Was der langjährige TV-Immenstadt-Spieler heute macht

Promotion statt Dritte Liga: Der Weg des Handballers Mathias Salger

Mathias Salger heute im Trikot der TSG Söflingen.

Mathias Salger heute im Trikot der TSG Söflingen.

Bild: imago

Mathias Salger heute im Trikot der TSG Söflingen.

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Viele Jahre war Mathias Salger eine Säule beim TV Immenstadt. Über Unterhaching ist er heute in Ulm gelandet - und hat einen Doktortitel.
09.05.2021 | Stand: 17:00 Uhr

„Es ist immer ein besonders Gefühl, wenn man vom Heimatverein weggeht“, sagt Mathias Salger. „Besonders, wenn man so eine coole Truppe verlässt.“ 2012 hat Salger den TV Immenstadt verlassen. Schließlich war der Handballer abgesehen von seinen Anfängen beim heimischen TSV Oberstaufen und einem A-Jugend-Jahr in Sonthofen stets beim TVI. Dennoch entschied er sich damals für den Abschied aus dem Städtle, was nicht nur sportliche Gründe hatte. Der damals 23-Jährige wohnte und studierte bereits drei Jahre in München und nahm den „unglaublich großen Aufwand“ in Kauf, regelmäßig von der Landeshauptstadt ins Oberallgäu zu pendeln. (Lesen Sie auch: Handball-Urgestein: Wie Christian Becker den TV Immenstadt über 30 Jahre prägte)

In Unterhaching Bayernliga gespielt

Dann klopfte der TSV Unterhaching bei dem Rückraumspieler an – das Wegfallen der Pendelei gepaart mit der Aussicht, mit Unterhaching Bayernliga zu spielen, „war für mich die Chance auf eine sportliche Weiterentwicklung“, sagt Salger. Daher sagte der 2,06 Meter große Hüne zu. Je mehr sich die Landesliga-Saison dem Ende neigte, umso mehr bekam Mathias Salger zu dem lachenden aber auch ein weinendes Auge – leicht fiel ihm der Abschied nicht. Schließlich hatte er im Trikot der „Grünen“ mit der Bezirksoberliga-Meisterschaft und dem Aufstieg in die Landesliga-Süd sein sportliches Highlight erlebt. In seinem letzten Einsatz für den TVI stand der Verbleib in der Landesliga auf dem Spiel, denn für die Städtler ging es gegen den Abstieg. Im Relegationsspiel in der heimischen Julius-Kunert-Halle schlugen sich die Oberallgäuer aber „überragend“ und machten mit einem „super“ Kantersieg „den Klassenerhalt schon klar“. Beim Rückspiel musste sich Salger jedoch verletzungsbedingt aufs Mitfiebern beschränken. Trotz einer Niederlage schaffte der TVI aber den Klassenerhalt.

Bayerischer Pokalsieg krönt erfolgreiche Zeit

Für Mathias Salger folgten vier erfolgreiche Jahre in Unterhaching, in denen er als Bayernliga-Aufsteiger 2015 sogar den bayerischen Pokalsieg feierte. „Es war eine erfolgreiche Zeit in einem super Team“, erinnert er sich. Eine Verletzung und die darauffolgende Fuß-Operation zwangen ihn aber danach zu einer zweijährigen Pause. Da diese genau in die Zeit seiner Promotion fiel, hatte er jedoch nicht allzu viel Raum, Trainings und Spiele zu vermissen. In der Folge verschlug es den promovierten Lebensmittelchemiker beruflich nach Ulm, wo er heute als wissenschaftlicher Projektmanager in einem Pharmaunternehmen tätig ist. Die Tatsache, dass sein sieben Jahre jüngerer Bruder Stefan zu der Zeit schon den Sprung in die Bundesliga geschafft hatte, war für Mathias eine besondere „Motivation nach der Pause Gas zu geben. Unter Brüdern findet immer eine sportliche Challenge statt.“

In Ulm ergab sich für den älteren Salger bald der Kontakt zur TSG Söflingen, einem Traditionsverein der Oberliga Baden-Württemberg, der früher sogar Dritte Liga spielte. Seit drei Jahren hofft Salger mit dem Team auf den Aufstieg. Beim Abbruch der vergangenen Spielzeit standen die Söflinger mit knappem Rückstand dicht davor. „Wir hatten gute Chancen, aber dann kam Corona“, sagt Salger. Heuer fällt die Aufstiegsentscheidung aufgrund der Pandemie sogar über Losverfahren und die Söflinger dürfen hoffen. „Zuschauertechnisch würde der Aufstieg Schwung bringen, denn es gäbe zwei große Derbys“, erzählt der 31-jährige Oberallgäuer.

Wahl zwischen Profi und Beruf

Ihm selbst bot sich vor einigen Jahren schon einmal die Chance auf einen Wechsel in die dritte Liga, doch Salger schlug sie aus. Studienbedingt war er an die TU München gebunden, noch dazu stand er kurz vor der Promotion. „Mit Mitte zwanzig war mir mein Studium wichtiger, damit verdiene ich mein Geld. Daher habe ich mich für den beruflichen Weg entschieden“, sagt Salger.

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Eben dieser Beruf macht eine Rückkehr ins Allgäu auch unwahrscheinlich. Heute lebt Mathias Salger in der Ulmer Innenstadt. Obwohl er diese liebgewonnen hat und die Atmosphäre in den idyllischen Vierteln der Donaumetropole zu schätzen weiß, kommt er gerne in seine Allgäuer Heimat. Auch das sportliche Geschehen seiner ehemaligen Clubs verfolge er regelmäßig. Abgesehen von den sozialen Netzwerken hat der Rückraumspieler aber kaum noch Kontakt zu seinen Ex-Teamkollegen. Und auch die Zeitspanne, seitdem er seine aktuellen Kollegen nicht mehr gesehen hat, vergrößert sich zunehmend. Wegen des Lockdowns fand seit nunmehr über sechs Monaten kein Teamtraining mehr statt.

Selbst an seinem Arbeitsplatz war Mathias Salger vor einem Jahr das letzte Mal – seither ist er im Homeoffice. „Das ist schade, aber wichtig ist, dass wir gesund sind“, betont der 31-Jährige. „Ich kann mich daher nicht beklagen.“ Was seine sportliche Zukunft angeht, hofft er darauf „noch ein paar Jährchen spielen zu können und von Verletzungen verschont zu bleiben“.

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