Literatur aus dem Allgäu

Roman übers Gunzesrieder Tal: Ein „Höllenhund“ und seine Bändigerin

Inspiriert von magischen Orten: Susanne Kahle aus Immenstadt hat ihren ersten Roman veröffentlicht: "D'r Höllahund".

Inspiriert von magischen Orten: Susanne Kahle aus Immenstadt hat ihren ersten Roman veröffentlicht: "D'r Höllahund".

Bild: Günter Jansen

Inspiriert von magischen Orten: Susanne Kahle aus Immenstadt hat ihren ersten Roman veröffentlicht: "D'r Höllahund".

Bild: Günter Jansen

Susanne Kahle aus Immenstadt hat ihren ersten Roman veröffentlicht. "D'r Höllahund" führt ins Gunzesrieder Tal und erzählt von einem Machtmenschen, der rücksichtslos handelt.

28.07.2020 | Stand: 17:55 Uhr

Der Mann liegt auf der Lauer – wie ein Jäger auf der Pirsch. Doch die Beute, auf die er zielt, ist kein Tier, sondern ein Mensch: „Das Wild, das ihm im Moment ganz besonders ins Auge stach, war ahnungslos, arglos und äußerst herzerfrischend in seinen grazilen Bewegungen.“ Es ist die junge Ragnhild, „eine wahrhafte Schönheit“, von der es später heißt, „dass sie geistig ein wenig zurückgeblieben schien und bereits von Geburt an taubstumm war“.

Mit dieser starken Szene beginnt der Roman „D’r Höllahund“. Susanne Kahle aus Immenstadt hat ihn geschrieben, und er ist vor Kurzem im Wiener Novum-Verlag erschienen. Doch die Geschichte spielt im Allgäu, genauer gesagt im Gunzesrieder Tal, einem mystischen Ort, wie Susanne Kahle sagt. Und die Geschichte führt in die Vergangenheit zurück, ins 19. Jahrhundert, genauer gesagt ins Jahr 1893. Da ereignet sich die schicksalhafte Begegnung zwischen Ragnhild und der Titelfigur des Romans, jenem „Höllenhund“.

Der ist ein reicher Bauer, der glaubt, mit seinem Geld alle manipulieren zu können. Damit ähnelt er Machtmenschen in der Gegenwart, die rücksichtslos zu ihrem eigenen Vorteil handeln. Solche hat Susanne Kahle selbst kennengelernt. Doch die Autorin betont, ihre Geschichte sei gänzlich erfunden. Sie habe eine lebhafte Fantasie und lasse sich von magischen Orten inspirieren. Zu diesen falle ihr viel ein. Ein solcher Ort, der die Gedanken beflügle, sei auch das Gunzesrieder Tal. Vor dieser Kulisse entfaltet Susanne Kahle ein breites Panorama mit schillernden Figuren vom Freiherrn bis zur Zigeunerfamilie.

Sie interessiere alles, was nicht ganz erklärlich ist, erzählt Susanne Kahle und zitiert William Shakespeares Dramenheld Hamlet: „Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt.“ Trotzdem oder deshalb setzt Susanne Kahle auf Recherche: „Mir lässt eine Sache keine Ruhe, bis ich sie nicht herausbekommen habe.“ Denn auch wenn Susanne Kahle ein fantasievoller Mensch ist, so möchte sie doch, dass ihre Geschichten sich auf eine fundierte Basis stützen. So ermittelte sie für den „Höllenhund“, wie Menschen im 19. Jahrhundert generell und in einem Bergdorf im Speziellen gelebt haben. Natürlich erkundete sie auch die örtlichen Gegebenheiten und nutzte ein vorhandenes Jagdschloss als Kulisse.

„D’r Höllahund“ ist Susanne Kahles erster veröffentlichter Roman, aber nicht ihr erstes umfangreiches Werk. Die heute 50-Jährige schrieb schon als zehnjährige Schülerin Geschichten. Vor 23 Jahren entstand ihr erster Roman, der heute noch in ihrer Schublade liege. Er spiele in Irland, einem Land ihrer Träume, das sie bisher nie bereist habe.

Nachdem sie ihren Beruf als Hauswirtschafterin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben konnte, startete sie ihr Projekt „Höllenhund“. Mit diesem Roman, in dem etwa drei Jahre Arbeit stecken, wollte sie sich beweisen, ob sie als Autorin in der Buchszene eine Chance habe. Nach ersten Misserfolgen bei Verlagen, zeigte schließlich der Wiener Novum-Verlag Interesse am Manuskript. Mit über 640 Seiten ist das Buch zwar sehr umfangreich, offenbart aber das erzählerische und sprachliche Talent der Autorin. Mittlerweile überarbeitet Susanne Kahle ihr bislang unveröffentlichtes Erstlingswerk und schreibt auch schon an einem neuen Buch.

Der Höllenhund im gerade erschienenen Roman wird seine Beute erlegen, aber das ist nur der Anfang einer weitverzweigten Geschichte, in der der dunkle Held auch Herz zeigt, aber doch einer finsteren Zukunft entgegengeht …

Das Buch: Susanne Kahle: D’r Höllahund, 646 Seiten, Paperback, Novum-Verlag Wien, Preis 23,90 Euro, ISBN 978-3-99064-963-3.