Mitgliederversammlung

Rotes Kreuz Oberallgäu: Ehemaliger Vorsitzender sieht drängende Probleme in der Pflege

BRK Reichardt

Stabwechsel: Edgar Rölz (links), ehemals Bürgermeister von Fischen, ist neuer Vorsitzender des Roten Kreuz Oberallgäu.

Bild: Elke Wiartalla

Stabwechsel: Edgar Rölz (links), ehemals Bürgermeister von Fischen, ist neuer Vorsitzender des Roten Kreuz Oberallgäu.

Bild: Elke Wiartalla

Alfred Reichert blickt auf seine Zeit als Vorsitzender des Roten Kreuzes Oberallgäu zurück und zeigt auf, wo der Schuh drückt. Was er anmahnt.
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Von wir
08.06.2021 | Stand: 05:30 Uhr

In vielerlei Hinsicht besonders war die Mitgliederversammlung des Kreisverbandes Oberallgäu des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Oberstdorf. Durch die Pandemie durcheinandergewirbelt, fand die Versammlung in einem sehr überschaubaren Rahmen mit nur 30 ausgesuchten Mitgliedern statt. Außerdem galt es, eine Wahl vorzubereiten, die erst am Folgetag separat stattfinden konnte. Schließlich ging es aber auch um die Würdigung des Vorsitzenden Alfred Reichert, der nach drei Amtsperioden im Vorstand den Staffelstab an seinen Nachfolger Edgar Rölz übergab. (Lesen Sie auch: Alfred Reichert hört als Vorsitzender des Roten Kreuzes auf)

Europäischer Gerichtshof hat endlich klare Richtlinien zu Vergaben im Rettungsdienst aufgezeigt

Reichert, der seit 2013 als Vorsitzender die Geschicke des Kreisverbandes leitete, verabschiedete sich jedoch nicht, ohne zum wiederholten Mal die weiter dringlichsten Probleme in der karitativen Arbeit aufzuzeigen. Entsprechend erleichtert zeigte sich Reichert, dass der Europäische Gerichtshof endlich klare Richtlinien zu den Ausschreibungen über die Vergabe im Rettungsdienst aufgezeigt habe. Danach stehe nicht mehr der niedrigste Preis im Vordergrund, sondern Leistungsfähigkeit und Qualität. Nach wie vor benötige man aber eine klare Handlungsanweisung zu den Gebietsabsicherungen, die vor allem Ehrenamtlichen bei Nachteinsätzen große Probleme bereiteten.

In den Pflegeberufen fehle es weiterhin an klaren Regeln, die die Arbeit der Pflegekräfte erleichterten beziehungsweise finanziell würdigten. Viel zu viel kostbare Zeit brauche die bürokratische Arbeit. Nach wie vor gebe es einen eklatanten Fachkräftemangel, die Wertschätzung des Berufs sei ebenso gering wie die Entlohnung. Eine ähnliche Situation ergebe sich im Rettungsdienst, wo es sehr schwierig sei, angesichts der Tarifbedingungen Personal zu gewinnen und zu halten. (Lesen Sie auch: 546 Stunden Fortbildungszeit - BRK schult online über Studio in Immenstadt)

Corona erschwert die Arbeit

Als Beispiele für die Aktivitäten des Kreisverbandes nannte Reichert die Arbeit als Mitgesellschafter im Allgäu Hospiz, wo der Neubau inzwischen abgeschlossen sei, die Belegzahlen jedoch durch die Aufstockung auf zwölf Betten und vor allem wegen Corona leicht rückläufig waren. In der Ambulanten Pflege kam man finanziell überhaupt nicht mehr auf einen grünen Zweig, sodass die Dienstleistung im Juli 2018 eingestellt wurde. Auch die Arbeit in den Rotkreuzgemeinschaften von Wasser- bis Bergwacht litt unter den Corona-Einschränkungen. Für das „Haus der Senioren“ gebe es trotz des Fachkräftemangels eine kontinuierliche Heim- und Pflegedienstleitung und die finanziellen Verluste seien zumindest rückläufig. Mit einem Verlust von 117 000 Euro im Jahr 2020 bleibe die Gesamtsituation jedoch weiter schwierig.

In der Wache im Kleinwalsertal wurden durch die Corona-Beschränkungen zu 95 Prozent ausschließlich österreichische Patienten versorgt. Das habe dazu geführt, dass von den österreichischen Behörden höhere Beiträge gefordert wurden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Bedenklich stimmt den Verband der Verlust von jährlich rund 1000 Mitgliedern

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Porträt

Alfred Reichert hört als Vorsitzender des Roten Kreuzes auf

Dass der Kreisverband Oberallgäu mit einem Plus von 278 000 Euro auf gesunden finanziellen Füßen stehe, machte Schatzmeister Georg Kronenwetter deutlich. Bedenklich stimmte ihn der Verlust von jährlich rund 1000 Mitgliedern. Aktuell steuern 13 646 Förderer rund 951 000 Euro Mitgliedsbeiträge zum positiven Haushalt bei. Die Erträge durch Kostenerstattungen, Heimentgelte, Zuschüsse und Erlöse, Vergabewachen, Rotkreuzläden und dem Fahrdienst beliefen sich im Jahr 2020 auf 20,5 Millionen Euro. Demgegenüber standen Ausgaben in Höhe von 20,2 Millionen Euro.