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"Das ist Blödsinn": Aktuelle Corona-Regeln im Immenstädter Spital sorgen für Kritik

Besucherinnnen und Besucher von Pflegeheimen müssen nach wie vor einen negativen Schnelltest vorlegen und eine Maske tragen. Die Bewohner des Spitals Immenstadt halten nichts von den Regeln. Leiter Florian Adolf befürchtet, dass Testzentren bald vermehrt zu machten.

Besucherinnnen und Besucher von Pflegeheimen müssen nach wie vor einen negativen Schnelltest vorlegen und eine Maske tragen. Die Bewohner des Spitals Immenstadt halten nichts von den Regeln. Leiter Florian Adolf befürchtet, dass Testzentren bald vermehrt zu machten.

Bild: Sina Schuldt, dpa (Symbolbild)

Besucherinnnen und Besucher von Pflegeheimen müssen nach wie vor einen negativen Schnelltest vorlegen und eine Maske tragen. Die Bewohner des Spitals Immenstadt halten nichts von den Regeln. Leiter Florian Adolf befürchtet, dass Testzentren bald vermehrt zu machten.

Bild: Sina Schuldt, dpa (Symbolbild)

Während Menschen wieder zu Tausenden feiern dürfen, müssen Besucher von Pflegeheimen weiter strenge Regeln beachten. Genau dort, wo Besuche so wichtig sind.
21.06.2022 | Stand: 07:13 Uhr

Tausende Menschen haben kürzlich in Sonthofen beim Sommer Open Air ausgelassen getanzt und gefeiert. Corona schien dort, wie in vielen anderen Lebensbereichen, nicht mehr zu existieren. Wenige Kilometer entfernt ist die Pandemie jedoch genauso präsent wie noch vor einigen Monaten.

„Zugang nur mit negativem Schnelltest“, ist auf einem Schild am Eingang des Spitals Immenstadt zu lesen. Es wirkt aus der Zeit gefallen. Die Zugangsbeschränkungen gelten auch für geimpfte und genesene Besucher. Die Bewohnerinnen hingegen können rein und raus wie sie wollen – ohne negativen Test.

„Das ist Blödsinn“, sagt Bewohner Ralf Herrmann (66) im Gespräch mit unserer Redaktion. „Über die Corona-Regeln regt sich meine Frau jedes Mal auf.“ Sie sei genesen und drei Mal geimpft und müsse sich trotzdem jedes Mal noch testen, bevor sie ihn besuchen dürfe. Herrmann versteht nicht, warum an diesen Regeln festgehalten werde, wenn gleichzeitig das Oktoberfest genehmigt werde und die Fußballstadien voll seien.

Hinweis zur FFP2-Maskenpflicht in Immenstadt: "Das haben wir quasi als Mahnung stehen lassen"

Den aktuellen Corona-Regeln in Bayern zufolge benötigen Besucherinnen und Besucher von Pflegeheimen neben dem negativen Schnelltest eine Maske. Zwar reiche auch ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz, doch am Eingang des Spitals Immenstadt steht noch ein Hinweis zur FFP2-Maskenpflicht. „Das haben wir quasi als Mahnung stehen lassen“, sagt Florian Adolf, Leiter der Einrichtung. Zwei bis drei Mal in der Woche komme es vor, dass Besucher herein wollten, ohne eine Maske aufzuziehen. Ihnen sei oft nicht bewusst, dass dort noch Zugangsbeschränkungen gelten.

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Die 65-jährige Bewohnerin Marianne Häckl übt ebenso Kritik an den Corona-Regeln. Schließlich könne sie das Heim verlassen, ihre Angehörigen draußen treffen und dann uneingeschränkt ins Spital zurückkehren. Wenn ihre Familienmitglieder jedoch zum Beispiel während einer Radtour spontan vorbeischauen wollten, könnten sie nicht herein kommen. Auch ihren 82-jährigen Mann, der nicht im Heim wohnt, stellten die Corona-Regeln vor Herausforderungen. „Er sieht nicht mehr so gut und kann nicht alleine zum Testen gehen“, sagt Häckl. Die Tochter müsse ihn dabei begleiten. Die habe jedoch nicht immer Zeit. Lesen Sie auch: Was man tun muss, wenn man Corona-Positiv ist - und was man tun sollte

Das Personal im Spital wird täglich getestet

Besucher sollten freiwillig und selbst entscheiden können, verantwortungsvoll zu handeln, sagt Adolf und die beiden Bewohner nicken zustimmend. Wenn es nach dem Spital-Leiter ginge, ließe er die Zugangsbeschränkungen für die Besucher und die Maskenpflicht für die Mitarbeiter fallen. „Natürlich müssen wir schon für die Sicherheit sorgen“, sagt der Leiter. Daher werde zum Beispiel das Personal im Spital täglich getestet, obwohl nur zwei Tests pro Woche gesetzlich vorgeschrieben sind. Bewohner machten einen Schnelltest, wenn sie Symptome zeigten. Nach Angaben von Adolf gebe es vereinzelt Angehörige, die aus Angst vor einer Ansteckung froh seien um die Regeln. Diese könnten sich jedoch weiterhin testen lassen.

Die Testverordnung des Ministeriums läuft nur noch bis 30. Juni

Adolf befürchtet außerdem, dass das Angebot an offiziellen Teststellen abnehme, falls sich die Schnelltests nicht mehr rentierten. Die Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die unter anderem die Abrechnung der Tests festlegt, läuft zum 30. Juni aus. „Es ist noch völlig unklar, ob sie verlängert wird oder nicht“, sagt Adolf. Falls Testzentren schließen sollten, wird der Besuch für die Angehörigen jedoch komplizierter.

„Wir müssen anfangen, mit dem Virus zu leben“, sagt Häckl. Sie selbst sei auf dem Maimarkt in Immenstadt gewesen und habe dort wieder Lebensfreude gespürt. Auch im Spital sollen wieder vermehrt Veranstaltungen mit allen Bewohnern stattfinden, sagt Adolf. Nach aktuellem Stand dürften Angehörige allerdings nicht teilnehmen.

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