Betreuung

Rat und Hilfe für pflegende Angehörige im Oberallgäu

Im Oberallgäu sollen Menschen künftig zu allen Fragen rund um das Thema Pflegebedürftigkeit beraten werden.

Im Oberallgäu sollen Menschen künftig zu allen Fragen rund um das Thema Pflegebedürftigkeit beraten werden.

Bild: dpa

Im Oberallgäu sollen Menschen künftig zu allen Fragen rund um das Thema Pflegebedürftigkeit beraten werden.

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Der Caritasverband Kempten-Oberallgäu betreibt seit über fünf Jahren eine Fachstelle. Bedarf steigt stark an
04.01.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Der Landkreis wird einen Pflegestützpunkt im Oberallgäu einrichten. Das hat der Kreis-Sozialausschuss einstimmig beschlossen. Damit sollen Menschen zu allen Fragen rund um das Thema Pflegebedürftigkeit beraten werden. Ein ähnliches Angebot hält der Caritasverband Kempten-Oberallgäu bereits seit Jahren vor: die Fachstelle für pflegende Angehörige. Wir sprachen mit Gabi Kolitsch-Radomski, Leiterin des Beratungsdienstes in Sonthofen, wie eine solche Einrichtung arbeitet.

Mit welchen Themen wenden sich die Menschen aus dem Oberallgäu an die Fachstelle für pflegende Angehörige?

Gabi Kolitsch-Radomski: Unsere Aufgabe ist es, durch psychosoziale Beratung, begleitende Unterstützung und Entlastung der Angehörigen pflegebedürftiger Menschen zu verhindern, dass die Angehörigen durch die oft lang andauernde Pflege selbst erkranken und zum Pflegefall werden. Die Menschen wenden sich mit allen Themen rund um Pflege, Demenz und Maßnahmen zur Wohnraumverbesserung an die Fachstellen.

Wie viele Personen beraten Sie durchschnittlich pro Jahr?

Kolitsch-Radomski: 2020 waren es knapp 800 Personen, die wir im Oberallgäu beraten haben, 2019 waren es 600 Personen. Die Tendenz ist also deutlich steigend. Wir bieten die Beratung seit über fünf Jahren an.

Wie hilft die Fachstelle für pflegende Angehörige konkret?

Kolitsch-Radomski: Wir bieten eine neutrale, trägerunabhängige Pflege- und Demenzberatung an. Diese ist individuell und situativ ausgerichtet. Entweder telefonisch, persönlich in der Dienst- oder der Außenstelle in den Gemeinden oder in Form eines Hausbesuchs. Die Fachstelle hilft bei der Pflegeheim- oder Kurzzeitpflegeplatzsuche sowie auch bei der Suche nach einem Pflegedienst. Sie erklärt die Kosten der Pflege und der zur Verfügung stehenden Budgets und hilft beim Ausfüllen der entsprechenden Formulare. Auch die soziale Sicherung der pflegenden Angehörigen ist oft unbekannt. Hier erläutern die Berater Ansprüche. Sie begleiten bei Pflegegradeinstufungen und gegebenenfalls im Widerspruchsverfahren und helfen bei allen Fragen rund um das Thema Pflege, Älterwerden und Demenz. Zum Krankheitsbild der Demenz gehören auch regelmäßig stattfindende Schulungen für pflegende Angehörige und Demenzbegleiter sowie Vorträge für öffentliche Einrichtungen.

Gibt es eine Vernetzung mit anderen Angeboten aus dem Bereich Pflege?

Kolitsch-Radomski: Netzwerkarbeit ist eine der Kernaufgaben der Fachstelle. Wir sind mit allen Einrichtungen der Region und anderen bestehenden Beratungsangeboten wie beispielsweise den Pflegeberatern der Pflegekassen eng vernetzt. Des Weiteren sind wir unter anderem mit der Demenzhilfe Allgäu, der Demenzhilfe Immenstadt oder dem gerontopsychiatrischen Verbund des Bezirks Schwaben vernetzt. Die Fachstelle für pflegende Angehörige ist in verschiedenen Projekten aktiv wie der „Demenz Partner Initiative“ der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft. Für ein weiteres Projekt namens „DigiDEM“ das im Rahmen der Bayerischen Demenz Strategie ausgeschrieben war, wurde die Fachstelle als Forschungspartner ausgewählt. Ziel von „Digi Dem“ ist die Verbesserung von Diagnostik und Versorgung von Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen.

Kontakt: Die Fachstelle für pflegende Angehörige für das südliche und westliche Oberallgäu ist erreichbar unter Telefon 08321/6601-22; für das östliche Oberallgäu (Monika Künzel) unter 08365/703705; für die Stadt Kempten und das nördliche Oberallgäu (Sieglinde Denz und Barbara Guranti) unter 0831/69720768.