Sportserie „Nach-Spiel-Zeit“

Schicksalsmoment in der Schweiz: Wie das Wetter Jan Nekardas Karriere beendete

Jan Nekarda

Auf dem Gipfel seines sportlichen Schaffens durfte Jan Nekarda um die Jahrtausendwende sogar in der Triathlon-Bundesliga in Diensten des TSV Obergünzburg antreten. Heute, 14 Jahre nach seinem Rücktritt vom aktiven Leistungssport, lebt der 42-jährige Immenstädter mit seiner Frau Nele und seinen vier Kindern in der Nähe von Freiburg im Breisgau.

Bild: Nekarda Archiv

Auf dem Gipfel seines sportlichen Schaffens durfte Jan Nekarda um die Jahrtausendwende sogar in der Triathlon-Bundesliga in Diensten des TSV Obergünzburg antreten. Heute, 14 Jahre nach seinem Rücktritt vom aktiven Leistungssport, lebt der 42-jährige Immenstädter mit seiner Frau Nele und seinen vier Kindern in der Nähe von Freiburg im Breisgau.

Bild: Nekarda Archiv

Mit einem spontanen Rennabbruch endet die verheißungsvolle Triathlon-Karriere von Jan Nekarda. 14 Jahre später lebt er zurückgezogen in der Nähe von Freiburg.
20.05.2021 | Stand: 20:04 Uhr

Jan Nekarda lacht zunächst herzhaft. Erst dann beantwortet er die Frage danach, welche Erinnerungen er an seinen letzten Wettkampf hat – es seien „gemischte“. Als der Immenstädter Triathlet am 18. August 2007 zum zweiten Mal beim Inferno-Triathlon in der Schweiz antrat, war er zunächst weit davon entfernt, an ein bevorstehendes Karriereende zu denken. Schließlich waren 20 bis 30 Trainingsstunden pro Woche selbst während seines Physikstudiums beim Immenstädter Gang und gebe. Und im Vergleich zum ersten Start beim Inferno-Triathlon zwei Jahre zuvor fühlte sich der Oberallgäuer zudem deutlich fitter und lag „gut im Rennen“. Dieses Rennen sollte allerdings einen „sehr speziellen“ Schlusspunkt bekommen.

Nekarda über das Rennen: "Es fühlte sich nicht richtig an"

Als etwa anderthalb Stunden vor der erwarteten Zielankunft Regen einsetzte und ihm klar wurde, dass dieser im auf 2900 Meter gelegenen Ziel als Schnee runterkommen würde, kamen Jan Nekarda kurzzeitig die beiden Läufer in den Sinn, die zwei Wochen zuvor auf der Zugspitze erfroren waren. Dann sah der junge Familienvater seine Frau mit der kleinen Tochter am Streckenrand stehen – während er mit kurzer Hose und Sport-Top auf dem Weg in den Schnee war. „Das fühlte sich nicht richtig an, deshalb bin ich umgekehrt“, erinnert sich der 42-Jährige. Selbst nach dieser spontanen Entscheidung hätte er aber rückblickend nicht gedacht, dass es das Ende seiner Laufbahn werden sollte. Der Weg zum Karriereende war ein „schleichender Prozess“.

Auf dem Gipfel seines sportlichen Schaffens durfte Jan Nekarda um die Jahrtausendwende sogar in der Triathlon-Bundesliga in Diensten des TSV Obergünzburg antreten. Heute, 14 Jahre nach seinem Rücktritt vom aktiven Leistungssport, lebt der 42-jährige Immenstädter mit seiner Frau Nele und seinen vier Kindern in der Nähe von Freiburg im Breisgau.
Auf dem Gipfel seines sportlichen Schaffens durfte Jan Nekarda um die Jahrtausendwende sogar in der Triathlon-Bundesliga in Diensten des TSV Obergünzburg antreten. Heute, 14 Jahre nach seinem Rücktritt vom aktiven Leistungssport, lebt der 42-jährige Immenstädter mit seiner Frau Nele und seinen vier Kindern in der Nähe von Freiburg im Breisgau.
Bild: Jan Nekarda Archiv

Mit dem Beginn seiner Doktorarbeit und der Geburt seines Kindes verlagerte sich der Fokus. Ganz offen räumt Nekarda ein, dass ihm zu diesem Zeitpunkt „Motivation und Zeit fehlten“. Denn stets war für den Immenstädter die Herausforderung in seiner persönlichen sportlichen Weiterentwicklung gelegen. „Das hat mich immer angetrieben“, erzählt der Triathlet, der einige Jahre dem Bundesliga-Team des TSV Obergünzburg angehörte. Durch den Kontakt zu Profi-Triathleten erkannte er jedoch, dass er das „absolute Top-Niveau nie erreichen werde“. Diese Erkenntnis rief in ihm die Frage hervor, ob er sein Leben dennoch weiterhin dem Sport verschreiben wolle. Zunächst fasste er den Entschluss, sich auf Marathon-Starts zu konzentrieren. Als einer seiner Weggefährten Freiburg verließ, zerschlugen sich die gemeinsamen Trainingspläne und damit nach und nach auch der sportliche Ehrgeiz von Jan Nekarda.

