Aufklärung in den sozialen Medien

Richtiges Verhalten in den Alpen: "Es kommt dann auch mal vor, dass wir Posts löschen lassen"

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Rangerin Theresa Hilber (Mitte) und Praktikantin Anna Mareike Rathjen (links) informieren Touristen über die richtige Verhaltensweise in der Natur.

Bild: Luke Maguire

Rangerin Theresa Hilber (Mitte) und Praktikantin Anna Mareike Rathjen (links) informieren Touristen über die richtige Verhaltensweise in der Natur.

Bild: Luke Maguire

Wie verhält man sich richtig in der Natur? Diese Frage wollen Ranger des Naturparks Nagelfluhkette Touristen beantworten, die Urlaub im Allgäu machen.
08.09.2021 | Stand: 10:26 Uhr

Viele Urlauber zieht es im Sommer ins Allgäu. Immenstadt und der Große Alpsee stehen oft auf den To-do-Listen der Touristen. Aber auch der Weg in die Berge ist bei Gästen aus Nah und Fern mit eingeplant. Damit das sowohl für Mensch als auch Tier so angenehm wie möglich wird, informieren Ranger des Naturparks Nagelfluhkette über Verhaltensweisen in der Natur.

„Schützen und Nützen steht hierbei im Vordergrund“, sagt Rangerin Theresa Hilber. Der Mensch sei primär kein Störfaktor, doch sein Verhalten in der Natur wichtig. „Unsere Wanderwege sind sehr gut ausgebaut und beschildert. Wenn sich die Leute an die ausgewiesenen Wege halten, stören sie auch keine Tiere und tragen so indirekt zum Naturschutz bei“, erklärt Hilber.

Eine der größten Herausforderungen für die Ranger ist die Besucherlenkung. „Wir kontrollieren die Wege, die Beschilderung und weisen die Leute bei Fehlverhalten auch höflich darauf hin. Grundsätzlich wollen wir einfach ein Bewusstsein bei den Menschen schaffen und sie für den Naturschutz sensibilisieren.“

Immer mehr Mountainbiker in den Bergen unterwegs

In den vergangenen Jahren beschäftigten die Ranger vor allem die vielen Mountainbiker in den Bergen. „Wir registrieren, dass einige querfeldein fahren und die Beschilderungen missachten.“ Auch die Bewirtschafter und Grundbesitzer würden immer mehr Fahrradfahrer feststellen. „Respekt vor dem Eigentum der Mitmenschen und vor der Tier- und Pflanzenwelt erwarten wir von allen“, sagt Hilber. Das gibt sie auch so den Gästen vor Ort mit auf den Weg.

Ansturm auf die Allgäuer Alpen: Probleme mit den Sozialen Medien

Was immer vermehrt auf die Ranger zukommt, sei die Arbeit mit den Sozialen Medien und die Probleme, die durch das Teilen von Bildern und Videos entstehen. „Ein Bild ist in kürzester Zeit online gestellt und der Ansturm dann riesig.“ So geschehen bei den Buchenegger Wasserfällen. „Die wurden dann zu einem Hotspot und die Natur entwickelt sich dort wegen des großen Besucheransturms immer schlechter“, bedauert Hilber. Deshalb versuchen die Ranger, auch über die Sozialen Medien die Menschen zu sensibilisieren. „Es kommt dann auch mal vor, dass wir Posts löschen lassen“, erzählt die Rangerin. (Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier: Mit „Kemptener-Fußgänger-Zone-Outfit“ in den Bergen: "Social-Media-Wanderer" machen im Allgäu Probleme)

Naturparkranger Theresa Hilber bringt ein Hinweisschild zu den Gefahren im Strudel des Wasserfalls und zum naturverträglichen Verhalten an. Immer wieder gibt es an den Buchenegger Wasserfällen Probleme mit den sogenannten Gumpenjuckern, die an den Wasserfällen in die Tiefe springen. Der Naturpark Nagelfluhkette, der Markt Oberstaufen und die Bayerische Staatsforsten wollen mit den Warnschildern auf die Gefahren des Gumpenjuckens aufmerksam machen.
Naturparkranger Theresa Hilber bringt ein Hinweisschild zu den Gefahren im Strudel des Wasserfalls und zum naturverträglichen Verhalten an. Immer wieder gibt es an den Buchenegger Wasserfällen Probleme mit den sogenannten Gumpenjuckern, die an den Wasserfällen in die Tiefe springen. Der Naturpark Nagelfluhkette, der Markt Oberstaufen und die Bayerische Staatsforsten wollen mit den Warnschildern auf die Gefahren des Gumpenjuckens aufmerksam machen.
Bild: Max Löther

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Aktuell sei besonders auf die Balz- und Paarungszeit der Tiere zu achten. Als Beispiel nennt Hilber den Auerhahn: „Die Hennen beobachten das Männchen bei der Balz. Wenn da auf einmal Menschen auftauchen, verschreckt das die Weibchen und das mit Testosteron vollgepumpte Männchen kennt dann kein Halten mehr und greift sogar an.“

Wandern: So verhält man sich richtig in der Natur

  • Auf den ausgeschilderten Wegen wandern und radeln
  • Keinen Müll herumliegen lassen
  • Tiergatter und -tore schließen sowie die Tiere auf den Alpen nicht stören
  • Hunde an der Leine lassen
  • Beschilderung beachten: Schützt das eigene Leben sowie das der Tiere und Pflanzen
  • Soziale Medien nur bedingt nutzen – führt unweigerlich zur Bildung von touristischen Hotspots
  • Nicht in der Dämmerungszeit wandern, um Tiere nicht aufzuschrecken
  • Keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen

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