Oberallgäu

Pfarrer will ein Kloster bauen

Hochenauer mit Schwestern

Hochenauer mit Schwestern

Bild: Inge Seger

Hochenauer mit Schwestern

Bild: Inge Seger

Im Allgäu fehlt ein lebendiges katholisches Kloster – davon ist Ruhestandspfarrer Josef Hochenauer überzeugt. Der 87-Jährige will eines in Durach aufbauen. Er hat bereits Kontakt mit Schwestern aus Ecuador aufgenommen, die das Ordenshaus mit Leben füllen wollen. Nun wirbt er um Unterstützung.

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Von Aimée Jajes
18.08.2019 | Stand: 16:07 Uhr

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Geistliche für ein Kloster einsetzt. Die Geschichte des Klosters Helfta hat er gar in einem Buch niedergeschrieben. Das Zisterzienserinnenkloster in Sachsen-Anhalt wurde in den Jahren 1990 bis 2000 wiederaufgebaut. Um daran mitzuwirken, war Hochenauer einige Zeit freigestellt.

Der gebürtige Duracher weiß also, was sein Vorhaben bedeutet. „Ein Kloster kann man nicht einfach bauen wie eine Fabrik“, sagt er. „Das muss sich ergeben.“ Es müsse wachsen.

Den Gedanken, nun auch in seinem Heimatort ein Ordenshaus zu errichten, trägt Hochenauer schon länger mit sich herum. „Ich werde jeden Tag älter“, sagt er. „Jetzt muss das mal an die Öffentlichkeit.“

Hochenauer und der Duracher Verein „St. Gertrudkreis“ hatten bereits ein Grundstück in Aussicht. Dessen Kauf sei am Ende aber daran gescheitert, dass ein Dritter von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht habe, sagt der Pfarrer. Nun ist er auf der Suche nach einem anderen Grundstück.

„Priorität hat Durach“, sagt er. Doch wenn sich ein anderer Ort ergibt, sei das auch möglich. Hochenauer hält es zum Beispiel für nicht ausgeschlossen, das ehemalige Kloster im Kemptener Stadtteil Lenzfried umzubauen. Wichtig sei jedenfalls die Anbindung an Dorf oder Stadt. „Es soll nicht in der Wildnis entstehen, sondern leicht zugänglich sein.“ Er kann sich auch einen alten Bauernhof als Grundlage vorstellen, der dann ausgebaut wird.

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Andernorts sterben Klöster aus. Hochenauer ist das bewusst. Dennoch hält er an seiner Idee fest. Die katholische Kirche sei „in einem ganz schlechten Zustand“, sagt er. Die Gemeinden „schrumpfen“. Pfarrer hätten immer größere Gebiete zu verwalten. Die Schwestern im Allgäuer Kloster könnten wichtige Seelsorge-Aufgaben übernehmen. Der Bedarf sei da: Immer mehr Menschen leben in der Region. Gleichzeitig nehmen buddhistische Angebote stetig zu. Umso mehr hält es Hochenauer für wichtig, ein katholisches Kloster zu bauen.

Um das zu stemmen, sucht er nach Unterstützern. Einerseits ideell: „Dass Menschen für das Anliegen beten.“ Außerdem will er Unterschriften sammeln und diese der Diözese vorlegen. Andererseits bittet der Pfarrer um finanzielle Hilfe: Zwar könne der Gertrudkreis aus Mieteinnahmen einen Teil der Kosten stemmen. Allerdings lediglich eine Anschubfinanzierung. Außerdem macht der Besitz einer Wohnanlage es dem Verein möglich, ein Darlehen aufzunehmen. Auch Hochenauer persönlich wolle etwas beisteuern. Doch um das Vorhaben zu verwirklichen, sei Hochenauer auf Spenden und Zuschüsse angewiesen.

Später sollen die Schwestern selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Geplant ist ein „Karmel“: Hauptaufgabe der Karmeliterinnen ist der Gottesdienst und das Gebet. Doch zudem kann sich Hochenauer vorstellen, dass die Schwestern aus Ecuador Gästezimmer vermieten, eine Imkerei und/oder Bio-Landwirtschaft betreiben oder Übersetzungsarbeiten übernehmen.

Nun hofft Hochenauer, dass sich ausreichend Unterstützer finden. „Wir brauchen ein Wunder, sonst kann das Kloster nicht werden.“ Der Geistliche ist voller Tatendrang – und zuversichtlich: „Das Kloster Helfta war auch ein Geschenk des Himmels.“