Immenstädter Schwimmfest

Pioniere im Becken: Wie der TV Immenstadt 300 Athleten beherbergt hat

Viel war anders, die Stimmung in der Halle und das sportliche Niveau beim Immenstädter Schwimmfest haben aber nicht unter den Einschränkungen gelitten.

Viel war anders, die Stimmung in der Halle und das sportliche Niveau beim Immenstädter Schwimmfest haben aber nicht unter den Einschränkungen gelitten.

Bild: Dirk Klos

Viel war anders, die Stimmung in der Halle und das sportliche Niveau beim Immenstädter Schwimmfest haben aber nicht unter den Einschränkungen gelitten.

Bild: Dirk Klos

Der TVI meistert als einer der ersten Clubs in Bayern die Organisation des Events mit 300 Athleten in der Halle. Ein Städtler knackt eine Schallmauer.
12.10.2021 | Stand: 18:05 Uhr

36 Jahre alt – und doch war vieles Neuland. Das „Internationale Immenstädter Schwimmfest“ war 2021 eins der besonderen Art. Die Ausrichter vom TV Immenstadt trauten sich als einer der ersten Vereine in Bayern, nach dem Lockdown einen Wettkampf in einer 25-Meter-Schwimmhalle auszutragen. Und das „wasserdichte Konzept“ hat sich ausgezahlt: Vereine aus dem In- und Ausland „rannten“ den Städtlern die Türen ein.

Da sich die TVI-Schwimmabteilung aber selbst eine Teilnehmerbegrenzung gesetzt hatte, mussten sogar Anfragen zurückgewiesen werden. „Es war ein super Event, die Leute waren froh und dankbar, dass sie kommen durften“, sagte Christine Zähringer, die mit Birgit Joas das OK-Team leitete. „Und es haben sich auch alle recht gut an die Vorgaben gehalten.“ So starteten insgesamt fast 300 Athleten – verteilt auf zwei Tage – im Immenstädter Hallenbad. „Die Stimmung im Bad hatte etwas von Aufbruch und Neuanfang“, sagte Birgit Joas. „Alle Schwimmer waren dankbar, wieder an den Start gehen zu dürfen.“

Zähringer: "Den ganz Jungen fehlen Grundlagen"

Aus sportlicher Sicht, das machen Joas und Zähringer deutlich, fiel auf, „dass grade in den jüngsten Jahrgängen Grundlagen fehlen, die pandemiebedingt nicht vermittelt werden konnten“, sagt Joas – Zähringer ergänzt: „Den ganz Jungen fehlen offenbar eineinhalb Jahre Grundausbildung. Im internationalen Vergleich war auffällig, dass die Italiener nach der Corona-Zeit sehr fit waren.“

Insgesamt sei das Niveau durchaus mit Vor-Corona-Zeiten zu vergleichen. So brillierte am ersten Tag der Dornbirner Max Halbeisen über 100 m Freistil mit 52,33 Sekunden. Bei den Damen blieben mit Sabrina Weger (58,48) aus Bozen und Hanna Röser (59,11) aus Dornbirn sogar zwei Schwimmerinnen unter einer Minute. Tags darauf überzeugte Luca Vogt vom SC Ravensburg, der 100 m Schmetterling in 57,94 zurücklegte. Ellen Grundl (Biberach) überzeugte über 100 m Brust in 1:17,94 und Nicole Weber (Augsburg) über 200 m Lagen in 2:25,06.

Christine Zähringer (links) und Birgit Joas vom ausrichtenden TV Immenstadt freuten sich über die gelungene Ausrichtung des Schwimmfests mit fast 300 Athleten.
Christine Zähringer (links) und Birgit Joas vom ausrichtenden TV Immenstadt freuten sich über die gelungene Ausrichtung des Schwimmfests mit fast 300 Athleten.
Bild: Dirk Klos

Auch die gastgebenden Immenstädter zeigten aufsteigende Form. Während die älteren Athleten an ihre Bestleistungen anknüpften oder diese sogar verbessern konnten, zeigte sich, dass die Youngster noch „ungeschliffene Rohdiamanten“ sind. Insgesamt erschwamm der TVI 20 Siege, 18 zweite und 20 dritte Plätze in den Wertungsklassen.

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Fünffachsiegerin wurde Ella Seidel im Jahrgang 2010. Besonders beeindruckte, dass die Elfjährige über 100 m Freistil in 1:19,11 gleich mit vier Sekunden Vorsprung gewann. Drei Siege holte Jakob Schneider (2009) über 50 und 100 m Schmetterling sowie 100 m Rücken. Dreimal erfolgreich war auch Roman Zähringer (2013), der Immenstadts jüngster Teilnehmer war.

Jeweils zweimal wären Anton Käser (2008) und Simon Joas (2003 und älter) auf dem Siegerpodest oben gestanden, hätte es beim „Schwimmfest light“ eine Siegerehrung gegeben. Ebenfalls zweimal Erster wurde Wanja Schmidtke (2011) bei seiner Premiere, sowie Maximilian Schnalzger (2008), Liam Lerez (2010) und Marcus Joas (2003 und älter). Zweite und dritte Plätze erschwammen Amelie Drost-Perner, Aljoscha Schmidtke, Moana Schöll (alle 2011), Theresa Meßmang (2012), Isabella Bayer, Lovro Drasic (beide 2008), Lisanne (2009) und Vanessa Hoffmann (2003), Felix Kauper (2007) sowie „Oldie“ Sigrid Leistner (2003 und älter).

Marcus Joas durchbricht eine Schallmauer

Für zwei Highlights sorgte zudem Marcus Joas. Der TVI-Ausnahmeschwimmer verbesserte am Sonntagmorgen seinen Vereinsrekord über 400 m Freistil um knapp drei Sekunden auf 4:13,91 Minuten. Der letzte Lauf des Tages wurde für Joas zum emotionalen Höhepunkt: Der 22-Jährige, der schon beim Aufbau im Bad geholfen, noch dazu den ersten Tag über als Wettkampfhelfer im Hallenbad gestanden und am Sonntag bereits sechs Starts in den Knochen hatte, ging an die 200 m Freistil.

Aus dem Ziel eines „soliden Wettkampfs“ wurde ein fulminantes Rennen: Joas wuchs einmal mehr über sich hinaus und schlug nach 1:59,94 an. Nach viereinhalb Jahren harter Arbeit durchbrach er damit erstmals die magische Zwei-Minuten-Marke (vorheriger Rekord bei 2:00:08), war damit schnellster 200-Meter-Mann des Events und ist nun der einzige TVIler, der diese Marke jemals geknackt hat.

Und so endete für die Ausrichter des TV Immenstadt ein „vorne bis hinten gelungenes Schwimmfest“, sagte Zähringer, die sich sogar einige Corona-Modifikationen als künftigen Standard vorstellen könnte. „Super funktioniert hat das aufgeteilte Einschwimmen morgens – wenn fast 300 Schwimmer 90 Minuten lang freie Wahl haben, ist das Bad immer voll“, erklärte die 42-Jährige. „Es war nun entspannter.“ Auch die Zuteilung fester Plätze für die Vereine sei äußerst sinnvoll gewesen und ein mögliches Modell für die Zukunft der Traditionsveranstaltung. „Wir können sagen, dass das Konzept gut funktioniert und alles abgedeckt hat, was wir anpacken konnten“, sagt Zähringer. „Es geht auch mit enormen Einschränkungen. Das heißt aber nicht, dass wir es nicht gerne wieder wie früher hätten.“