Fußball-Start in der Bezirksliga

Seriensieger gefordert: Mit diesem Team greift der FC Oberstdorf in der Bezirksliga an

FC Oberstdorf

Mit dieser Mannschaft startet der FC Oberstdorf ist die erste Bezirksliga-Saison seit 46 Jahren: (hinten, von links) Spielertrainer Andreas Maier, Franz-Josef Lipp, Lorenz Lipp, Daniel Tenzer, Florian Weinberg, (Mitte, von links) Vorsitzender Hansjörg Donderer, Teammanager Hendrik Buth, Torwarttrainer Bernd Segger, Benedikt Eder, Roderick Nultsch, Christian Lingg, Daniel Geiger, stellvertretender Vorsitzender Michael Kollenda, (vorne, von links) Marco Bonauer, Marcel Mesch, Dominik Hornberger, Kay Kähni, Markus Übelhör, Kubilay Güzel und Alaa Abed. Es fehlen: Kilian Stölzle, Tim Schröder, Sam Buchmann, Maximilian Königbauer, Christoph Sedlmeier, Gustavo Pavan, Joichiro Shibata, Markus Stölzle, Steve Schumann und Jakob Hasselberger.

Bild: Donderer

Mit dieser Mannschaft startet der FC Oberstdorf ist die erste Bezirksliga-Saison seit 46 Jahren: (hinten, von links) Spielertrainer Andreas Maier, Franz-Josef Lipp, Lorenz Lipp, Daniel Tenzer, Florian Weinberg, (Mitte, von links) Vorsitzender Hansjörg Donderer, Teammanager Hendrik Buth, Torwarttrainer Bernd Segger, Benedikt Eder, Roderick Nultsch, Christian Lingg, Daniel Geiger, stellvertretender Vorsitzender Michael Kollenda, (vorne, von links) Marco Bonauer, Marcel Mesch, Dominik Hornberger, Kay Kähni, Markus Übelhör, Kubilay Güzel und Alaa Abed. Es fehlen: Kilian Stölzle, Tim Schröder, Sam Buchmann, Maximilian Königbauer, Christoph Sedlmeier, Gustavo Pavan, Joichiro Shibata, Markus Stölzle, Steve Schumann und Jakob Hasselberger.

Bild: Donderer

Der FC Oberstdorf kickt erstmals seit 1975 in der Bezirksliga. Spielertrainer Maier vermisst die Euphorie. Das große Plus: Der Kader ist zusammengewachsen.
06.08.2021 | Stand: 11:03 Uhr

Der Club hat fast ein halbes Jahrhundert darauf gewartet. Ab Samstag kicken die Fußballer des FC Oberstdorf erstmals seit 46 Jahren wieder in der höchsten schwäbischen Spielklasse. Mit dem Heimspiel-Kracher gegen die SpVgg Kaufbeuren starten die Oberallgäuer ab 13.45 Uhr in das „Abenteuer Bezirksliga“. Dabei könnte es für den Aufsteiger nicht nur in Sachen Gegner – die Gäste sind als Landesliga-Absteiger der klangvollste Name der Staffel – kaum reizvoller beginnen. „Wir sind brutal froh, dass es jetzt endlich wieder losgeht“, sagt der Oberstdorfer Spielertrainer Andreas Maier. Seit drei Jahren leitet er die Geschicke unterm Nebelhorn und hat maßgeblichen Anteil am Höhenflug des Clubs. Wir blicken mit dem 37-jährigen Mittelfeldmotor auf die Lage beim FCO, analysieren den Kader und untersuchen den „Überraschungsfaktor Aufsteiger“.

Die Ausgangslage: Historische Serie seit 2018

Sie haben Historisches geschafft – doch so richtig hat es sich nie danach angefühlt. Zu außergewöhnlich waren die Umstände des Aufstiegs in der Corona-Pandemie. In Deutschlands südlichstem Fußballverein sind auch die Feierlichkeiten „nicht angemessen ausgefallen, wie es ein Aufstieg nach 46 Jahren verdient hätte“, sagt Maier. „Es ist ein merkwürdiges Gefühl. Wir wollten die Saison regulär zu Ende spielen. Und durch den Abbruch fühlt es sich nicht nach einem richtigen Aufstieg an.“ Ob regulär oder nicht, auf dem Platz oder durch Paragrafen: Der Durchmarsch des FCO aus der Kreisklasse in die Bezirksliga ist beeindruckend: Oberstdorf lag mit elf Siegen und acht Unentschieden bei zwei Pleiten nach 21 Spielen an der Tabellenspitze der Kreisliga Süd. 2019 war der Club mit der eindrucksvollen Bilanz von 21 Siegen und vier Remis in 26 Spielen aus der Kreisklasse aufgestiegen.

FC Oberstdorf: Es holpert in der Vorbereitung

„Das Schwerste für uns – neben der unheimlich langen Pause, die aber alle haben – ist der Übergang in eine Saison als Aufsteiger“, sagt Spielercoach Maier. „Die Euphorie, die Aufsteiger für gewöhnlich mitnehmen, ist nicht da. Das macht es nicht einfacher, weil alles dahingeplätschert ist. Das spürt man bei den Leuten im Umfeld. Umso mehr wird es auf einen erfolgreichen Start ankommen.“ Den Auftakt dazu gab Maier mit dem Beginn der achtwöchigen Vorbereitung am 15. Juni.