Keine Leere nach dem Ende der Karriere

„Ich war im Job angekommen, sodass das Wettkampf-Aus keine Leere hinterlassen hat“, erinnert er sich. Im Nachhinein stellte er sogar fest, dass der Sport für ihn immer mehr Druck anstatt Freude war. Der Spaßfaktor kam bei ihm in erster Linie im Training zur Geltung. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum sich Jan Nekarda mit einem Lächeln als „Trainings-Weltmeister“ bezeichnet. Mit dem fast 14-jährigen Abstand bilanziert der Immenstädter sachlich, dass er „von der Psyche her kein Leistungssportler“ sei, weil er sich selbst immer unter zu großen Druck gestellt hat. Bei Mountainbike-Rennen, an denen er spaßeshalber teilnahm, war er „am erfolgreichsten“. All diese Aspekte trugen dazu bei, dass Nekarda sein Karriereende nie bereut hat. Am Ende sei ihm nicht nur „der Abschied leichter gefallen, es ist auch eine Last abgefallen“. Ohne Trainingszwang konnte er fortan sein Leben mehr genießen.

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„Der Sport wurde durch andere Herausforderungen ersetzt“, sagt der Triathlet. „Mein Leben hat es ziemlich gut mit mir gemeint“. Er hätte gar fünf Jahre früher zurücktreten sollen, sagt Nekarda heute – doch seinen Job, der ihn erfüllt, habe er „den Kontakten aus dem Sport zu verdanken“. Sein Physikstudium begann der Immenstädter 2001 zunächst zwar in München, wechselte zwei Jahre später allerdings nach Freiburg, wo er seinen ehemaligen Chef und Trainingspartner kennenlernte. Mittlerweile leitet Jan Nekarda eine Abteilung des Fraunhofer Instituts, die sich mit Solarenergie beschäftigt.

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Seine sportliche Betätigung hat er „ziemlich brutal runtergefahren“ – doch die schönen Momente, die er als Sportler erlebt hat, sind ihm allzu präsent. Dabei sind es gar nicht die Titel, wie die deutsche Triathlon-Team-Meisterschaft, denen Nekarda große Bedeutung beimisst, sondern „die schönen Rennen“ am Kalterer See, am Gardasee oder in den französischen Vogesen.

Vorzüge des ruhigen Lebens in Freiburg

Heute lebt der Familienvater mit seiner Frau Nele und ihren vier Kindern Frida (13), Leo (11), Lasse (8) und Till (7) in Gundelfingen wenige Kilometer vor den Toren Freiburgs. Inmitten der Natur umrahmt von Weinbergen und Obsthainen bewohnt die Familie ein Haus in ländlicher Atmosphäre, genießt aber die Vorzüge der nahen Großstadt. Während der sich Wohnungssuche hatte die wachsende Familie zwar durchaus Überlegungen, wieder ins Allgäu zurückzukehren. Die neue Heimat genießt Nekarda heute aber vollends – auch wenn ihm die Allgäuer Berge fehlen. „Man kann bei uns zwar sehr schön Langlaufen, Skifahren und Rennradeln, die Berge haben als bewaldete Hügel aber einen ganz anderen Charakter als die schroffen Felsen des Allgäus“, sagt der 42-Jährige. Da der Allgäuer nicht in sozialen Netzwerken aktiv ist, hat er außer zu einem alten Schulfreund nur noch sehr wenig Kontakte ins Allgäu.

Und obwohl er vor Ausbruch der Corona-Pandemie gerne mal in die Schweiz gefahren ist, stand in jeden Ferien ein Allgäu-Aufenthalt bei seinen Eltern auf dem Plan. Die 240 Kilometer von Gundelfingen nach Immenstadt ist Nekarda sogar einmal geradelt.

Auf dem Gipfel seines sportlichen Schaffens durfte Jan Nekarda um die Jahrtausendwende sogar in der Triathlon-Bundesliga in Diensten des TSV Obergünzburg antreten. Heute, 14 Jahre nach seinem Rücktritt vom aktiven Leistungssport, lebt der 42-jährige Immenstädter mit seiner Frau Nele und seinen vier Kindern in der Nähe von Freiburg im Breisgau.
Auf dem Gipfel seines sportlichen Schaffens durfte Jan Nekarda um die Jahrtausendwende sogar in der Triathlon-Bundesliga in Diensten des TSV Obergünzburg antreten. Heute, 14 Jahre nach seinem Rücktritt vom aktiven Leistungssport, lebt der 42-jährige Immenstädter mit seiner Frau Nele und seinen vier Kindern in der Nähe von Freiburg im Breisgau.
Bild: Nekarda Archiv