Oper. Auch das Zusammenspiel von Gesang und Schauspiel solle intensiviert werden.

Neu sei bereits ein eigenes Opernorchester im Opernstudio, ab dem nächsten Studienjahr solle zusätzlich ein eigener Opernchor gegründet werden. „Auch die Vernetzung mit der Nationaloper, dem Akademisch-Musikalischen-Komödientheater (Operette/Musical) und anderen wichtigen musikalischen Institutionen der Stadt sind mir sehr wichtig“, betont Jannetti. Worauf legt er in seiner Arbeit mit den Studenten besonderen Wert? „Auch wenn sich das vielleicht ein wenig altmodisch anhört, aber ohne Ordnung, ohne Systematik in den Arbeitsschritten und ohne Disziplin geht es nicht. Innovative und kreative Wege müssen die künstlerische Entwicklung ebnen.“

Musikunterricht wegen Corona verändert

Corona hat auch an der Musikhochschule in Odessa den Unterricht verändert. Jannetti: „Momentan läuft der ganze Unterricht online, individueller Unterricht mit maximal ein bis zwei Sängern ist in der Akademie möglich. Größere Gruppen oder Orchester entfallen momentan.“ Die Blasmusik spielt für ihn, wie er sagt, derzeit keine große Rolle. „Ich hab’ auch gerade so viel Arbeit, dass ich daran nicht oft denke. Ich unterstütze meinen Kollegen und dirigiere die eine oder andere Probe oder ein Konzert des sinfonischen Blasorchesters der Hochschule.“ Darüber hinaus arbeite er „sehr eng und freundschaftlich“ mit den Dirigenten des Marineorchesters und dem Dirigenten des Orchesters der Armee zusammen. „Ich plane auch Gastdirigate in Kiew und anderen Städten der Ukraine – aber eigentlich nur als Erinnerung an das Vergangene.“

Hat er noch berufliche Kontakte in Deutschland? „Kollegiale Freundschaften und alte berufliche Kontakte bestehen noch. So gut es geht, werde ich sie auch pflegen, und man muss nicht mehr immer vor Ort sein, um gehört zu werden.“ Ansonsten hat er sich in Odessa eingerichtet: „Ich habe eine tolle Wohnung mitten im Zentrum gefunden. Das erste Mal in meinem Leben kann ich alle relevanten Dinge zu Fuß erledigen.“

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