Durchmarsch von der Kreisklasse bis in die Bezirksliga. Der FC Oberstdorf erlebt mit Spielertrainer Andreas Maier (links) seit drei Jahren eine Erfolgsgeschichte – diese führt den Club nun erstmals seit 46 Jahren in die Bezirksliga.
Durchmarsch von der Kreisklasse bis in die Bezirksliga. Der FC Oberstdorf erlebt mit Spielertrainer Andreas Maier (links) seit drei Jahren eine Erfolgsgeschichte – diese führt den Club nun erstmals seit 46 Jahren in die Bezirksliga.
Bild: Günter Jansen

„Wir haben zwei Wochen lang mit Ballgewöhnung angefangen, weil wir die Jungs nicht überfordern wollten. Erst nach drei Wochen hatten wir das erste Testspiel“, sagt Maier, der über ungewöhnlich viele „Hindernisse und Hürden“ klagt: „Der Truppe mache ich keinen Vorwurf – die Jungs sind charakterlich und von der Einstellung her top drauf. Aber die Trainingssteuerung war brutal schwierig. Man hat gemerkt, dass sie monatelang nur ihre Läufe gemacht haben – fast alle haben an Beweglichkeit und Stabilität verloren“. Konditionell musste der ehemalige Profi sein Team wieder auf Stand bringen, entsprechend wurden andere wichtige Bausteine vernachlässigt. Auf die Ergebnisse in den Testspielen allerdings hatte das offenbar keinen direkten Einfluss: Der FCO blieb ungeschlagen, feierte vier Siege und zwei Remis – allein im Totopokal ging man stark ersatzgeschwächt 0:4 in Seeg unter.

Der Kader: Nur ein Abgang - vier Neue im Team

Das größte Plus: Maier hat den Großteil der Mannschaft auch über die lange Pause bei der Stange gehalten. Allein der Kroate Franjo Izdanovic hat den FCO verlassen – alle anderen sind geblieben. Vom VfB Durach wechselt Kubilay Güzel ans Nebelhorn. Der 21-jährige Mittelfeldspieler fehlt anfangs urlaubsbedingt, ist aber „ein ehrgeiziger Spieler, der sich vorbildlich verhält. Er nimmt den Weg von Memmingen nach Oberstdorf auf sich, weil er hier spielen möchte“, lobt Maier. Der Coach plant mit ihm als Ballverteiler vor der Abwehr – Güzel sei technisch sehr stark, arbeite sauber am Ball. Tim Schröder (SC Fornsbach bei Stuttgart) verstärkt das Torhüter-Team.

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Vielversprechend klingen die Schlüsseltransfers: Der Brasilianer Gustavo Pavan lebt seit Mai in Immenstadt und kam über FCO-Physio Michael Otto ins Team. Der 27-Jährige ist Linksfuß, offensiv flexibel einsetzbar, „braucht aber noch ein wenig, um sich einzufinden“, sagt Maier. Das dürfte auch für den Vierten im Bunde gelten: Über Maiers Ex-Kollegen in Sonthofen, Taj Mori, ist der Kontakt zum 23-jährigen Japaner Joichiro Shibata zustande gekommen. Der Außenstürmer ist spielbereit und soll auf Anhieb eine Verstärkung sein.

Auftakt: Irgendwie durch den Sommer kommen

Entsprechend sieht es Maier auch als größten Vorteil in dieser sportlich schwierigen Ausgangslage, dass der Kader zusammengeblieben ist. „Der große Stamm bleibt, plus weniger Ergänzungen – so ist es optimal“, sagt der 37-Jährige. „Es wäre brutal schwer, wenn man unter diesen Voraussetzungen auch noch viele Neuzugänge integrieren müsste.“ Mit „diesen Voraussetzungen“ meint der Spielertrainer zwar auch urlaubsbedingte Ausfälle im Sommer, vor allen Dingen aber die Verletztenmisere, die viele Clubs nach der langen Pause beklagen.

Fünf Spieler fehlen zu Beginn, darunter Roderick Nultsch mit einer schweren Meniskusverletzung sicher noch einige Wochen. Der Topstürmer der Vorsaison, Benedikt Eder (20 Tore), steht wiederum nur bis 12. August zur Verfügung und wird dann an der Kniescheibe operiert. Torhüter Kilian Stölzle fehlt aus privaten Gründen. „Wir müssen irgendwie durch diese Phase durch – und hoffen, dass wir zügig ein paar Punkte sammeln“, gibt Maier vor.

Saisonziel: Nicht früh unter Druck geraten

Dabei hat es das Auftaktprogramm für den FCO schon in sich. Nach dem Kracher am Samstag gegen Landesliga-Absteiger Kaufbeuren, geht es gleich in einer Englischen Woche zum starken Aufsteiger nach Mindelheim, ehe mit Thalhofen und Ottobeuren nach Maiers Befinden „zwei gestandene Bezirksliga-Teams“ warten. „Für einen zweimaligen Aufsteiger kann es nur das Ziel sein, die Liga zu halten. Um auf einem guten Weg zu sein, müssen wir schauen, dass wir früh bloß nicht unter Druck geraten“, sagt der Coach. „Wir werden uns in der Liga einfinden müssen. Die Bezirksliga ist ein neues Kaliber.“