Capitol-Sturm

So reagieren Amerikaner aus der Region: „Erschrocken, aber nicht überrascht“

Aus Erleichterung über den Wahlsieg Joe Bidens spielte Jeff Aug im November die amerikanische Nationalhymne auf dem Immenstädter Kalvarienberg.

Aus Erleichterung über den Wahlsieg Joe Bidens spielte Jeff Aug im November die amerikanische Nationalhymne auf dem Immenstädter Kalvarienberg.

Bild: Werner Kempf

Aus Erleichterung über den Wahlsieg Joe Bidens spielte Jeff Aug im November die amerikanische Nationalhymne auf dem Immenstädter Kalvarienberg.

Bild: Werner Kempf

Die Bilder vom Kapitol in Washington lösten Entsetzen aus. US-Bürger Jeff Aug aus Immenstadt fordert ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump.
07.01.2021 | Stand: 18:54 Uhr

Die Vorfälle in der US-Hauptstadt Washington haben Menschen in aller Welt schockiert. Eine wütende Menge von Anhängern des abgewählten Präsidenten Donald Trump erstürmte das Kapitol. Die Abgeordneten mussten in Sicherheit gebracht werden. Wie reagieren Amerikaner aus der Region auf die Vorfälle?

Amerikaner aus Immenstadt: Sicherheitskräfte haben geschlampt

„Der Sturm aufs Capitol hat mich erschreckt, aber ich war nicht überrascht, wenn man Trump kennt und weiß, wie er und seine Anhänger ticken“, sagt Jeff Aug. Der 50-jährige Musiker aus Immenstadt ist im US-Bundesstaat Maryland auf gewachsen. Trump habe seine Untersützer zu dieser Aktion förmlich aufgerufen. „Mich hat vor allem schockiert, dass zu wenig Polizeipräsenz vor dem Gebäude herrschte“, sagt Aug. Er habe den Eindruck, dass der Verantwortliche für die Sicherheit vor Ort mächtig geschlampt habe.

„Von Teilen der Trump-Fans weiß man, dass sie zu allem fähig sind“, sagt Aug und übt Kritik am US-Präsidenten: „Es war wieder einer der verzweifelten Versuche des Noch-Präsidenten nicht einsehen zu können, dass er die Wahl verloren hat.“ Trumps Verhalten nennt der US-Staatsbürger Aug „unglaublich“: „Erst hetzt er die Anhänger auf, dann bittet er sie, sich zurückzuziehen“, sagt der Immenstädter. „Man sollte sofort ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eröffnen, auch wenn das in der Kürze der Zeit bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt am 20. Januar wohl nichts bringen würde.“ Aber es wäre dennoch ein Signal.

"Immer mehr Republikaner distanzieren sich von Trump"

Aug selbst habe am Mittwochnachmittag noch eine Fackelwanderung mit seiner Familie gemacht und die Fotos seinen Verwandten in den USA geschickt. „Schöne Fotos, aber hier stürmen Menschen gerade das Capitol“, lautete die Antwort. „Ich habe dann sofort den Livestream des US-Fernsehsenders CNN bis nach Mitternacht im Internet angeschaut“, sagt Aug. „Mir kommt Trump vor wie ein Kind, das seine Zeit mit zu vielen Computerspielen verbracht hat und weint, wenn es verliert.“ Trotz der Gewalt und der Toten gestern Abend hätten die Vorfälle aber auch eine gute Seite: „Immer mehr Republikaner distanzieren sich von ihm“, beobachtet der US-Bürger und fügt hinzu: „Es wäre eine Katastrophe, wenn er – wie er sagt – in vier Jahren noch einmal antreten würde.“