Fußball-Portrait

"Phänomenales Auge": Sonthofens Spielmacher Markus Notz im Portrait

Markus Notz ist das Metronom im Spiel des 1. FC Sonthofen. Der 24-Jährige besticht durch seine herausragende Technik.

Markus Notz ist das Metronom im Spiel des 1. FC Sonthofen. Der 24-Jährige besticht durch seine herausragende Technik.

Bild: Daniel Kopatsch

Markus Notz ist das Metronom im Spiel des 1. FC Sonthofen. Der 24-Jährige besticht durch seine herausragende Technik.

Bild: Daniel Kopatsch

Markus Notz ist das Metronom im Spiel des 1. FC Sonthofen. Der 24-Jährige blickt auf eine bewegte Laufbahn zurück – und vereint außergewöhnliche Qualitäten.
17.09.2021 | Stand: 17:45 Uhr

Er ist in aller Munde. „Der Typ macht den Unterschied“, „wenn einer den tödlichen Pass spielt, dann der Notz“, „der hat Fähigkeiten, die gibt’s in der Liga sonst nicht“ – die Urteile auf den Rängen und bei den Kollegen decken sich: Markus Notz ist der Dreh- und Angelpunkt im Spiel des 1. FC Sonthofen. Endlich – möchte man sagen.

Viel zu lange haben sich die Anhänger des FCS gedulden müssen, ehe sie die Dribbelkünste des 1,71 Meter großen Ballvirtuosen bestaunen konnten: Seit über einem Jahr ist Notz in Sonthofen unter Vertrag – auf nicht mehr als acht Pflichtspiele kommt der 24-Jährige für die Kreisstädter bisher; aus Gründen der Pandemie – und wegen hartnäckiger Blessuren. Am Samstag wirbelt er. Im Duell des Landeliga-Dritten mit dem Spitzenreiter Gilching kommt es ab 14.30 Uhr auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Regisseurs an.

Markus Notz: "Positive Energie ist das A und O"

Unser großes Problem war lange, dass wir eine üble Verletztenmisere hatten. Das hat uns sehr geschwächt – und unser Spiel sehr geprägt“, sagt der 24-Jährige. „Aber wir sind rechtzeitig drin, jetzt ist die Stimmung gelöst.“ Großen Anteil daran hat auch die Frohnatur im Mittelfeld. Notz’ erste Regel: „Positive Energie ist das A und O. Alles andere lässt die Kollegen in ein Loch fallen.“ Das hat der gebürtige Memminger in jungen Jahren gelernt. Seine durchaus schon bewegte Karriere lief beim TV Boos an.

Der Vater war selbst Spieler, Spielertrainer und Trainer in Heimertingen, die drei Jahre ältere Schwester ebenso beim SV Egg an der Günz. Nach den ersten Jugendjahren in Boos zog es Notz zur F1-Jugend nach Memmingen, später nach Thannhausen, wo er mit 14 Jahren in der Bayernliga kickte. Mit 16 ging es nach Neu-Ulm, wo Notz in der Oberliga auch gegen die TSG Hoffenheim II spielte – und dem heutigen FC-Bayern-München-Coach Julian Nagelsmann ein Tor einschenkte. Nach der B-Jugend wechselte der Mittelfeldspieler 2014 nach Illertissen, wo er den Übergang zu den Herren schaffen sollte.

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Nicht kometenhaft, aber doch stetig erfolgte der Aufstieg von Markus Notz. „Ich hatte vier super Jahre beim FVI. Vor allem unter Trainer Markus Schaich, dem ich viel zu verdanken habe“, sagt Notz. Der wichtige Schritt zu den Herren, das Schnuppern in die Regionalliga und eine „wahnsinnig gute Teamchemie“ haben ihn geprägt. Davon sollte er auch in der schwersten Zeit seiner jungen Karriere zehren.

