Gerichtsverfahren wegen Körperverletzung

Polizisten bespuckt und getreten: Verfahren in Sonthofen eingestellt

Amtsgericht Sonthofen

Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich eine 47-Jährige vor Gericht in Sonthofen verantworten.

Bild: Martina Diemand (Symbolbild)

Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich eine 47-Jährige vor Gericht in Sonthofen verantworten.

Bild: Martina Diemand (Symbolbild)

Ein Gerichtsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung wird in Sonthofen eingestellt. Wie die Richter die Entscheidung begründen.
25.01.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Gefährliche Körperverletzung, tätlicher Angriff auf Polizisten, Beleidigung und Beleidigung – Angesichts dieser langen Liste von Anklagepunkten erschien es überraschend, dass auf der Anklagebank eine kleine, zierliche Frau Platz genommen hatte. Doch die 47-Jährige soll während eines Urlaubs in Oberstaufen im September 2019 völlig ausgerastet sein.

Jetzt stand sie – über ein Jahr nach der Tat – in Sonthofen vor Gericht. Doch das Verfahren wurde eingestellt – weil die Frau zum Tatzeitpunkt so betrunken war, dass sie ein Gutachter als nicht schuldfähig einstufte. Zudem stand eine Traumatisierung im Raum, was Richterin Brigitte Gramatte-Dresse bei ihrer Entscheidung berücksichtigte.

Im Wortgefecht beleidigt die Frau eine Beamtin als "dumme Kuh"

Es ist eine Nacht, die die Polizeibeamten wohl nicht so schnell vergessen werden: Als sie gegen 21.30 Uhr zu einem Lokal gerufen wurden, begegnen sie der schwer betrunkenen Urlauberin, die ihnen von einer vermeintlichen Vergewaltigung berichtet – eine falsche Behauptung wie sich später herausstellt. Im Wortgefecht beleidigt die Frau eine Beamtin als „dumme Kuh“.

Die Polizisten versuchen, dennoch herauszufinden, in welchem Hotel die 47-Jährige untergebracht ist. Weil die Frau das nicht mehr weiß und auch sonst orientierungslos wirkt, nehmen die Beamten, sie ihn Gewahrsam. Daraufhin rastet die Frau aus. Als die Polizisten ihr Handschellen anlegen wollen, tritt sie nach hinten und verletzt einen Beamten durch ihren spitzen Absatz am Bein. Ein weiterer Tritt trifft das Knie des Polizisten. Es folgen Beleidigungen und Bedrohungen durch die Urlauberin, die einer Beamtin sogar ins Gesicht spuckte.

Angeklagte nicht schuldfähig aus Sicht der Staatsanwaltschaft

Doch schon die Staatsanwaltschaft hatte in der Anklage darauf hingewiesen, dass wegen der erheblichen Alkoholisierung nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Angeklagte zur Tatzeit „in ihrer Fähigkeit, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln, erheblich vermindert war“.

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Das bestätigte in der Verhandlung ein Gerichtsmediziner, der die 47-Jährige in einem Gutachten als „nicht schuldfähig“ einstufte. So konnte die Angeklagte nicht für ihre einzelnen Taten belangt werden. Von einer möglichen Anklage wegen „fahrlässigem Vollrausch“ sahen Richterin und Staatsanwältin ab, weil die Frau möglicherweise wegen einer Vergewaltigung in der Vergangenheit traumatisiert sei.

So wurde das Verfahren am Amtsgericht nach einem Rechtsgespräch mit Zustimmung aller Beteiligten eingestellt. Die Kosten trägt die Staatskasse, die 47-Jährige muss für ihre Auslagen aufkommen.

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