Klassik im Kleinwalsertal

Orgelprofessor legt in Riezlern Raritäten aufs Notenpult

Bruno Oberhammer

Raritäten auf dem Notenpult: Professor Bruno Oberhammer an der historischen Behmann-Orgel in der Pfarrkirche Mariä Opferung in Riezlern.

Bild: Günter Jansen

Raritäten auf dem Notenpult: Professor Bruno Oberhammer an der historischen Behmann-Orgel in der Pfarrkirche Mariä Opferung in Riezlern.

Bild: Günter Jansen

Organist Bruno Oberhammer spielt in Riezlern Werke fantasiefreudiger Komponisten. Klarinettist Samuel Eder setzt Akzente. Am Ende gibt es eine Überraschung.
29.09.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Ohne Experiment gibt es keine Entwicklung. In der Musikgeschichte werden bewusste Brüche mit dem überlieferten Formenkanon gerne als Fantasie bezeichnet. Einige solcher Fantasien stehen im Mittelpunkt eines Konzertes, das Organist Bruno Oberhammer zusammen mit dem Klarinettisten Samuel Eder in der Pfarrkirche Mariä Opferung im Riezlern gestaltet.

Professor in Feldkirch

Schon seit geraumer Zeit führt den mittlerweile pensionierten Professor für Orgel und Tonsatz am Vorarlberger Landeskonservatorium in Feldkirch alljährlich der Weg ins Kleinwalsertal. Bei seinen Konzerten hat der heute 75-Jährige immer wieder Raritäten im Gepäck, so wie diesmal die dritte Orgelsonate des deutschen Romantikers August Gottfried Ritter (1811 - 1885).

Ritter in Magdeburg

Das Franz Liszt gewidmete Werk ist um 1855 entstanden, als der in Erfurt geborene Ritter bereits Organist am Magdeburger Dom war. Diese sogenannte „Fantasie-Sonate“ spannt einen großen Bogen von einem erregt leidenschaftlichen Beginn über eine eher intime Arie, die sich zum choralartigen Hymnus steigert, bis hin zu einer facettenreichen Fuge. Letztere endet zwar in einem prunkvollen klanglichen Höhepunkt, findet zuvor aber auch zu reizvollen leisen Details. Das Werk und vor allem seine beredte Interpretation lassen erahnen, warum Ritter zu Lebzeiten als Komponist und Sachverständiger für die Orgel geschätzt und schließlich zum Professor ernannt wurde.

Fröhliches von Bach

Ein zeitlebens ebenso geschätzter Virtuose und Komponist war der Niederländer Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 - 1621). Mit seiner für damalige Zeiten kühnen „Fantasia cromatica“ eröffnet Bruno Oberhammer in gemessenem Tempo das Programm. Johann Sebastian Bachs Fantasie in G-Dur, BWV 572, mischt dagegen fröhliche Stimmungen auf die Programmpalette, zunächst verspielt, dann herzhafter und schließlich sich ins Hymnische steigernd.

Problematische Bearbeitung

Zwischen diesen Solostücken für die Orgel stehen zwei Bearbeitungen von Orchesterwerken für Klarinette und Orgel: Zum einen der langsame Satz „Largo“ aus dem ersten Klarinettenkonzert von Johann Melchior Molter (1696 - 1765), in dem die Reduktion des Orchestersatzes auf die Orgel sich zunächst als problematisch erweist. Erst allmählich kann sich die Klarinette mit einer schönen Arie klanglich von der Orgelbegleitung abheben. Und zum anderen „Vier rumänische Volkslieder“ von Béla Bartók, die vital und charaktervoll gelingen. Sie durchmessen eine ganze Bandbreite an Stimmungen von melancholisch bis ausgelassen und offenbaren die Nähe zu den Weisen anderer Kulturen. So zeigt sich einmal mehr, wie bereichernd Musik aus den Klangwelten verschiedener Volksgruppen und Völker schöpft. Vor allem in diesem Werk beweist Samuel Eder, 1996 in Riezlern geboren, eindrucksvoll seine Virtuosität, Stilsicherheit und Einfühlsamkeit als Klarinettist.

Improvisation über Walser Volkslied

Zum Schluss überraschen beide Musiker den Hausherrn, Pfarrer Edwin Matt, mit einer fantasievollen und facettenreichen Improvisation über das Walser Volkslied „Maike waenn du wit zom Tanza“. Dieses „Inopinatum“, dieses Unvermutete, ist ein vorgezogenes Geburtstagsständchen.

Der Organist Bruno Oberhammer.

Übetipps von Klarinettist Samuel Eder.

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