1. FC Sonthofen plant Großprojekt

"Sonst wird der Club sterben": Heiße Debatte um neues Sonthofer Vereinsheim

Matthias Schmidle führt den 1. FC Sonthofen seit 2016 als Präsident. Mit dem Bau des eigenen Vereinsheims in der Baumit-Arena will der 47-Jährige eine neue Epoche der Clubgeschichte einleiten.

Matthias Schmidle führt den 1. FC Sonthofen seit 2016 als Präsident. Mit dem Bau des eigenen Vereinsheims in der Baumit-Arena will der 47-Jährige eine neue Epoche der Clubgeschichte einleiten.

Bild: Ronald Maior

Matthias Schmidle führt den 1. FC Sonthofen seit 2016 als Präsident. Mit dem Bau des eigenen Vereinsheims in der Baumit-Arena will der 47-Jährige eine neue Epoche der Clubgeschichte einleiten.

Bild: Ronald Maior

Präsident Matthias Schmidle formuliert einen flammenden Appell für das 220.000-Euro-Vereinsheim in der Baumit-Arena. Ein Streitpunkt sorgt für Brisanz.

06.05.2022 | Stand: 19:43 Uhr

Der Präsident bleibt. Sportlich läuft es gut. Auch finanziell. Trotz Pandemie. Deckel drauf. Und doch bot die Jahreshauptversammlung des 1. FC Sonthofen heuer weitaus mehr – dabei stand nicht der Sport im Fokus. Denn während die Landesliga-Mannschaft am Samstag ab 14.30 Uhr gegen Bad Heilbrunn auf dem Rasen um eine sportlich erfolgreiche Zukunft kämpft, läuft im Hintergrund das größte Projekt in der jüngeren Clubgeschichte. Der größte Fußballverein des Landkreises arbeitet mit Hochdruck am Bau eines eigenen Vereinsheims in der Baumit-Arena.

FCS-Boss schlägt Alarm: "Wir kämpfen für ein Zuhause"

„Wir kämpfen seit eineinhalb Jahren für ein Zuhause. Wir haben keine eigene Heimat, können keine eigenen Versammlungen oder auch nur Spielerbesprechungen durchführen, weil wir kein Dach über dem Kopf haben“, sagt Präsident Matthias Schmidle. „Es ist ein Thema, das uns schon lange bewegt. In der aktuellen Situation können wir weder den Kindern noch den Eltern einen Raum anbieten. Das ist für einen Verein in dieser Größenordnung nicht machbar. Deshalb müssen wir den Bau des Vereinsheims über die Bühne bringen.“

Schmidle rechnet mit einer Fertigstellung im Spätsommer, in jedem Fall aber noch in diesem Jahr – zur Weihnachtsfeier 2022 „sollten wir in unserem neuen Heim feiern können“, hofft der Präsident. Allerdings muss die Idee vom neuen Eigenheim des FCS noch einige Hürden überwinden, ehe die ersten Bagger tätig werden können.

Der Bauantrag liegt sein Mitte April beim Landratsamt, das diesen erst noch genehmigen muss. Der Stadtrat hatte dem Antrag des Clubs bereits im Vorfeld Ende März einstimmig stattgegeben. „Sobald wir das „Ok“ vom Landratsamt haben, gehen wir in die Vollen“, sagt Schmidle.

So soll das Vereinsheim des FCS aussehen.
So soll das Vereinsheim des FCS aussehen.
Bild: Foto: Lienert/Grafik: Stefan Beckmann/Quelle: Architekturbüro Füß

Das Gebäude soll in der Südkurve des Hauptplatzes in der Baumit-Arena entstehen und an den bereits bestehenden Kiosk angebaut werden. Zusätzlich sollen ein Lagerraum und ein kleines Toilettengebäude entstehen. Das ebenerdige Vereinsheim soll etwa 80 bis 90 Personen auf 85 Quadratmetern fassen können. Da nur ein Teil der geplanten Baufläche asphaltiert ist, sind beim Grund ebenso Vorarbeiten zu leisten, wie beim Kioskdach, das als komplettes Satteldach über dem gesamten Gebäudekomplex erneuert werden soll. Das Flachdach der Toiletten wird begrünt.

