Oberallgäu

Schweizer Filmemacher dreht auf vier Oberallgäuer Alpen

Eine Szene aus dem Film „Im Berg dahuim“ zeigt den Hirten Martin Braxmeier oben am Berg.

Eine Szene aus dem Film „Im Berg dahuim“ zeigt den Hirten Martin Braxmeier oben am Berg.

Bild: Rahel von Gunten

Eine Szene aus dem Film „Im Berg dahuim“ zeigt den Hirten Martin Braxmeier oben am Berg.

Bild: Rahel von Gunten

Der Film "Im Berg dahuim" handelt vom Leben in den Oberallgäuer Bergen mit harter Arbeit, großer Hilfsbereitschaft und besinnlicher Ruhe.

17.08.2020 | Stand: 17:00 Uhr

Die Streifen des Schweizer Filmemachers Thomas Rickenmann handeln vom Leben in den Bergen, von viel Mühsal, aber auch von Besinnlichkeit und von Ruhe – vom Alltagsleben auf der Alp. Sein neues Werk, zusammen mit Rahel von Gunten, heißt „Im Berg dahuim“ und zeigt Aufnahmen von vier Alpen im südlichen Oberallgäu. Der Film soll im Herbst in die Kinos kommen. Susanne Pinn fragte den Schweizer nach Erlebnissen und Herausforderungen.

Wie entstand die Idee, einen Film in Oberstdorf zu drehen?

Vor vier Jahren schrieb uns via Facebook Claudia Tauscher-Kögel vom Alpengasthof Schwand aus Oberstdorf, wann denn unser damals aktueller Film „Alpzyt“ in Oberstdorf zu sehen sei. Er wurde schließlich zum Publikumsliebling. Ihr Mann Franz Kögel ist Alpmeister im Rappenalptal. Er hat uns bei einem Besuch „sein“ Tal und die Hütten gezeigt. Uns Filmemachern gefiel die Gegend sofort.

Wie kamen Sie an die Protagonisten? Denn die Allgäuer sind ja bekanntlich nicht die gesprächigsten und offensten Zeitgenossen…

Durch die gute Vernetzung des Alpmeisters des Rappenalptals in der Älpler-Szene lernten wir schnell einige Sennalpfamilien und Hirten kennen und fragten, ob sie Lust hätten in unserem Filmprojekt „Im Berg dahuim“ dabei zu sein. Wir besuchten sie oft mehrere Tage und begleiteten sie still mit der Kamera. Anfangs stellten wir wenige Fragen, waren einfach dabei. Mit der Zeit konnten wir auch Interviews führen und mehr Hintergründe und Details erfahren.

Wurden die Hauptcharaktere original übernommen oder gab es ein Drehbuch?

Das Drehbuch haben wir rollend entwickelt und geschrieben. Das heißt, wir haben einfach mal losgefilmt, gut beobachtet und uns viel Zeit genommen, um herauszufinden, welches die wichtigsten Handlungen sind. Mit dieser Sammlung an Beobachtungen und vielen Probeaufnahmen haben wir dann eine Struktur hineingebracht und ein Drehbuch geschrieben. Alle gesprochenen Inhalte sind echte persönliche Aussagen. Die besten haben wir genommen und mit den passenden Bildern und Klängen im Schnitt zusammen montiert.

Wie gestalteten sich die Dreharbeiten vor Ort? Gab es besondere Herausforderungen? Welche Szenen waren am schwierigsten zu realisieren?

Es entstand eine gute Zusammenarbeit via WhatsApp und Telefon. Eine Herausforderung war sicher die Hirtenalpe im Rappenalptal. Dorthin kommen kein Auto und keine Bergbahn. Wir mussten das Filmequipment im Rucksack hochtragen und dabei auch eigene „innere Berge“ überwinden.

Wie lange dauerte die Realisierung von der Idee bis zur Fertigstellung?

Da wir nur in den Sommermonaten zur Alpzeit drehen konnten, dauerte es vier Jahre von der Idee bis zum Kinostart.

Wie kam der Titel zustande?

Wir saßen in einer Pizzeria in Oberstdorf und blätterten auf der Suche nach typischen Allgäuer Ausdrücken und Redewendungen in einheimischen Magazinen. Das Wort „dahuim“ gefiel uns vom Klang und seiner Bedeutung her besonders gut. Wir wollten es dann thematisch mit dem Älpler-Leben und der gigantischen Bergwelt irgendwie in Verbindung bringen. So entstand „Im Berg dahuim – Milch, Luft und Heimat für die Seele.“

Wie wurde der Film finanziert?

In der Schweiz hörten wir mehrmals, der Film sei zu touristisch. Wir bekamen keine Zusage für Fördermittel. Aber wir ließen uns den Mut dennoch nicht nehmen und versuchten, in Oberstdorf Firmen und Sponsoren zu gewinnen, was nicht einfach war. Wir lernten dann Kreisrätin Theresia Schwarz kennen, die bestens vernetzt ist und uns den Kontakt mit passenden, regionalen Firmenpartnern wie Hof-Milch, Zötler Bier und Allgäuer Alpenwasser herstellte. Außerdem gab es ein paar sehr großzügige Menschen vor Ort. Als wir den Rohschnitt dem SRF und 3SAT zeigten, wurden auch sie zu Geldgebern und Förderern. Trotzdem ist der größte Teil noch nicht finanziert, weshalb wir für jede weitere Spende sehr dankbar sind.

Hatten Sie während der Dreharbeiten ein außergewöhnliches Erlebnis?

Das hatten wir tatsächlich. Als wir bei drei Hirten auf einer hoch gelegenen Alpfläche ankamen, stellte sich heraus, dass es wohl beim Datum ein Missverständnis gegeben hatte. Sie hatten Sorge, dass die Lebensmittel mit zwei weiteren Mitessern nicht reichen würden. Am nächsten Morgen klopfte eine Frau im Wanderoutfit an die Türe und stellte sich als Mutter einer der Hirten vor. Sie hatte eine SMS von ihrem Sohn bekommen, dass das Brot knapp sei und so brachte sie uns zwei frische Brote. Einige Stunden später kam ein älterer Mann vorbei und brachte bestes Fleisch. Wir sind alle nicht verhungert und erlebten, wie gut die moderne Kommunikation funktioniert und wie hilfsbereit die Menschen sind.