Kirchenmusik

Pfingsten im Oberallgäu nur mit Gesang, Orgel, Trompete

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Wie lange dauert es noch, bis große Orchestermessen wieder in Kirchen erklingen - wie in unserer Aufnahme 2019 in St. Michael in Sonthofen?

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Wie lange dauert es noch, bis große Orchestermessen wieder in Kirchen erklingen - wie in unserer Aufnahme 2019 in St. Michael in Sonthofen?

Bild: Günter Jansen

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Wie lange dauert es noch, bis große Orchestermessen wieder in Kirchen erklingen - wie in unserer Aufnahme 2019 in St. Michael in Sonthofen?

Bild: Günter Jansen

Nur wenige Sänger und Musiker gestalten die Gottesdienste zum Pfingstfest im Oberallgäu. Kirchenmusiker hoffen, bald mit großen Gruppen proben zu können. Wie?
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Von Veronika Krull
22.05.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Seit Freitag sind musikalische Proben mit mehreren Musikern wieder erlaubt – den sinkenden Inzidenzwerten sei Dank. Doch das heißt nicht, dass an Pfingsten gleich wieder komplette Chöre oder Orchester bei der Gestaltung der Gottesdienste antreten. „So kurzfristig“ könne er nichts auf die Beine stellen, erklärt Michael Hanel, Chorregent an „St. Nikolaus“ in Immenstadt. Eine größere Aufführung brauche natürlich eine gewisse Vorlaufzeit. Das sehen seine Kollegen genauso, wie eine kleine Umfrage unter katholischen Kirchenmusikern im südlichen Landkreis ergab.

Die Planungen für die musikalische Gestaltung der Festgottesdienste fanden ja zu Zeiten des strikten Lockdowns statt, sagt Heinrich Liebherr, Kirchenmusiker an „St. Michael“ in Sonthofen. So wird er am Pfingstsonntag eine kleine Besetzung aufbieten: Ein vierköpfiges Schola-Ensemble wird die offiziellen Messetexte in lateinischer Sprache vortragen. Michael Hanel wird am Sonntag an der Orgel sitzen und von Hermann Schmitz an der Trompete begleitet. Zu hören sind barocke und klassische Bläserwerke.

"Die Leute wollen wieder kommen"

Christof Krippendorf, Chorleiter und Organist an „St. Johannes Baptist“ in Oberstdorf, hat für den Sonntag den Auftritt von vier Chormitgliedern geplant, die Kirchenlieder aus dem „Gotteslob“ singen – stellvertretend für die Gemeinde. So könne jeder innerlich mitsingen. Sobald auch das Bistum Augsburg den Startschuss abfeuert, will Krippendorf nach Pfingsten wieder die Probenarbeit mit dem 15-köpfigen Kirchenchor aufnehmen. „Die Leute wollen wieder kommen, sie freuen sich.“ Als nächste größere Veranstaltung habe er mal das Patrozinium im Juni ins Auge gefasst. „Das könnte was sein.“

Das Patrozinium Anfang Dezember könnte auch in „St. Nikolaus“ mit einer größeren musikalischen Aufführung gefeiert werden. Ansonsten setzt Chorregent Michael Hanel auf eine Orchestermesse zu Weihnachten. Er hofft, vielleicht schon nach Pfingsten wieder mit Registerproben anfangen zu können. „Es ist wichtig, dass die Sänger angstfrei kommen und sich entspannt der Arbeit hingeben können.“ – „Sobald Augsburg grünes Licht gibt“, will auch Heinrich Liebherr mit dem Kirchenchor und der Oberallgäuer Orchestervereinigung „die normale Probentätigkeit“ starten. In den Monaten des Lockdowns hat er die musikalische Gestaltung der Gottesdienste an hohen Festtagen mit kleinen maximal vierköpfigen Sängerensembles bestritten.

"Alle, die sich getraut haben"

Als Musikinstrument hat er ausschließlich die Orgel eingesetzt. Nur einmal, an Weihnachten, sei noch eine Flöte dabei gewesen. An Ostern habe er Gesang und Orgel kombiniert. Aber die schmalen Besetzungen kamen gut an: „Die Gottesdienst-Besucher zeigten sich alle sehr dankbar“ für musikalische Gestaltungen „unter den schwierigen Bedingungen und der gebotenen Vorsicht“. „Den Leuten hat’s gefallen“, bestätigt Christof Krippendorf. Auch die Abwechslung wurde geschätzt: Mal traten vier Sänger auf, immer wieder andere: „alle, die sich getraut haben“. Mal setzte er Instrumente ein wie Orgel, Cello oder Flöte.

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In „St. Nikolaus“ hat Michael Hanel sogar aus der Not eine Tugend gemacht. Er gründete in der Karwoche eine zweiköpfige Schola, die gregorianische Choräle auf Latein singt. Die Sänger sind Antonius Weishaupt und er selbst. Wie Krippendorf hat sich auch Hanel bemüht, in den Festgottesdiensten für Abwechslung zu sorgen. Entweder traten Solistengruppen in verschiedener Besetzung auf, oder er suchte sich zur Orgel Trompete, Klarinette oder Flöte. „Ich habe noch nie so schnell Zusagen bekommen für die Gottesdienste“, sagt er. „Die Leute sind heiß drauf, wieder zu spielen.“ Er selbst genieße die Privilegien als Organist: „Ich gehöre zu dem kleinen, erlesenen Kreis, der öffentlich musizieren kann.“