Rennrad-Event in Sonthofen

Rekorde in Serie: Warum das Andreas-Brandl-Rennen so boomt

Über ein Rekordfeld von über 150 Teilnehmern – im Vergleich zu 80 im Jahr 2020 – freute sich der RSV Sonthofen im Hauptlauf beim Andreas-Brandl-Rennen.

Über ein Rekordfeld von über 150 Teilnehmern – im Vergleich zu 80 im Jahr 2020 – freute sich der RSV Sonthofen im Hauptlauf beim Andreas-Brandl-Rennen.

Bild: Dominik Berchtold

Über ein Rekordfeld von über 150 Teilnehmern – im Vergleich zu 80 im Jahr 2020 – freute sich der RSV Sonthofen im Hauptlauf beim Andreas-Brandl-Rennen.

Bild: Dominik Berchtold

Beim Andreas-Brandl-Rennen in Sonthofen purzeln die Bestmarken auf der Strecke, bei den Startern und beim Nachwuchs. Schockmoment im Hauptrennen.

13.07.2021 | Stand: 07:31 Uhr

Es steht symbolhaft für den Trend, dass sie das „Jedermann-Rennen“ gewonnen haben – und das der U 11. Ausgerechnet. Denn bei der neunten Auflage des Andreas-Brandl-Rennens in Sonthofen hat der ausrichtende RSV Sonthofen weder bei den Amateuren noch beim erstmals ausgetragenen Rennen der Elite-Amateure eine Chance auf die Top Ten gehabt. „Aber wir freuen uns, dass wir überhaupt wieder Rennatmosphäre spüren durften“, sagt der RSV-Präsident Richard Wolf. „Für den Verein ist es wichtig, dass wir zeigen konnten, dass wir eine breite Zielgruppe ansprechen und dass wir seit 2020 viel für den Nachwuchs gemacht haben.“ Eben, für Jedermann und für die Kleinsten.

Dabei feierte der „RSV Allgäu Outlet Sonthofen“ als Ausrichter des Events, das an den verstorbenen Jugendtrainer Andreas Brandl erinnert, durchaus auch andere achtbare Erfolge. Das Rennen in der Kreisstadt war das erste Straßenrennen der Amateure in ganz Bayern, das in der Saison 2021 bis jetzt ausgetragen wurde. Mit 150 Startern im Vergleich zu etwa 80 in den Vorjahren gab es einen Teilnehmerrekord – allein bei den Kids waren 18 Nachwuchsfahrer des RSV in allen Altersklassen dabei. Die Richtung stimmt also.

Premiere für die Elite, Rekordtempo von Florenz Knauer

Zudem waren erstmals auf dem 3,6 Kilometer langen Rundkurs mit Start am Eisstadion über Margarethen und Hofen auch Elite-Amateure dabei – das gewohnt hohe Niveau hat „noch einmal einen gewaltigen Schub bekommen“, sagt Wolf. Das belegt auch die Siegerzeit des Franken Florenz Knauer, der in 1:53:20 Stunden gewann und mit einem sagenhaften Schnitt von 38,1 km/h das schnellste Brandl-Rennen aller Zeiten hinlegte – und das, bei knackigen 2000 Höhenmetern.

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Rekorde in Serie beim Andreas-Brandl-Gedächtnisrennen in Sonthofen

Zahlenmäßig überlegen und sportlich klar favorisiert war dabei der RSC Kempten an den Start gegangen. Gerade der Oberstaufener Jonas Schmeiser als Topfavorit hoffte auf einen Sieg in der Nachbarschaft. Doch mehr als eine Champagnerflasche zum 34. Geburtstag gab es für Schmeiser nicht geschenkt. Das Feld hatte 20 Runden, also 72 Kilometer, zu absolvieren – und blieb auch entsprechend lange geschlossen. Nach einigen Runden setzten sich Knauer, Schmeiser und der spätere Vierte, Robin Fischer, ab – dahinter bildete sich eine Verfolgergruppe. In der vorletzten Runde erfolgte der Zusammenschluss der Favoriten, ehe Knauer vom „Team 54x11“ am letzten Anstieg den entscheidenden Antritt startete.

