Tauchsport im Wandel

Sonthofer berichten von faszinierenden Erlebnissen in unbekannten Welten

Tauchsportclub Sonthofen

Brigitte Pfaff vom TSC Sonthofen Ende der 1970er-Jahre mit einem Hauptregler, ohne richtige Tariermittel. Heute gehören Trockentauchanzüge, Tarierwesten und Tauchcomputer zur Berechnung von Austauchzeiten zum Standard.

Bild: Pfaff

Brigitte Pfaff vom TSC Sonthofen Ende der 1970er-Jahre mit einem Hauptregler, ohne richtige Tariermittel. Heute gehören Trockentauchanzüge, Tarierwesten und Tauchcomputer zur Berechnung von Austauchzeiten zum Standard.

Bild: Pfaff

Beim Tauchen hat nicht nur die Ausrüstung einen Wandel erfahren. In ehemals stillen Buchten herrscht heute Massentourismus, berichten Sonthofer Wassersportler.
07.06.2021 | Stand: 07:13 Uhr

„Taucher sind Idealisten, die die Natur und die Tiere lieben“, sagt Brigitte Pfaff. Die 79-Jährige, die als eine der wenigen Frauen das deutsche Tauchsportabzeichen in Gold erworben hat, ist nicht nur hobbymäßig auf Erkundungstour durch die Unterwasserwelt gegangen, sondern war Jahrzehntelang als Fotografin im Einsatz. Dabei hat sie eine besondere Form des Wandels ihrer Sportart erlebt, nämlich die der Natur.

Noch gut erinnert sie sich an ihren ersten Tauchgang im Sinai, die sie 1974 in Begleitung des israelischen Militärs unternehmen durfte und der für sie „Abenteuer pur“ war. „Ich werde das mein Leben lang nicht vergessen“, schwärmt sie von den insgesamt 15 Tauchgängen im Sinai. Als Pfaff das Gebiet 40 Jahre später erneut aufsuchte, war es „durch den Massentourismus verändert“.

In den ehemals schönen, stillen Buchten entdeckte sie Hotelkomplexe. Schon morgens fuhren unzählige Boote mit Tauchausflügler hinaus. Die Allgäuerin empfand den Wandel als „eine andere Art von schön“. Für alle jungen Menschen, die den Tauchsport für sich entdeckt haben, freut sie sich, trauert aber gleichsam den vielen Korallenriffen hinterher, die durch die Klimaerwärmung gestorben sind. Anhand ihrer Unterwasseraufnahmen kann sie nämlich die Veränderungen unter Wasser hervorragend nachverfolgen. Der Reiz des Tauchsports lag für die 79-Jährige sowohl in der Ruhe und dem Frieden der Unterwasserwelt, in der dort heimischen Tierwelt und im Fotografieren all dieser Schönheiten.

Genussfaktor im Mittelpunkt

Björn Sehnert wurde mit sechs Jahren von der Unterwasserwelt in seinen Bann gezogen, als ihn sein Vater das erste Mal zum Schnorcheln mitnahm. Bereits dort hegte er den Wunsch, irgendwann einmal tauchen zu lernen. Als sich Jahre später die Gelegenheit ergab, machte der damals 19-Jährige seinen Tauchschein und genießt seither die Schönheit der Unterwasserwelt. Für ihn liegt die Besonderheit darin, „in der dritten Dimension zu schweben und Welten zu erblicken, in die nicht jeder hinkommt“, erzählt er. Obwohl es auch beim Tauchen unter anderem mit Unterwasser-Rugby, -Hockey sowie Apnoe-Tauchen und mehr verschiedenste Möglichkeiten gibt, sich wettkampftechnisch in organisierten Ligen zu messen, rückt das bei vielen Tauchern stattdessen der Genussfaktor in den Vordergrund. Brigitte Pfaff hat zwar auch schon Wettkämpfe im Orientierungstauchen absolviert, in erster Linie hat sie aber das Tauchen an sich „gelernt und gelebt“. Sie sagt heute rückblickend, dass sie „dazu geboren“ war mit ihrer Kamera 40 Jahre lang in der ganzen Welt zu tauchen und die Unterwasserwelt zu fotografieren. Auf die Frage, was sich bei den technischen Voraussetzungen für die Taucher verändert hat, entgegnet die 79-Jährige kurz und knapp „alles“. Nur mit einer Neopren-Jacke absolvierte sie in alten Seen ihre ersten Tauchgänge, während Björn Sehnert heute im modernen Trockentauchanzug ins Wasser geht, bei dem er lediglich im Gesicht nass wird. „Das hat sich brutal verändert“, stellt auch der 40-Jährige fest, während Brigitte Pfaff „fasziniert“ die moderne Ausrüstung des Sonthofer Tauchlehrers betrachtet.

Denn angefangen mit dem besseren Wärmeschutz über präzise Tariermittel, die verhindern, dass die Taucher Korallen und andere Unterwasserschätze versehentlich beschädigen bis hin zur Dekompression, hat die komplette Ausrüstung einen vehementen Wandel durchlebt. Gerade bei letztgenanntem Faktor „musste man früher noch richtig rechnen, während man die Werte heute vom Computer ablesen kann“, erzählt Sehnert.

Extreme Druckverhältnisse

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Die körperlichen Voraussetzungen sind beim Tauchen exakt geregelt, denn bevor sich jemand der Faszination der Unterwasserwelt widmen kann, muss er eine Tauchtauglichkeitsbestätigung vorweisen, für die die körperliche Fitness vor allem in puncto Lunge und Ohren ärztlich abgeklärt wird, damit sichergestellt ist, dass Taucher den extremen Druckverhältnissen standhalten können.

Denn so schön der Sport auch ist, er birgt auch Gefahren. „Die Umgebung kann tödlich sein, wenn man sich nicht auskennt“, betont Björn Sehnert. Um schwere Tauchunfälle zu vermeiden wird daher immer größerer Wert auf die Sicherheit der Sportler gelegt, was sich in verschiedenen Aspekten bemerkbar macht. Im Training wird besonders auf die Ausdauer geachtet, da man für die Tauchgänge eine gute Grundkonstitution benötigt. Für Notsituationen wird auch das Tauchen ohne Gerät mit nur einem Atemzug trainiert. Und wenn es unter Wasser ans Erkunden von Wracks und Höhlen geht, wird der Rückweg beispielsweise mithilfe eines Seils markiert.

Keine „Tiefenjägerei“ mehr

Insgesamt beschreibt Björn Sehnert, dass das Tauchen „nicht mehr so sehr Tiefenjägerei“ sei wie früher, sondern „rücksichtsvoller“ gegenüber der Natur geworden ist. Während Korallen früher beispielsweise als Souvenir oft mitgenommen wurden, beschränkt man sich heute darauf, sie an Ort und Stelle zu bewundern. Die Gebiete sind die gleichen geblieben. Pfaff und Sehnert sind sich darin einig, dass beispielsweise das Rote Meer „damals schon so interessant war, wie es heute ist“. Da sich in der Vergangenheit „leider viele Taucher schlecht aufgeführt haben, müssen heute durch Tauchverboten in bestimmten Gegenden alle drunter leiden“, bedauern Pfaff und Sehnert.