Allgäuer Literaturfestival

Roman Ehrlich erzählt in Fischen von seiner Zeit als "Landgastschreiber"

Romkan Ehrlich, Schriftsteller aus Berlin, Landgastschreiber in Irsee, Literatuirabend in Fischen

„Das war jetzt kein Kulturschock für mich“: Schriftsteller Roman Ehrlich erzählt in Fischen von seinen Erlebnissen als „Landgastschreiber“ im Ostallgäuer Irsee.

Bild: Michael Disqué

„Das war jetzt kein Kulturschock für mich“: Schriftsteller Roman Ehrlich erzählt in Fischen von seinen Erlebnissen als „Landgastschreiber“ im Ostallgäuer Irsee.

Bild: Michael Disqué

Das Allgäuer Literaturfestival bringt den Berliner Autor Roman Ehrlich nach Fischen. Er erzählt von seinen Erlebnissen als „Landgastschreiber“ in Irsee.
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Von Veronika Krull
28.09.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Die Schwabenakademie Irsee hat heuer erstmals einen „Landgastschreiber“ eingeladen. Im Frühjahr war der Schriftsteller Roman Ehrlich in dem Ostallgäuer Markt zu Gast. Ehrlich tauschte für sechs Wochen das Leben in der Literaturmetropole Berlin gegen den Aufenthalt in einem Dorf mit gut 1 500 Einwohnern. Persönliche Begegnungen mit Menschen vor Ort wurden ergänzt durch Exkursionen mit Fachleuten in die nähere Umgebung. Am Donnerstag berichtet er in Fischen von seinen Eindrücken.

Roman Ehrlich, geboren 1983 in Aichach, aufgewachsen in Neuburg an der Donau, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Freien Universität Berlin. Er hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt 2020 den Roman „Malé“. Dort erzählt er von einer bunt zusammengewürfelten Aussteigergruppe auf den Malediven, die aufgrund des Klimawandels und eines steigenden Meeresspiegels dem Untergang geweiht sind. Mit Roman Ehrlich sprach Veronika Krull.

Von der Metropole aufs Land: Was war für Sie am ungewohntesten?
Roman Ehrlich: Ich kenne das Land, auch das bayrische, ja schon aus meiner eigenen Kindheit und Jugend. Das war jetzt kein Kulturschock für mich. Aber klar: Das Gewohnte der vergangenen Jahre war schon, dass man aus der Haustür heraus und sofort in eine soziale Landschaft und zwischenmenschliche Reizüberflutung hineintritt. Da war es im extra-heruntergefahrenen Corona-Irsee schon sehr viel ruhiger. Weniger Reize. Man hört dann ja manchmal mehr von dem, was im eigenen Kopf so vor sich hin meldet und murmelt.

Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Ehrlich: Das innere und äußere Spannungsverhältnis der Bewohnerinnen und Bewohner des Ortes zwischen Tradition und Geschichte, Bewusstsein auch für die dunklen Kapitel der Vergangenheit, konservativen Impulsen und dem Wunsch nach einer Art bewusstem Wandel, den man optimistisch mitgestalten könnte, anstatt sich vor ihm zu fürchten. Das lag für mich gefühlt alles in seiner Widersprüchlichkeit etwas offener da. Vielleicht, weil es nicht so viele gut ausgebaute Nischen gibt, in denen man sich vor diesen Widersprüchen verschanzen kann, wie in der großen Stadt.

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Wie spiegelt sich das Dorfleben in Ihrem Schreiben wider?

Ehrlich: Ich schreibe eigentlich nicht auf so eine naturalistisch-realistische Art und Weise, die ein paar Wochen Dorf sofort in eine Beschreibung des Dorflebens in einem Text verwurstet. Das sind eher längere Prozesse, in denen dann Einzelheiten, vermeintliche Kleinigkeiten in die Texte Einzug finden, die vielleicht gar nicht mal direkt auf das Dorf und das Leben dort zurückgeführt werden können.

Welche Themen haben Sie besonders berührt?

Ehrlich: Mich berühren Fragen nach den Möglichkeiten des Lebens miteinander, nach der Sehnsucht und ihrem Ursprung, der Möglichkeit der Liebe und der Unausweichlichkeit des Hasses, nach Neid und Großzügigkeit und ewiger Wiederkehr, nach Erbe, Ausbruch, Aufregung, Schreiben und Veröffentlichen als Teilhabe am großen Gespräch über Vergangenheit und Zukunft. Und dann diese schon erwähnten Kleinigkeiten, die einem die Füße wegziehen, weil all das in ihnen in einer Geste oder etwas Weggeworfenem auf eine Art geronnen und verdichtet ist, die sich nie vollständig beschreiben lassen wird.

Wie sind Sie mit den Menschen klargekommen?

Ehrlich: Gut bis sehr gut.

Werden Sie in Fischen auch aus ihrem jüngsten Roman lesen?

Ehrlich: Ich denke schon.

Literaturabend: Roman Ehrlich berichtet im Rahmen des Allgäuer Literaturfestivals über seine Zeit als „Landgastschreiber“ am Donnerstag, 30. September, um 20 Uhr in der Fiskina in Fischen. Karten gibt es in den Gästeinformationen der Hörnerdörfer, 08326/ 3646-0, oder an der Abendkasse.

Der Schriftsteller Roman Ehrlich.

Das Allgäuer Literaturfestival.

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