Verdienstorden

Resi Kraft sagt: „Dieser Verein ist mein Lebenswerk“

OA Resi Kraft

Resi Kraft, Vorsitzende des Vereins „Schaut hin!“, hat von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder den Bayerischen Verdienstorden erhalten.

Bild: Lennart Preiss

Resi Kraft, Vorsitzende des Vereins „Schaut hin!“, hat von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder den Bayerischen Verdienstorden erhalten.

Bild: Lennart Preiss

Die Oberstdorferin unterstützt mit „Schaut hin!“ seit 37 Jahren Opfer von Gewalt. Jetzt zeichnet sie der Ministerpräsident aus.
15.07.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Ein Sexualmord veränderte nicht nur das Leben der Opferfamilie, sondern auch das von Resi Kraft. Es war 1984, als die Schwester ihrer Kollegin in Sonthofen ermordet wurde. Kraft arbeitete damals als Angestellte bei der Oberstdorfer Polizei. Ihr Chef bat sie, sich um die Familie zu kümmern. 15 Jahre später gründete sie mit einigen anderen den Kinder- und Opferhilfeverein „Schaut hin!“. Seitdem hat sie einer geschätzt vierstelligen Anzahl von Menschen beigestanden. Für dieses außergewöhnliche Engagement hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ihr jetzt im Antiquarium der Münchner Residenz den Bayerischen Verdienstorden verliehen.

Höchste Auszeichnung

Es ist die höchste Auszeichnung, die der Freistaat Bürgern für Verdienste verleiht, die nicht aus Wissenschaft oder Kultur kommen. Der Orden würdigt den „herausragenden Einsatz und das außerordentliche Engagement der Bürger im Freistaat für das Gemeinwesen“, teilt die Staatsregierung mit. Zusammen mit der Oberstdorferin ausgezeichnet wurden Fußball-Weltmeister Philipp Lahm, die frühere Skifahrerin Michaela Gerg und die Schauspieler Günther Maria Halmer und Eva Mattes. Viel mitbekommen hat die Oberstdorferin von ihren prominenten Kolleginnen und Kollegen nicht. Alle hätten wegen Corona Abstand halten müssen. „Ein Gespräch war nicht möglich“, sagt Kraft.

Von der Anzeige bis zur Opferentschädigung

Zwischen 60 und 80 Fälle landen nach ihren Aussagen pro Jahr auf ihrem Schreibtisch. Die vielen telefonischen Anfragen seien da noch gar nicht mitgezählt. Meist seien es Frauen, die unter häuslicher oder sexueller Gewalt leiden. Der Verein betreue die Opfer von der Anzeige bis zum Opferentschädigungsantrag. Er vermittle Ärzte, besorge und bezahle Anwälte. „Die Leute brauchen auch jemanden, der sie einfach mal in den Arm nimmt und Verständnis hat“, schilderte Kraft in einem früheren Interview. Vor allem in Fällen von sexuellem Missbrauch stehe „Schaut hin!“ den Opfern teilweise über viele Jahre zur Seite. Eine Frau begleitet die rüstige 73-Jährige seit mehr als 20 Jahren. Sie habe immer wieder Gesprächsbedarf, berichtet Kraft.

Mit dem Verdienstorden ausgezeichnet wurde die Vereinsvorsitzende auf Bestreben der Oberstdorfer Frauenunion. Oft stehen solche Auszeichnen am Ende einer Tätigkeit. Nicht bei Theresia Kraft. „Ich hör ned auf“, sagt sie. Wenn die Gesundheit mitspielt, will die 73-Jährige noch zehn Jahre weitermachen. „Ich möchte, dass die Opfer wissen, dass jemand da ist, der ihnen Hilfe leisten kann“, betont sie. An manchen Tagen arbeite sie zehn Stunden im Ehrenamt, schildert die zweifache Mutter, die zwei Enkel und einen Urenkel hat. Ihre Kinder und ihr Mann, der vor 18 Jahren gestorben ist, hätten sie immer unterstützt, betont sie und erklärt: „Dieser Verein ist mein Lebenswerk.“

Der Bayerische Verdienstorden berechtigt Kraft nun zum kostenlosen Besuch aller staatlichen bayerischen Schlösser, Gärten, Museen und zum Nutzen der staatlichen Schifffahrt. „Darüber habe ich mich arg gefreut“, sagt Kraft.

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