Aktion „Allesdichtmachen“

"Sehr wertvoll, sehr mutig": Was Oberallgäuer Kulturschaffende zur Kritik von Jan Josef Liefers sagen

Georg Ringsgwandl

Wann können beim „Immenstädter Sommer“ im Klostergarten wieder Kabarettgrößen wie Georg Ringsgwandl open air auftreten – wie einst 2018?

Bild: Christian Gögler

Wann können beim „Immenstädter Sommer“ im Klostergarten wieder Kabarettgrößen wie Georg Ringsgwandl open air auftreten – wie einst 2018?

Bild: Christian Gögler

Das sagen Konzertveranstalter Albert Seitz, Kinobesitzer Stephan Deidl und Stefan Köberle, stellvertretender Vorsitzender des ASM Sonthofen, zur Video-Aktion.
05.05.2021 | Stand: 18:49 Uhr

„Allesdichtmachen“ – mit dieser Aktion sorgten vor Kurzem 50 Schauspieler in Deutschland für Aufsehen. Sie hatten sich mit ironischen Videoclips zu den Corona-Maßnahmen geäußert. Das Echo war zwiespältig. Für Albert Seitz, Organisator des „Immenstädter Sommers“, kam die Aktion wie gerufen. Endlich werde überhaupt mal über den Kulturbereich geredet: „Seit einem Jahr ist die Kultur komplett zu. Das ist kein Lockdown mehr, sondern ein Kahlschlag!“ Er bezeichnet die umstrittene Video-Aktion als „sehr wertvoll, sehr mutig“, räumt aber ein, dass die Teilnahme bei manchen vielleicht ein „Schnellschuss“ war.

Jan Josef Liefers bei Maybritt Illner

Aber, und das ist für Seitz entscheidend, die Kultur sei wieder „ins Bewusstsein“ gerückt. Dank solch prominenter Unterstützer wie der Münsteraner Tatort-Star Jan Josef Liefers, der prompt von Maybrit Illner in ihre Fernseh-Sendung eingeladen worden sei. Die Kritik an den Schauspieler-Statements kann Seitz nicht nachvollziehen: „Wenn man heute in diesem Land eine Ansicht vertritt, die nicht konform mit Pandemie-Regelungen und Corona-Notgesetzen ist, wird man als Querulant angesehen und landet schnell am rechten Rand.“

"Offener Brief" von Albert Seitz

So schreibt es Seitz auch in einem „Offenen Brief“, den er in seinem Bekanntenkreis verteilt sowie auf „Facebook“ gestellt hat. Der Brief sei für ihn aber kein „politisches Instrument“, betont der Kulturveranstalter und Gastronom. Überrascht haben ihn die zahlreichen positiven Reaktionen: „Wie sehr das gelikt wird, Leute auf der Straße sprechen mich an.“

Der Sonthofer Kinobesitzer Stephan Deidl hält sich bei der Beurteilung der Schauspieler-Aktion zurück. Er habe die Geschichte nur am Rande verfolgt. Für ihn komme es immer „auf die Art und Weise an, wie man den Mund aufmacht“. Natürlich quält auch ihn die Ungewissheit, „was die Politik in Zukunft machen wird“. Gibt es Lockerungen für Geimpfte, sind weiter Tests nötig? Was ist in der nächsten Woche, was in vier Wochen? „Die Politik hat keinen Marschplan.“

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Recht gelassen geht Stefan Köberle, stellvertretender Vorsitzender des ASM Sonthofen und Vorsitzender der Blaskapelle Bihlerdorf-Ofterschwang, mit der Situation um. Von der Video-Aktion hält er nichts: „Mir denken halt positiv, das ganze Jammern nützt nichts.“ Er hofft, dass sich die Lage zum Sommer hin wieder normalisiert. Kurkonzerte müssten dann schon möglich sein. Proben könnten auch wieder draußen stattfinden. Außerdem nehme das Impfen an Fahrt auf.

Auf den Sommer setzt auch Seitz. Wobei es ihn ärgert, dass die Politik keine stärkere Differenzierung vornimmt. Denn nach dem bis zum 30. Juni geltenden Bundesinfektionsschutzgesetz sind bei Inzidenzwerten über 100 selbst Open-Air-Veranstaltungen nicht erlaubt. „Man muss doch unterscheiden, ob eine Veranstaltung im Freien oder im Innenraum stattfindet.“

Immenstädter Sommer: Veranstaltungen unterm Dach

Allerdings hat Seitz vorgesorgt. Für die Open-Air-Veranstaltungen im Rahmen des „Immenstädter Sommers“ wird das Gelände im Klostergarten mit einem wettersicheren Dach überspannt. Und so hofft er, „dass unter Einhaltung der behördlichen Corona-Auflagen Veranstaltungen im Sommer möglich sein werden“. In die Hofgarten-Stadthalle werde nur bei sehr schlechtem Wetter verlegt.

Bis zum Sommer müsse man eben versuchen, „die Vereine bei Laune zu halten“, sagt Stefan Köberle. Bei Inzidenzwerten unter 100 könne man wieder mit der Jugendarbeit beginnen, „und die Werte gehen ja jetzt Richtung 100“. Ansonsten hätten viele Vereine erfolgreich auf online umgestellt, bieten Seminare und Proben an. Online laufen auch die Vorbereitungen für das Bezirksmusikfest im nächsten Jahr in Ofterschwang. „Die Vorfreude ist groß“, sagt Köberle: „Nach zweieinhalb Jahren Pause wieder ein Fest mit Umzug.“

Und der Kameradschaftsabend der Blaskapelle Bihlerdorf-Ofterschwang am vergangenen Samstag fand ebenfalls online statt. Es gab eine Bierverkostung, ein Biersommelier war geladen, jede Familie hatte zuhause ein Paket mit verschiedenen Biersorten, mit Käse und Schokolade stehen. Zwischendurch gab es musikalische Einlagen. „Ganze Familien hatten sich angemeldet, jeder hat sich gefreut, dass sich was bewegt.“

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