Glaube in der Corona-Krise

„Ich sage nicht, dass alles gut wird“: Wie zwei Allgäuer Pfarrer versuchen, Menschen durch die Corona-Krise zu helfen

Gespräche führen und Mut machen: Die Pfarrer sind auch in schwierigen Zeiten wie der Corona-Krise für die Gläubigen da.

Gespräche führen und Mut machen: Die Pfarrer sind auch in schwierigen Zeiten wie der Corona-Krise für die Gläubigen da.

Bild: Ralf Lienert

Gespräche führen und Mut machen: Die Pfarrer sind auch in schwierigen Zeiten wie der Corona-Krise für die Gläubigen da.

Bild: Ralf Lienert

Die Pandemie mit starken Einschränkungen belastet viele, sagen Vertreter der Kirche. Zwei Pfarrer berichten, wie sie mit den Ängsten der Menschen umgehen.
29.11.2020 | Stand: 11:41 Uhr

Hohe Corona-Infektionszahlen und die Diskussion um eine weitere Verschärfung der Maßnahmen bereiten vielen im Oberallgäu und in Kempten Sorgen und Ängste. Menschen benötigten ein offenes Ohr, einen anderen, der ruhig zuhört, der Hoffnung, Stärke und Trost gibt, sagen der evangelische Pfarrer Frank Wagner aus Oberstaufen und der katholische Dekan Bernhard Hesse aus Kempten.

„Wir erleben Trauer und Verunsicherung“, berichtet Pfarrer Wagner. Furcht vor Ansteckung, Kurzarbeit, Kontaktbeschränkungen und wirtschaftliche Ängste bedrücken Menschen. In den vergangenen Wochen und Monaten würden immer mehr bei ihm anrufen und um Rat fragen. Viele hätten Angst vor der Zukunft und davor, was aus ihren Angehörigen im Altenheim wird.

„Ich sage nicht, dass alles gut wird“

„Es sind viele Alleinstehende, die sich bei mir melden“, berichtet der Geistliche. Wichtig sei, dass man zuhöre und sich Zeit nehme, Trost spende und auch mal gemeinsam bete. „Oder ich nenne Menschen eine Anlaufstelle, wenn es um psychische Probleme geht.“ Viele würden auch darunter leiden, dass sie einen Familienangehörigen aufgrund der Abstandsregeln nicht in den Arm nehmen könnten. Gerade Ältere blieben zu Hause aus Angst, sich anzustecken und werden einsam. „Ich biete ihnen dann an, bei mir anzurufen, um mir ihre Probleme zu schildern“, sagt Pfarrer Wagner.

Er sagt den Anrufern und auch jenen, die zu ihm in die Kirche kommen, „dass Corona nicht das ganze Leben überlagern darf, sie sich nicht von der Pandemie bestimmen lassen sollen, und es Dinge gibt, die man trotz aller Hygienemaßnahmen genießen kann und soll“. Pfarrer Wagner spürt nach manch einem Gespräch, dass die Hilfesuchenden erleichtert sind und sagen, dass ihnen geholfen werden konnte. Er lässt den Schluss der Unterhaltung offen und gibt eine optimistische Perspektive. „Ich sage nicht, dass alles gut wird.“ Pfarrer Wagner hat gemerkt, „dass in Krisenzeiten der Bezug der Menschen zu Gott zunimmt“.

Sorgen vor der Zukunft

Ähnliche Erfahrungen hat auch der katholische Dekan Bernhard Hesse gemacht. Er arbeitet als Priester in der Pfarrei Sankt Anton in Kempten. Beichtgespräche und der Besuch von Gottesdiensten habe zugenommen. Auch Dekan Hesse spricht mit Menschen, die Angst davor haben, sich oder andere anzustecken und sich sorgen, wie es beruflich weitergeht. „Die Verunsicherung und Ängste sind bei vielen groß“, hat der Geistliche festgestellt. „Gott ist stärker als das Virus und er ist allmächtig. Du bist nicht alleine. Er hält seine Hand über dich“, sagt er dann jenen, die Hilfe bei ihm suchen.

Lesen Sie auch
Oberstaufen

Die Atempausen gibt es heuer kompakt

Und er verweist darauf, dass es auch früher schon Seuchen und Pandemien gegeben habe. Er gibt Hilfesuchenden den Rat, trotz der Gefährlichkeit der Pandemie „mit Gelassenheit und Verstand zu reagieren und sich nicht zu Hause einzukasteln und sich von dem Virus versklaven zu lassen“.

Suche nach spirituellem Impuls

Für viele sei auch eine Beichte befreiend. Andere suchten einen spirituellen Impuls in Gottesdiensten und Angeboten der Kirchen. „Menschen spüren, dass es mehr braucht als nur den irdischen Halt“, sagt Dekan Hesse.

Vor allem auch Jugendliche seien in der momentanen Krise auf der Suche nach Antworten „und sind offen gegenüber Gott“. Dekan Hesse gibt sorgenvollen Besuchern mit auf den Weg, „dass Gott nie weiter weg ist als ein Gebet.“ Darin könne man seine Sorgen und Nöte aussprechen. „Das kann sehr befreiend und hilfreich sein.“

Lesen Sie auch: Trauer: Drei Expertinnen erklären, wie man das Schweigen bricht.