Somit gab es auf der Hindelanger Straße vor der Eissporthalle einen Solo-Sieger – Knauer hatte letztlich über 15 Sekunden Vorsprung vor dem 21-jährigen Tim Wollenberg (Majoa Pushbikers), der Routinier Christopher Schmieg vom RSC bezwang. Geburtstagskind Schmeiser wurde Fünfter.

Schwerer Sturz bei den Amateuren

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Unmerklich langsamer ging es bei den Amateuren zu, bei denen der Heilbronner Simon Gessler nach 15 Runden und 54 Kilometern mit dem Durchschnittstempo von 37,4 km/h in 1:26:38 Stunde triumphierte. Christoph Wachter vom Niedersonthofener Team (Baldiso) und Thomas Hölzler folgten auf den weiteren Rängen. Für die Lokalmatadore reichte es in diesem Jahr nicht für einen Rang in den Top Ten – Timo Albrecht war als 14. bester RSVler. „Man hat gesehen, dass wir auch bei den Amateuren ein wahnsinniges Tempo hatten. Das Niveau war irre“, sagt Wolf.

Doch für den RSV-Präsidenten, der sich in der Nacht zuvor eine Erkältung eingefangen hatte und geschwächt an den Start ging, standen andere Dinge im Vordergrund. Denn im Amateurrennen kam es auf der Abfahrt von Hofen zu einem schweren Sturz, als ein Athlet mit dem Vorderrad in eine Regenrinne rutsche und den Lenker verlor. Nach dem schweren Unfall rauschte noch ein Sonthofer in den Gestürzten. Beide mussten in die Notaufnahme nach Immenstadt, befinden sich aber auf dem Weg der Besserung.

Über ein Rekordfeld von über 150 Teilnehmern – im Vergleich zu 80 im Jahr 2020 – freute sich der RSV Sonthofen im Hauptlauf beim Andreas-Brandl-Rennen.
Über ein Rekordfeld von über 150 Teilnehmern – im Vergleich zu 80 im Jahr 2020 – freute sich der RSV Sonthofen im Hauptlauf beim Andreas-Brandl-Rennen.
Bild: Dominik Berchtold

In allen anderen Rennen hatten die Gastgeber aber deutlich bessere Karten. Beim Jedermann-Rennen jubelte der RSV-Fahrer Torge Ulbricht, bei der U 15 überraschte der Sonthofer Toni Weber als Dritter, ebenso wie Felix Mayer vom RSV bei der U 13 hinter zwei starken Mädels. Dass die U 11-Klasse beinahe ausschließlich aus RSV-Talenten bestand, soll den Doppelsieg der Kreuchauf-Brüder Emil und Willi nicht schmälern.

"Wichtig, dass wir solche Veranstaltungen anbieten"

„Die insgesamt schwächelnde Teilnehmerzahl der Nachwuchsfahrer bestärkt uns darin, dass wir das Richtige tun“, sagt RSV-Vize Matthias Baldauf. „Es ist unheimlich wichtig in diesen Zeiten, dass wir den Rennfahrern und vor allem dem Nachwuchs solche Veranstaltungen anbieten können." Baldauf, der heuer gesundheitsbedingt nicht selbst fahren konnte, übernahm die Planung der Streckensicherung mit Helfern, Feuerwehr, Polizei sowie die Verpflegung der insgesamt 35 beteiligten Helfer.

Und so freute sich der RSV Sonthofen, dass bei der neunten Auflage all die Rekorde zur schönen Nebensache wurden. Immerhin war das Rennen bereits für Mai erstmals ausgeschrieben, wegen der Lage in der Pandemie allerdings zunächst auf Oktober verschoben.

„Aber weil sich die Situation zuletzt so gut entwickelt hat, haben wir nun kurzfristig die Gelegenheit ergriffen, das Rennen durchzuziehen“, sagt Baldauf. „Also mussten wir in Sachen Organisation richtig Gas geben, aber durch die Erfahrungen der vergangenen neun Jahre sind alle Helfer, Richie und ich gut eingespielt.“ Und sie wurden belohnt. Das belegt auch eine weitere Bestmarke, die das Orga-Team geknackt hat. Beim Debüt für das „Erste-Schritt-Rennen“, bei dem sich die Kleinsten erstmals im Sattel probieren dürfen, hatten sich noch 2020 neun Kinder an den Start gewagt. 2021 waren es stolze 38. Wie gesagt, die Richtung stimmt.