Geschlossene Schwimmbäder

Schwimmanfänger sitzen auf dem Trockenen

Simon Joas

Die Schwimmer des TV Immenstadt (im Bild Simon Joas) können derzeit nicht trainieren, weil die Schwimmhallen geschlossen sind.

Bild: Florian Dieser

Die Schwimmer des TV Immenstadt (im Bild Simon Joas) können derzeit nicht trainieren, weil die Schwimmhallen geschlossen sind.

Bild: Florian Dieser

Weil die Hallen geschlossen sind, können die Schwimmvereine nicht trainieren. Auch Kurse für Kinder müssen wegen der Corona-Krise ausfallen

Von Marion Bässler
02.06.2020 | Stand: 10:56 Uhr

Vielen Oberallgäuer Sportlern ist in den vergangenen Wochen die Erlaubnis zur Wiederaufnahme ihres Trainingsbetriebs erteilt worden, wenn auch unter strengen Auflagen. Während auf den Tennisplätzen aber beispielsweise wieder die Schläger geschwungen werden, sitzen die Schwimmer auf dem Trockenen, da die Hallenbäder geschlossen sind, die sie für ihr Training nutzen.

Ein Fünkchen Hoffnung wäre zumindest für den TV Immenstadt die im Raum stehende Öffnung des Freibades. Dort wäre für die sportliche Leiterin Birgit Joas und ihre Schützlinge zwar kein gewohnter Trainingsbetrieb umsetzbar, aber es wäre zumindest „ein Strohhalm“. Da es für eine mögliche Öffnung des Freibades kleiner Alpsee aber auf ein stimmiges und vor allem umsetzbares Konzept zur Einhaltung aller Auflagen ankommt, wagt Joas keine Prognose, wie die Entscheidung ausfallen könnte. Ihre Trainerkollegin Christine Zähringer hat sich allerdings im Vorfeld der anstehenden Stadtratsentscheidung schon „ein paar Gedanken“ gemacht und diese bei der Stadt eingereicht. Sie reichen von der Nutzung bunter Saunaarmbänder zur Kontrolle einer zeitlichen Nutzungsbeschränkung über die im Idealfall online bestellbaren namentlichen Punktekarten zur Dokumentation der Besucher bis hin zu einer Einbahnstraßenregelung, in der ankommende Badegäste den Eingang zu benutzen und beim Verlassen das Drehkreuz an der Liegewiese. Trotzdem ist sich Zähringer dessen bewusst, dass es bei der Umsetzung der Auflagen noch einige Hürden zu bewältigen gibt, beispielsweise die Kontrolle zur Einhaltung der Abstandsregelung. Bis eine Entscheidung gefallen ist, wird daher nicht nur Birgit Joas „demütig abwarten“, denn die Verantwortlichen des TV Immenstadt haben in den vergangenen Wochen schon alles in ihrer Macht stehende in die Wege geleitet, um nicht nur die Gemeinschaft unter den Schwimmern zu stärken, sondern die Athleten auch fit zu halten: Ihre beiden Kaderathleten Johannes Weinberg (Bundeskader) und Jonas Schneider (Bayernkader) fahren sie zweimal wöchentlich zum Training an den Stützpunkt nach Augsburg, seit das dortige Bad für das Kadertraining genutzt werden darf. Bei den beiden behinderten Sportlern „geht es um Nominierungen“, von denen wiederum Kaderzugehörigkeiten und Sporthilfen abhängen, erklärt Zähringer. Schon kurz nach Verhängung der Ausgangssperre erhielten Mitglieder ab elf Jahren die Möglichkeit, fünf Mal in der Woche per Videokonferenz ein gemeinsames Trockentraining zur Verbesserung von Athletik, Beweglichkeit und Kraft zu absolvieren. Als nach Ostern absehbar war, dass es bis zum gewohnten Trainingsalltag noch weit hin ist, wurde der Nachwuchs bis Jahrgang 2011 ins Online-Training integriert. Auch wenn den Übungseinheiten via Skype der Reiz der Bewegungen im Wasser fehlt, „kommt es gut an“, erzählt Christine Zähringer. Das liegt ihrer Meinung auch daran, dass die Kinder „gemeinsam etwas machen“ können und dadurch auch in den momentan schwierigen Zeiten „gemeinsam Spaß“ haben. Vor zwei Wochen wurde das vereinsinterne Angebot sogar noch um zwei wöchentliche Laufeinheiten, ein Radtraining und drei Schwimm-Einheiten in den umliegenden Seen ergänzt. Die Angebote sind für die Verantwortlichen zwar mit einem enormen Aufwand verbunden, aber um ihre Mitglieder zu halten, ist es Birgit Joas „wichtig, dass es weiter geht“. Die sportliche Leiterin sieht die Gefahr, dass sich einige sonst Alternativen suchen: „Man verliert die Leute schneller, als man laufen kann.“

Maskenpflicht im Schwimmunterricht denkbar

Was der TV Immenstadt momentan aber genauso wenig realisieren kann wie die Wasserwacht oder die Schwimmschulen ist das Training für Anfänger. Nicht nur beim TVI sondern auch bei Eva Drees, die in Sonthofen ihre eigene Schwimmschule betreibt, werden die Wartelisten für die Schwimmkurse immer länger. Da Drees auf Schwimmbäder angewiesen ist, liegt ihr gesamter Betrieb seit Beginn der Corona-Pandemie still. „Ich hoffe von Woche zu Woche“, sagt die Schwimmlehrerin, der nicht nur die Einnahmen fehlen, sondern vor allem der Kontakt zu den Kindern: „Die Begeisterung der Kinder verleiht mir auch Energie“, erzählt sie. Eine Prognose wagen will sie nicht. Unter den derzeitigen Vorgaben wären Kurse für sie schwierig: Die Abstandsregelung hält sie bei Anfänger für nicht durchführbar, einer eventuellen Maskenpflicht im Schwimmunterricht steht sie jedoch offen gegenüber. „Ich stehe in den Startlöchern“, versichert Drees daher.

Die Wasserwacht Oberstdorf hat zwei Probleme: Das Schwimmbad der Wasach-Klinik, in der die stellvertretende Jugendleiterin, Lucia Rasch und ihre Kollegen sonst jede Woche mit dem Nachwuchs trainieren, ist geschlossen. Zudem wurde durch den Landesgeschäftsführer ein Verbot für Übungseinheiten ausgesprochen. Um die Einsatzbereitschaft der Wasserwacht zu sichern, soll es nach den Pfingstferien wohl wieder ein Training geben.

Bisher wurde der Trainingsbetrieb je nach Wetterlage in den Sommermonaten ins Oberstdorfer Moorbad verlegt, dessen Öffnung ist unter den Corona-Vorgaben aber eher unwahrscheinlich. Daher warten die Verantwortlichen noch ab und erwägen, falls weitere Vorgaben dies zulassen, mit den größeren Jugendlichen beispielsweise am Freibergsee zu schwimmen. Selbst wenn ein Freibad zur Verfügung stünde, müsste man erst prüfen, wie sich die Hygienevorschriften umsetzen lassen, betont Rasch. Der TVI hat mit Schwimmunterricht im Freibad keine guten Erfahrungen gemacht, da den Kindern das Wasser meist zu kalt ist und so „kein vernünftiges Anfängerschwimmen zustande kommt“, erzählt Joas.