Handball nach der Corona-Krise

"Scharren mit den Hufen": So heiß sind Sonthofens Handballer auf den Neustart

TSV Sonthofen Handball Training

Das Taktikbrett ist endlich aus dem Schrank hervorgeholt. Sonthofens Handballer um Trainer Sven Heldt (links) und Routinier Laurenz Lakotta greifen nach monatelanger Zwangspause wieder an. In der zweiten Septemberwoche soll die neue Saison planmäßig beginnen.

Bild: Chris Gollhofer

Das Taktikbrett ist endlich aus dem Schrank hervorgeholt. Sonthofens Handballer um Trainer Sven Heldt (links) und Routinier Laurenz Lakotta greifen nach monatelanger Zwangspause wieder an. In der zweiten Septemberwoche soll die neue Saison planmäßig beginnen.

Bild: Chris Gollhofer

Beim TSV Sonthofen herrscht nach der monatelangen Zwangspause Aufbruchsstimmung. Das Team von Sven Heldt tastet sich beim Trainingsauftakt an die alte Form.
01.07.2021 | Stand: 17:47 Uhr

Nach neun Monaten Zwangspause sind die Handballer des TSV Sonthofen seit nunmehr drei Wochen wieder im Training. Gleich am ersten Tag, an dem die Allgäu-Halle wieder ihre Türen öffnen durfte, stürmten Sonthofens Handballer das Parkett – für „ein Spaßtraining“, wie Rückraumspieler Laurenz Lakotta verrät. „Es ist cool, sich mal wieder zu treffen, zu reden, nach dem Training ein Bierchen zu trinken und zu merken, dass das soziale Leben langsam wieder ein bisschen Normalität annimmt“, sagt der 32-Jährige. „Genau aus diesen Gründen betreiben wir doch unseren Teamsport.“

Das Online-Training habe zwar Spaß gemacht, Motivation gebracht und sei eine gute Möglichkeit gewesen, sich fit zu halten und die Zeit zu überbrücken. Doch für Lakotta und seine Teamkollegen sei das „kein Dauerzustand“. Dem stimmt auch Sven Heldt zu. Anfangs freute sich der Coach der Handballer aus der Kreisstadt noch über sehr rege Teilnahme am Cyber-Training, die dann mit der Zeit aber abflachte. „Es hat einfach die Perspektive gefehlt, weil nicht erkennbar war, wie lange der Lockdown noch dauert“, sagt der 51-Jährige. Mit der Online-Weihnachtsfeier und dem Online-Kabinenfest ging es ihm aber in erster Linie darum, den Kontakt zur Mannschaft zu halten.

Keine Abgänge beim TSV Sonthofen - Spieler mit großer Vorfreude

Das ist ihm offenbar bestens gelungen, denn der TSV muss im Team auch über die lange Zwangspause keinen Abgang verzeichnen. Bei den Spielern war laut Lakotta an Ostern allerdings schon „der Tiefpunkt“ erreicht – schon damals kamen die ersten Akteure auf Sven Heldt und Co-Trainer Stefan Gladyschew zu und fragten, wie es weitergehen soll. „Als sich die ersten Lockerungen angebahnt haben, haben die Spieler mit den Hufen gescharrt, so riesengroß war die Vorfreude“, erinnert sich Heldt. Umso mehr freut sich der Trainer, dass er unter Einhaltung der momentanen Hygieneregeln „uneingeschränkt trainieren“ kann.

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Was den Leistungsstand seiner Mannschaft angeht, war Sven Heldt nach den ersten Belastungsläufen und Tests positiv überrascht, denn was Fitness und Kondition angeht, war der Zustand seiner Jungs angesichts der langen Pause „nicht so schlimm wie erwartet“, sagt der Coach. Allerdings ist es bis zum Saisonauftakt noch ein weiter Weg, denn nicht nur die handballspezifische Muskulatur muss wieder gezielt aufgebaut werden. Auch was die Grundbewegung, die balltechnischen Feinheiten und die Abstimmung angeht, besteht viel Aufholbedarf. „Spielerisch waren wir bei null, immerhin sind dafür regelmäßiges Training und Spiele das Wichtigste“, sagt Lakotta.

Lakotta sieht noch "Sand im Getriebe"

Aber obwohl der 32-jährige Routinier „noch viel Sand im Getriebe“ sieht, weiß er, dass Handballspielen wie Radfahren ist: Man verlernt es nicht. Und wie Sven Heldt richtig bemerkt, haben alle Clubs in diesem Punkt das gleiche Problem, sodass auch aus der künftigen Bezirksoberliga-Saison keiner benachteiligt ist. Allerdings erwartet Lakotta, dass das spielerische Niveau dadurch insgesamt sinken wird.

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Die Handballer haben die Inzidenzzahlen und die Verbreitung der Delta-Variante zwar mit einem gewissen Bangen im Blick, sind aber durchaus zuversichtlich, dass die neue Saison in der zweiten Septemberhälfte im gewohnten Turnus startet. Trotz der Zusage der Stadt Sonthofen, die Hallen auch in den Ferien für den Trainingsbetrieb offenzuhalten, könnte sich Sven Heldt aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklung noch eine „holprige Vorbereitung“ vorstellen. Auch Lakotta erwartet einen Wettlauf zwischen Impfungen und aufkommenden Mutationen. Dennoch freut sich der Rückraumspieler „auf nichts mehr, als darauf, wieder gegen andere in einem normalen Wettkampf zu spielen“, sagt Lakotta.

Sein Coach sieht den Club zwar insgesamt auf einem guten Weg, hat aber im Hinblick auf die möglichen Entwicklungen im Jugendbereich durchaus „Bauchweh“. Sven Heldt befürchtet, dass aufgrund über eine so lange Zeit fehlender Trainingsmöglichkeiten einige Kinder dem Handball-Verein noch den Rücken kehren könnten. „Es könnte sein, dass wir das in drei bis fünf Jahren ausbaden müssen, weil dann nicht mehr genug Seniorenspieler da sind“, fürchtet der 51-Jährige.