Finanzielles Mammutprojekt

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In zwei Punkten rief der Vorstand die Versammlung zur Abstimmung auf. In Sachen Finanzen, das machte Schmidle deutlich, „ist das eine Riesennummer für unseren Verein, finanziell ein Mammutprojekt.“ 220.000 Euro umfassen der gesamte Neubau des Heims und der Umbau des Bestandskiosks. Davon sind allein 100.000 Euro für den Kunstholzbau mit Boden- und Dachdämmung, für Wärmepumpe und zwei Splitgeräte sowie für die Doppelfenster veranschlagt. Die Kosten für WC-Anlagen, Abstellraum und das neue Dach belaufen sich auf 60.000 Euro. Die dämmende Fassade für die Außenanlagen wird 36.000 Euro verschlingen.

Dass die Stadt das Projekt mit 20.000 Euro bezuschusst, sorgte angesichts der Höhe der Summe zwar für kurzen Missmut bei einem anwesenden Vereinsmitglied, ist für den Präsidenten aber nicht hoch genug anzurechnen: „Die Gespräche mit der Stadt und mit dem Sportamt zu diesem Thema sind immer konstruktiv. Anders würde es nicht gehen. Wir sind der Stadt sehr dankbar.“

Streitpunkt: Nutzungsvertrag mit der Stadt

Das sollte der FCS der Stadt vor allem wegen des großen Streitpunkts, dem Nutzungsvertrag, sein. In dieser Sache – übrigens die zweite einstimmige Beschlussfassung der Hauptversammlung – berät Anwalt Roman Hanisch den Verein. „Der Hauptstreitpunkt geht auf die Tatsache zurück, dass die Stadt mit der Baumit-Arena oberhalb des Platzes ein Konkurrenzverbot für die Gastronomie im Umkreis von 500 Metern vereinbart hat und auf diesem Gelände kein Konkurrenzbetrieb installiert werden darf“, sagte Hanisch. „Das rechtliche Gutachten ergab, dass der Bestandskiosk, der seit Jahren das Fußballleben erhält, um das Vereinsheim erweitert wird und deshalb kein Verstoß gegen das Konkurrenzverbot bedeutet.“

Im Detail sieht der Vertragsentwurf konkret vor: Das Vereinsheim darf 25 Jahre bis Juli 2047 genutzt werden – Vertragsparteien sind der 1. FC Sonthofen und die Stadt Sonthofen. Wird der Vertrag nicht vorzeitig gekündigt, verlängert er sich in der Folge um drei Jahre. Der FCS zahlt einen Pachtzins von 500 Euro, der sich dreijährig um 25 Euro erhöht, und darf das Vereinsheim von 8 bis 22 Uhr für „satzungsgemäße Vereinszwecke nutzen“. Zum Vertragsende verpflichtet sich der Verein zum kompletten Rückbau des Gebäudes, wobei die Stadt das Optionsrecht auf Erwerb der Gebäude zum Vertragsende besitzt.

Präsident Schmidle glättet die Wogen

Entsprechend war Matthias Schmidle angesichts des schwelenden Konflikts mit den Betreibern der Arena-Gastro wegen des möglichen Verstoßes gegen das Konkurrenzverbot auf Besänftigung aus. „Das hat nichts mit der Situation in der Arena zu tun – der Betreiber führt eine öffentliche Gaststätte. Uns geht es aber darum, dass wir als Club ein Vereinsheim haben, wo wir nicht mehr immer fragen müssen, wann wir wo rein dürfen“, sagt der Präsident. „Wir werden immer ein Verein sein, der auf gute Zusammenarbeit pocht. Aber das heißt nicht, dass wir auf ein Zuhause verzichten.“

Die Versammlung der Mitglieder jedenfalls genehmigte dem Vorstand die Finanzmittel und erteilte ihm auch das Mandat, den Vertrag mit der Stadt zu schließen. Und doch legte Schmidle abschließend noch einen Gang zu: „Nur dieses Vereinsheim kann die Zukunft des 1. FC Sonthofen sein. Wenn dieses Vereinsheim nicht kommt, ist der Verein nicht mehr überlebensfähig. Ohne wird der Verein sterben“, sagte der Präsident. Wir hätten kein Vereinsleben, hätten keine Möglichkeiten, keine Chance als Club zu überleben. Deshalb hat das absolute Priorität.“

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