Terror in Österreich

Reaktionen nach Anschlag in Wien: "Fassungslos und geschockt"

Auch im Kleinwalsertal und in Jungholz stehen die Menschen nach dem Terroranschlag in Wien unter Schock.

Auch im Kleinwalsertal und in Jungholz stehen die Menschen nach dem Terroranschlag in Wien unter Schock.

Bild: Ralf Lienert

Auch im Kleinwalsertal und in Jungholz stehen die Menschen nach dem Terroranschlag in Wien unter Schock.

Bild: Ralf Lienert

Eine Studentin und ein Filmemacher aus Riezlern berichten, wie sie den Anschlag am Montagabendin der österreichischen Hauptstadt erlebt haben.
03.11.2020 | Stand: 18:30 Uhr

Nach dem islamistischen Terroranschlag vom Montagabend in Wien stehen auch die Menschen in den österreichischen Exklaven Kleinwalsertal und Jungholz unter Schock. Bei dem Anschlag wurden fünf Menschen getötet, über 20 Personen zum Teil schwer verletzt. Wir haben mit zwei Menschen aus Riezlern gesprochen, die derzeit in Wien leben sowie mit einem Österreicher, der in Oy-Mittelberg wohnt, und mit der Bürgermeisterin von Jungholz.

Als am Montagabend die ersten Schüsse in der Wiener Innenstadt fielen, saß Jennifer Lee-Schmaus mit zwei Freundinnen sechs Kilometer entfernt vom Tatort in ihrer Wohnung. „Gegen 21 Uhr hat sich ein Bekannter aus unserer Studienkollegengruppe per Whatsapp gemeldet und uns gewarnt, ja nicht in die Stadt zu gehen“, berichtet die 18-Jährige. „Wir waren fassungslos und geschockt.“ Sie hat dann gleich ihre Mutter in Riezlern angerufen, um ihr zu sagen, dass sie sich keine Sorgen machen muss. Nachdem die Freundinnen gegangen waren, verfolgte die BWL-Studentin im Livestream des ORF die Berichte vom Tatort bis kurz vor Mitternacht. „Der islamische Terrorismus kommt immer näher“, sagt die Walserin. Aber Angst habe sie deshalb nicht, „denn dann hätten die Attentäter gewonnen und ihr Ziel erreicht“. Ändern wird sich nichts in ihrem Leben. Durch den Lockdown müsse sie abends zu Hause bleiben und tagsüber sich auf das Studium mit den dazugehörenden online-Vorlesungen konzentrieren.

(Lesen Sie auch: Deutsche bei Terroranschlag in Wien getötet.)

"Ich spüre Wut und Zorn, habe aber keine Angst, da ich mich hier sicher fühle"

Noch bis 18 Uhr hat Tommy Schmidle im Wiener Konzerthaus am Montagabend Aufnahmen gemacht und ist dann mit seiner Freundin in ein Restaurant im fünften Bezirk essen gegangen, erzählt der Regisseur und Filmemacher. Schmidle stammt ebenfalls aus Riezlern und lebt seit fünf Jahren in Wien. Als er kurz nach 20 Uhr von dem Anschlag erfuhr, sei er schockiert, aber auch gefasst gewesen. Denn ihn hat nicht überrascht, dass nach den Terroranschlägen in den vergangenen Jahren in London, Berlin, Paris und vergangene Woche in Nizza auch ein Anschlag in Wien mit seinen 1,8 Millionen Einwohnern passieren könnte. „Ich spüre Wut und Zorn, habe aber keine Angst, da ich mich hier sicher fühle“, sagt der Walser. Er werde jedoch in den nächsten Tagen die Innenstadt meiden und nach dem am Montag begonnenen Lockdown in Österreich im Homeoffice in seiner Wiener Wohnung arbeiten. Schmidle ist sicher, dass die Wiener nach dem Anschlag „jetzt erst recht zusammenhalten“.

Sofort die Cousine und die Tante in Wien angerufen

Davon ist auch Kurt Bruckner überzeugt. Der in Oy-Mittelberg lebende Rentner ist in Niederösterreich, 70 Kilometer östlich von Wien aufgewachsen. „Ich war natürlich schockiert und habe sofort meine Cousine und meine Tante in Wien angerufen“, berichtet der 72-Jährige. „Als ich die Verwandten erreicht und gewusst habe, dass sie zu Hause und damit in Sicherheit sind, war ich beruhigt“. Es sei kaum zu glauben, dass jetzt auch in Österreich Fanatiker unterwegs seien, um unschuldige Menschen zu töten,

Karin Konrad, Bürgermeisterin in Jungholz, spricht nach dem Anschlag von einer „schrecklichen und erschütternden Tat. Ich kann es gar nicht fassen“. Auch sie hat überrascht, dass die Täter diesmal die Alpenrepublik als Zielscheibe ihres Hasses ausgesucht hätten.

Doch damit wollten die Täter eine möglichst große Aufmerksamkeit erreichen, sagt sie. Jetzt sei es wichtig, trotz verstärkter Vorsicht zu einer gewissen Normalität zurückzukehren. „Denn wir haben sowohl in Österreich als auch in Deutschland gute Sicherheitskonzepte“.