Sinnkrise und Lebenswandel

Im Oktober 2017 zog sich der damals 20-Jährige einen multiplen Bruch in der Struktur des Wadenbeins zu. „Ich hatte höllische Schmerzen und war ein halbes Jahr außer Gefecht“, erinnert sich Notz an die Leidenszeit inmitten einer Schlüsselphase, die über den weiteren Verlauf seiner Karriere entscheiden sollte. „Es war unheimlich schwierig, ich war sehr gut drauf und hätte den Sprung vielleicht schaffen können. Mental war es ganz übel, nah dabei zu sein, aber zu wissen, dass man nicht mal mittelfristig helfen kann.“

Notz war raus, hatte Fitness verloren, die Figur hatte gelitten. „Das war ein wichtiger Punkt in meinem Leben – ich konnte mich nicht mehr im Spiegel sehen“, sagt der 24-Jährige. „Seitdem habe ich viel, auch meine Ernährung umgestellt. Ich habe mir vorgenommen, dass ich das nie wieder so entgleiten lasse.“

In Illertissen schien die Chance auf den großen Sprung zwar dahin – parallel hatte sich der FC Memmingen um den Mittelfeld-Spieler bemüht. Es folgten zwei gute Jahre beim FCM, 2019 unter Uwe Wegmann erneut mit Annäherungsversuchen an die Regionalliga, ehe eine Verletzung und der Lockdown folgten.

Nach dem Lockdown erste Kontakte zum 1. FC Sonthofen

„Ich war mit einer Schambeinentzündung wieder raus, bis pünktlich zum Start des Lockdowns. Mieses Timing, aber daran konnte niemand etwas ändern“, sagt Notz. Nach dem Lockdown absolvierte der Unterallgäuer noch die Vorbereitung beim FCM, in Gesprächen über die sportliche Perspektive sei man aber „nicht mehr zusammengekommen. Und da hatte mich Sonthofen kontaktiert. Das Ganze hat dann nicht mehr lange gedauert. Der FCS ist ein großer Verein, der mittelfristig in die Bayernliga will. Und ich habe schnell das Gefühl gehabt, dass ich da gut aufgehoben bin.“

Dieses Gefühl sollte ihn nicht täuschen. Notz wurde zügig integriert, von der Mannschaft gut aufgenommen und konnte deshalb auch früh frei aufspielen. „Dieses Umfeld ist super für einen Neuankömmling. Und ich habe das Gefühl, dass, je länger ich hier bin, ich immer mehr Wertschätzung von den Spielern bekomme“, freut sich Notz. „Das hat es mir leichter gemacht, Kommandos geben zu können.“ Die Wechselwirkung zwischen Leistung und Vertrauen funktioniert.

Kapitän Manuel Wiedemann voll des Lobes

Dabei sind es nicht nur die spielerischen Qualitäten des Edeltechnikers, die seine Kollegen zu schätzen lernen. „Notzi hat einen brutal guten Charakter, ist wahnsinnig gut erzogen, sehr bodenständig und trotzdem für jeden Spaß zu haben“, lobt Kapitän Manuel Wiedemann. „Er ist ein sehr zuverlässiger Spieler, der immer weiß, wo seine Aufgaben liegen und die top erfüllt. Deshalb und wegen seiner menschlichen Qualitäten ist er so beliebt im Team.“

Auf dem Platz, sagt der 24-Jährige, gehe es ihm darum, positive Energie in der Mannschaft zu verbreiten. Einmal im Fluss, ist die sagenhafte Ballbehandlung des Filigrantechnikers beeindruckend – Notz lenkt das Spiel des FCS, bestimmt als Metronom das Tempo, erkennt Räume und „will am liebsten den tödlichen Pass spielen“. Der 24-Jährige ist Auge und Gehirn der Mannschaft.

„Seine herausragende Stärke ist die wahnsinnige Dynamik in Kombination mit der starken Ballmitnahme – damit gewinnt er im Zentrum unglaublich viel Raum und reißt viele Löcher für die anderen Mitspieler“, sagt Wiedemann. „Er ist schnell und giftig, sein Passspiel und sein Auge sind phänomenal.“ Das weiß auch Julian Nagelsmann.