Einstufung als Unfallschwerpunkt

Elf Motorrad-Unfälle in kurzer Zeit: Unfallkommission nimmt Riedbergpass ins Visier

An dieser Stelle des Riedbergpasses hat es in kurzer Zeit vier Unfälle mit teils schwer verletzten Personen gegeben. Deshalb wurde dieser Bereich von der Polizei nun als Unfallschwerpunkt eingestuft, der entschärft werden muss.

An dieser Stelle des Riedbergpasses hat es in kurzer Zeit vier Unfälle mit teils schwer verletzten Personen gegeben. Deshalb wurde dieser Bereich von der Polizei nun als Unfallschwerpunkt eingestuft, der entschärft werden muss.

Bild: Matthias Becker

An dieser Stelle des Riedbergpasses hat es in kurzer Zeit vier Unfälle mit teils schwer verletzten Personen gegeben. Deshalb wurde dieser Bereich von der Polizei nun als Unfallschwerpunkt eingestuft, der entschärft werden muss.

Bild: Matthias Becker

Etliche Motorradunfälle hat es dieses Jahr schon auf dem Riedbergpass gegeben. Die Behörden prüfen nun die Strecke. Kommt es zur Sperrung für Motorräder?
06.07.2021 | Stand: 20:43 Uhr

Schon viele Motorradunfälle hat es in den vergangenen Jahren auf dem Riedbergpass gegeben. Allein in den vergangenen Wochen waren es elf, darunter ein tödlicher. "Da horchen wir auf", sagt Felix Fleischhauer, Sachgebietsleiter Verkehrswesen im Landratsamt Oberallgäu. Denn eigentlich sei der Riedbergpass zwischen Obermaiselstein und Balderschwang mittlerweile so gut ausgebaut, dass er recht sicher sei. Nach der Sanierung in den vergangenen Jahren sei er in einem Top-Zustand.

Viel sei dabei auch für die Sicherheit der Motorradfahrer getan worden. Zum Beispiel sorgt ein Unterfahrschutz an den Schutzplanken dafür, dass gestürzte Kradfahrer nicht gegen die Pfosten der Planke knallen. Das kann nämlich zu schweren und tödlichen Verletzungen führen. Reflektierende Schilder vor Kurven zeigen außerdem rechtzeitig an, dass es gleich nach rechts oder links geht.

Obwohl also "baulich am Riedbergpass kaum noch Spielraum" sei, werde nun wegen der vielen Unfälle geprüft, ob nicht doch noch etwas auf und an der Straße verbessert werden kann, sagt Felix Fleischhauer. Das könnten zum Beispiel Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Überholverbote sein. "Es deutet alles daraufhin, dass etwas geändert werden muss."

Statt starrer und dauerhafter Geschwindigkeitsbeschränkungen könnte sich Felix Fleischhauer auch vorstellen, bei Bedarf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu regulieren. Dafür könnten die LED-Schilder genutzt werden, die schon dort stehen und bei winterlichen Verhältnissen auf die Kettenpflicht aufmerksam machen. Wenn absehbar ist, dass ein sonniges Wochenende bevorsteht und viele Fahrzeuge auf dem Riedbergpass unterwegs sein werden, könnten die Schilder genutzt werden, um eine Geschwindigkeitsbegrenzung anzuzeigen.

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Einige Unfälle haben sich in diesem Jahr an einer Stelle ereignet, an der die Straße in einer Linkskurve bergab führt. Die Kurve liegt unterhalb der Lenzenberghütte, etwa fünf Kilometer von Obermaiselstein entfernt. Eine Geschwinidigkeitsbegrenzung gibt es dort nicht. Keiner der dort verunglückten Motorradfahrer kommt aus der Umgebung. Diese Stelle war bisher kein Unfallschwerpunkt. Nun aber wird sie offiziell dazu ernannt. Denn sie hat die Bedingungen dafür erfüllt: Innerhalb von drei Jahren muss es in einem Bereich mindestens drei Unfälle mit schwerverletzten Personen geben. So erklärt es Dominic Geißler vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West. Ein Unfallschwerpunkt wird von Polizei und Straßenverkehrsamt besonders beobachtet mit dem Ziel, die Situation dort zu entschärfen.

Um die Situation auf dem Riedbergpass zu überprüfen, trifft sich dort im August die Unfallkommission. Dazu gehören Polizei und Vertreter des Landratsamts Oberallgäu, genauer: das Straßenverkehrsamt und die Kreistiefbauverwaltung. Die Unfallkommission kann auch Vertreter anderer Ämter, Institutionen und Kommunen einladen, wenn es hilfreich sein könnte.

Aber bei allem, was die Behörden für die Sicherheit unternehmen, müsse eines von den Verkehrsteilnehmern beachtet werden, sagt Felix Fleischhauer: "Es ändert nichts daran, dass es ein Pass ist" - mit Kurven, Anstiegen und Gefälle. Und es werde auch immer Fahrer geben, die sich nicht an Regeln halten.

Kommt eine Sperrung des Passes für Motorräder in Frage?

Den Riedbergpass für Motorräder zu sperren, "das ist rechtlich sehr, sehr schwierig", sagt Felix Fleischhauer. Er kenne Fälle, in denen solche Fahrverbote von Gerichten gekippt worden seien. Unabhängig davon halte er derzeit auch nichts davon. Denn die meisten Motorradfahrer führen vernünftig und hielten sich an die Regeln. Es seien nur wenige, die auffielen, die unvernünftig seien. Ob der Riedbergpass irgendwann mal für Motorräder gesperrt werden wird, sei zwar generell nicht auszuschließen, aber derzeit kein Thema. Stattdessen müsse es eine "faire und akzeptable Lösung" geben, die für alle Verkehrsteilnehmer zu vertreten sei.

"Gerade aufgrund des aktuellen Verkehrsunfallgeschehens beobachtet die Polizei das Geschehen intensiv. Aus diesem Grund werden auch Kontrollmaßnahmen, insbesondere unter Einbeziehung der Kontrollgruppe Motorrad des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West intensiviert, um dieser aktuellen Entwicklung entgegenzuwirken", sagt Dominic Geißler. Er appelliert an Motorrad- und Autofahrer, "umsichtig und angepasst an die örtlichen Gegebenheiten und Bedingungen, insbesondere mit Blick auf die Straßen- und Witterungsverhältnisse, zu fahren".